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#Illustratiom #3d #rendering #mywork

Reinhard Mey - Viertel vor Sieben


Album: Flaschenpost, 1998
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Dunkle Regenwolken sind aufgezogen,
Die Dämmerung fällt auf einmal ganz schnell.
Überm Stahlwerk flackert blau der Neonbogen,
Die Fenster im Ort werden hell.
„Wo hast du dich nur wieder rumgetrieben,
Zieh die klatschnassen Schuh‘ erstmal aus!“
Manchmal wünscht‘ ich, es wär‘ noch mal viertel vor sieben
Und ich wünschte, ich käme nach Haus!
Und es soll Sonnabend sein und es soll Topfkuchen geben
Und der soll schon auf dem Küchentisch stehn
Und eine Kanne Kakao und meine Tasse daneben
Und ich darf die braune Backform umdrehn.
Schokoladenflocken mit der Raspel gerieben
In der Schaumkrone meines Kakaos.
Manchmal wünscht‘ ich, es wär‘ noch mal viertel vor sieben
Und ich wünschte, ich käme nach Haus!

Ein Brief zwischen Zeitung und Werbung im Kasten
Erschüttert dein Fundament:
Anna und Hans, die so gut zusammenpaßten,
Haben sich einfach getrennt.
Wie hast du sie beneidet, zwei, die sich so lieben!
Und plötzlich ist doch alles aus.
Manchmal wünscht‘ ich, es wär‘ noch mal viertel vor sieben
Und ich wünschte, ich käme nach Haus!
Und Vater soll im Wohnzimmer Radio hör´n
In den steinalten Grundig versenkt.
Und die Haltung sagt mir: Bloß jetzt nicht stören!
Und wenn er den Blick auf mich lenkt,
Mit der vorwurfsvoll‘n Geste die Brille hochschieben,
„Menschenskind, wie siehst du wieder aus!“
Manchmal wünscht‘ ich, es wär‘ noch mal viertel vor sieben
Und ich wünschte, ich käme nach Haus!
Das Fell wird dünner und leerer der Becher,
Der Zaubertrank wirkt nur noch schwer.
Der Kummer ist tiefer, der Trost scheint schwächer,
Und es heilt nicht alles mehr.
Wo ist meine Sorglosigkeit geblieben,
Was machte Erkenntnis daraus?
Manchmal wünscht‘ ich, es wär‘ noch mal viertel vor sieben
Und ich wünschte, ich käme nach Haus!
Nur einen Augenblick noch mal das Bündel ablegen
Und mit argslosem Übermut,
Durch dunkle Wege, der Zuflucht entgegen
Und glauben können: Alles wird gut!
Manchmal wünscht‘ ich, die Dinge wär‘n so einfach geblieben
Und die Wege gingen nur gradeaus,
Manchmal wünscht‘ ich, es wär‘ noch mal viertel vor sieben
Und ich wünschte, ich käme nach Haus!

#ReinhardMey #liedermacher #musik #music
 
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#Illustration #gmic #gimp #krita #gif #animation #mywork

Gerhard Gundermann - Halte durch


Album: Männer, Frauen und Maschinen, 1988
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Halte durch, wenn's irgendwie geht
Bist doch 'ne kluge Frau
Bist doch 'n erfahrner Planet
Wir machen dich zur Sau

Adam hat nach dem Apfel geblickt
Du hast ihn freundlich rausgerückt
Wir ham uns auf dir breit gemacht
Am Anfang hast du noch gelacht

Wir ham von unsern hohen Rossen
Die Wildbahn zum Highway freigeschossen
Flora ist schon fast k.o.
Fauna stirbt in irgendeinem Zoo

Halte durch, wenn's irgendwie geht
Bist doch 'ne kluge Frau
Bist doch 'n erfahrner Planet
Wir machen dich zur Sau

Wir ham den Amazonaswald zersägt
Zur Strafe hast du Afrika das Wasser abgedreht
Ach Mama, das ist doch die falsche Adresse
Das Abendland braucht auf die Fresse

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Du mußt uns solange schlagen
Bis wir lernen bitte zu sagen
Bis wir stolz und glücklich sind
Mit 'm Apfel und 'm Ei und 'm warmen Wind

Halte durch, wenn's irgendwie geht
Bist doch 'ne kluge Frau
Bist doch 'n erfahrner Planet
Wir machen dich zur Sau

Was kann ich für dich tun, ich weiß es nicht
Bin zwar 'n grünes, doch 'n kleines Licht
Und bin auch ein feindlicher Soldat
Der schon von deiner Haut gefressen hat

Ich steh gegen dich an der Front
Überlaufen hab ich noch nicht gekonnt
Doch ich bin dein treuer Sohn
Irgendwann, da komm ich schon

Halte durch, wenn's irgendwie geht
Bist doch 'ne kluge Frau
Bist doch 'n erfahrner Planet
Wir machen dich zur Sau

Halte durch, wenn's irgendwie geht
Bist doch 'ne kluge Frau
Bist doch 'n erfahrner Planet
Wir machen dich zur Sau

Halte durch, wenn's irgendwie geht
Bist doch 'ne kluge Frau
Bist doch 'n erfahrner Planet
Wir machen dich zur Sau

#GerhardGundermann #Liedermacher #FridaysForFuture
 
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#Illustration #gmic #gimp #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork

Hannes Wader - Strenge Gesellen


Album: Hannes Wader singt ..., 2000
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Vor Jahren, ich weiß es noch ganz genau
Hatte ich mal einen Job beim Bau
Ich hielt es eine gute Weile aus
Da rutschte mir plötzlich ein Fremdwort heraus!
Und ehe ich ein Wort der Entschuldigung fand
War ich von allen Kollegen längst als Intellektueller erkannt!
Bei Richtfest nahmen mir die strengen Gesellen
Mein Bier weg und ich musste mich in eine Ecke stellen!

Danach geriet ich, ich weiß es noch wie heute
Unter lauter kluge Leute
Ich hielt es eine gute Weile aus
Da rutschte mir das Wörtchen "Scheiße" heraus!
Und ehe ich ein Wort der Entschuldigung fand
War ich von allen Denkern längst als Gefühlsmensch und Prolet erkannt!
Da entzogen mir die strengen Gesellen
Gleich das Wort und ich musste mich in eine Ecke stellen!

Dann beschloss ich, es fällt mir grad' ein
Endlich mal freischaffend tätig zu sein
Ich hielt es eine gute Weile aus
Da rutschte mir mein gestärktes Hemd wo heraus!
Und ehe ich ein Wort der Entschuldigung fand
War ich von allen Künstlern längst als korrumpierter Bürger erkannt!
Gleich kleckerten mir die strengen Gesellen
Farbe auf's Hemd und ich musste mich in eine Ecke stellen!

Ich ging und ließ mich, ich erinnere mich wieder
'Ne Zeitlang in einer Kleinstadt nieder
Ich hielt es eine gute Weile aus
Da wuchs mir ein Schnauzbart - sah gar nicht schlecht aus!
Und ehe ich ein Wort der Entschuldigung fand
War ich von allen Nachbarn längst als Anarchist erkannt!
Und gleich schlossen die strengen Gesellen
Ihre Töchter weg und ich musste mich in eine Ecke stellen!

Endlich fand ich Geschmack an allerlei Späßen
An seltenen Dingen und gutem Essen
Das hat sich eine ganze Weile bewährt
Dann hab' ich wohl die Umwelt durch mein Schmatzen gestört!
Und ehe ich ein Wort der Entschuldigung fand
War ich von allen Leuten längst als Epikuräer erkannt!
Als sie begannen jeden Bissen zu zählen
Forderte ich die Gesellschaft auf, sich in die Ecke zu stellen!

Und ich erlaube ihr mir beim Kau'n
Aus der Entfernung zuzuschau'n!

#HannesWader #liedermacher #music #musik
 
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Christof Stählin - Sauregurkenzeit


Album: Querschnitt Lieder 1968-1979, 1980

Lied eines ausgeflippten und abgeschlafften Studenten zur Saurengurkenzeit im Monat August in einer schwäbischen Klein- und Universitätsstadt.

Das ist die Sauregurkenzeit
Wenn die Sonne einsam auf die Ziegeldächer brennt
Und's Vanill'eis über die Finger rennt
Das ist so die richtige Herzausschütte-Zeit

Also, am Mittwoch, da hab' ich den Ulli im Schwimmbad getroffen, und er hat mich gleich gefragt, ob ich auch nicht arbeiten könnte bei der Hitze. Da war ich ganz begeistert und hab' ihn gefragt, ob er denn heute Morgen keinen Waldlauf gemacht hätte. Der Ulli ist nämlich an sich so ein Typ, der steht jeden Morgen um halb Sieben auf, dann macht er seinen Waldlauf, dann frißt er sein' Joghurt, dann erledigt er sein Tagespensum.
Also, ich hab' ihn gefragt, und "Nein!" hat er gesagt. Er hätte erkannt, daß Waldlauf nur eine Ersatzbefriedigung wäre, und im Grunde eine Kastrationsübung. Er hat nämlich grade Wilhelm Reich gelesen. Also gut, hab' ich gesagt, dann können wir ja zusammen ein Bierchen trinken geh'n, aber er er muß mich einladen, weil mir der Charly meine zehn Mark nicht zurückgibt. Ich kann's aber auch nicht von ihm verlangen, weil doch der Charly jetzt mit der Sabine geht, und die kriegt noch fuffzich Mark von mir.
Also gut, sind wir'n Bierchen trinken gegangen. Und wie wir da so sitzen, isser auf einmal so komisch geworden. Ich hab' gemerkt, daß er was sagen will und hab' gesagt, verdammt nochmal, er soll sich nicht so zieren gefälligst, und hab' gleich noch zwei Bier bestellt. Da hat er angefangen: "Weißte," sagt er, "Das mit dem Leistungszwang - auch auf sexuellem Gebiet." Fünf Jahre lang hätt' er jetzt nach dem Leistungsprinzip gelebt, aber seit er den Leistungszwang abbaut, erlebt er eine ungeheure Befreiung.

Das ist die Sauregurkenzeit
Wenn die Sonne einsam auf die Ziegeldächer brennt
Und's Vanill'eis über die Finger rennt
Das ist so die richtige Zimmerwirtinnen-Zeit

Also, ich hab' den Ulli dann noch gefragt, ob er denn glaubt, daß die Mädchen, mit denen er da schläft, auch eine ungeheure Befreiung erleben, wenn er den sexuellen Leistungszwang abbaut. Die vier Bier hat er noch bezahlt, aber seither grüßt er mich nur noch ganz kühl.
Apropos - der Frau Brändle bin ich begegnet heute Mittag, als ich gerade mit der Sabine die Treppe runtergekommen bin. Frau Brändle ist meine Zimmerwirtin. Da hat sie mich auch nur ganz kühl gegrüßt, hat mich aber abends zum Fernseh'n eingeladen.
Gut. Bin ich hingegangen. Aber auf einmal hat sie den Fernseher abgestellt, hat mir Apfelsaft eingeschenkt, hat sich im Lehnstuhl zurückgelehnt und hat gesagt, sie wär' enttäuscht von mir. "Warum?", hab' ich gefragt. Ja, sagt sie, weil ich eine Dame über Nacht auf mein Zimmer eingebracht hätte, und das könnt' sie versteh'n, aber nicht verzeihen.
Die Frau Brändle ist unheimlich katholisch und auch garnicht so dumm und hat gesagt, sie weiß ja, daß wir in einer Zeit der ungeheuren Umwälzungen leben, und auch auf dem Gebiete des Sexus täte sich einiges, und die holländischen Bischöfe, die wären da auch garnicht so. Aber trotzdem, wenn sie weiß, daß da Zwei was zusammen machen, dann empfindet sie irgendwo eine ganz tiefe Unruhe und kann nicht schlafen - und außerdem wär's garnicht wegen ihr, sondern wegen der Nachbarn.
Obwohl's die Frau Brändle eigentlich garnichts angeht, hab' ich ihr gesagt, daß ich mit der Sabine überhaupt nicht geschlafen hätte, sondern wir hätten bloß bis vier Uhr morgens diskutiert. Und dann hätten wir einfach keine Lust mehr gehabt.

Das ist die Sauregurkenzeit
Wenn die Sonne einsam auf die Ziegeldächer brennt
Und's Vanill'eis über die Finger rennt
Das ist so die richtige Korsika-Zeit

Ach ja, den Hans-Peter hab' ich getroffen, auf der Neckarbrücke. Und braungebrannt war er. Und gestrahlt hat er. Und richtig positiv stand er da. Mein Gott, hab' ich gedacht, was ist denn in den gefahr'n? Ja, sagt er, irrsinnig schön wär's gewesen. Sagenhaft. "Ja, was denn?", frag' ich. Ja, in Korsika wär' er doch gewesen. Mit der Inge und dem Zwo-CV isser durch Korsika gefahr'n. Und ein ganz einfaches und schlichtes Leben hätten sie geführt. Und bloß von Rotwein, Weißbrot und Käse hätten sie sich ernährt. Und eine einsame Bucht hätten sie entdeckt - irrsinnig schön! Sagenhaft! Mit Aussicht aufs Meer. Und es wär'n überhaupt keine Fremden dort und gar keine Touristen - und vor allem keine Deutschen. Bloß sie.
Und gleich bei der einsamen Bucht, da ist ein ganz einsames Kloster, irrsinnig schön gelegen. Sagenhaft - mit Aussicht aufs Meer. Und da wären sie raufgegangen und hätten an die Tür geklopft. Und da hätt' ein ganz alter Mönch aufgemacht, der lebt da ganz alleine und einsam in dem Kloster. Mit 'nem langen weißen Bart. Und der wär' irrsinnig nett, und hätt' sie gleich zu Rotwein, Weißbrot und Käse eingeladen. Und Deutsch könnt' er übrigens auch sehr gut, weil er nämlich früher beim Nerother Wandervogel war. Dann isser aber doch lieber ins Kloster gegangen.

Das ist die Sauregurkenzeit
Wenn die Sonne einsam auf die Ziegeldächer brennt
Und's Vanill'eis über die Finger rennt

Ach ja, die Kapelle, die zu dem Kloster gehört - irrsinnig schön! Sagenhaft! Steht überhaupt nicht im Baedeker, aber - tzz - einfach Zucker, dieses Kirchlein! Mit einer Tonplastik vom heiligen Eustachius aus dem dreizehnten Jahrhundert. Und das ewige Licht, das kleine rote, das hat sich der Hans-Peter mitgehen lassen, als Andenken an Korsika. Und hat's Zuhause in seine gemütliche Ecke gehängt. Gleich zwischen das Che-Guevara-Poster und und das spanische Stierkampfplakat. Und da trinken wir jetzt immer Tee, und da isses irrsinnig gemütlich.

Das ist die Sauregurkenzeit

#ChristofStählin #poesiemusik #Sommerloch #Sauregurkenzeit #liedermacher #kabarett #singersongwriter #music #musik
 
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Ludwig Hirsch - Im Anfang


Album: Gel' du magst mi, 1984



"Niemand kann deine Schönheit bewundern",
sprach der Teufel zu Gott in der Höh'.
"Und ich hab mich selbst an die Wand gemalt,
auch das kann niemand sehen! Wozu diese ewige Finsternis?
Entschuldige, du Gott, ich verstehe das nicht!" --
"Du hast recht!" rief der Herr zum Teufel und er sprach:
"Es werde Licht!"
"Gut", sprach der Teufel zum Herrn,
"du hast Tag und Nacht geschaffen,
doch wenn es Tag ist, wo wirst du spielen, wenn es
Nacht ist, wo wirst du schlafen?" --
"Du hast recht!" rief der liebe Gott,
"du weißt, der Herr baut nie auf Sand!"
Und er nahm sich sogleich den Himmel und setzte ihn instand.

"Gut gemacht", sprach der Teufel, "du wohnst jetzt, wie sich's gehört.
Nur der Ausblick, den du hast, der ist deiner noch nicht wert!" --
"Ja, bunte Blumen sollen blühen auf der Erde, ich will Farben sehen", rief der Herr,
und er schuf auch die grünen Wälder und er schuf das blaue Meer.
"Sei gepriesen!" rief der Teufel, "du hast ein Wunder vollbracht!
Du hast die Erde da unten schöner als deinen eigenen Himmel gemacht!" --
Schöner als den eigenen Himmel? Das hörte der Herr nicht gerne,
und er schmückte ihn schnell mit Juwelen, das waren Sonne, Mond und Sterne.
"Welch eine Pracht", jubilierte der Teufel, "Psalmen sollen erklingen,
doch das Problem ist, edler Herr, es ist niemand da, sie zu singen!"

"Dann müssen Sänger her!" rief Gott, "die zu mir schnattern,
miauen, tirilieren, die zu mir bellen, die zu mir röhren!"
Und der Herr schuf die Tiere.
"Geliebter Herr", schleimte der Teufel,
"fünf Wunder hast du vollbracht,
aber fehlt nicht noch ein Wesen, nach deinem Ebenbild gemacht?" --
"Das mach' dir selbst!" sprach der liebe Gott,
"ich bin müde, ich will schlafen!"

Und so hat am sechsten Tag der Teufel den Menschen erschaffen.

#Teufel #Mensch #Gott #Genesis
#LudwigHirsch #liedermacher #singersongwriter #music #musik
#mywork
 

Dota - Zimmer


(Dota Kehr, Dota und die Stadtpiraten, Kleingeldprinzessin)
Album: Immer nur Rosienen (2006)


»In meinem Zimmer ist ’ne Fliege, schwirrt und kreist
wie ein Propellerflugzeug, reißt mich aus dem Traum.
Im dunklen Raum hör ich es summen, dann verstummen
dicht am Ohr, stell sie mir vor: ein etwa rabengroßes Tier
auf dem Kissen neben mir.
Haarig pelzig im Facettenaugenflimmer bricht
des Mondes Schimmerlicht, bleib länger hier im Zimmer nicht.
Sperr sie ein und sperr mich aus. Schlaf heut nacht im Treppenhaus.

In meinem Zimmer hinterm Spiegel lebt ein Biest,
was du nicht glaubst, weil du’s nicht siehst.
Doch ich hör es dann und wann schmatzen, murmeln
oder zischen zwischen Wand und Spiegelrahmen,
nachts flüstert’s meinen Namen und ich traue mich allein
in mein Zimmer nicht mehr rein.

In meinem Zimmer herrscht die Stille mit Gewalt,
formt sich die Leere und alsbald
bekommt die Dunkelheit Gestalt.
Ballt sich zu Wolken schwarz und schwer,
aus dem Boden wird ein Meer,
ein Strudel wirbelt mich umher,
der Wind wird stärker, trägt mich fort.
Ich war seit Jahren nicht mehr dort.

Seitdem irre ich herum. Mein Zimmer liegt verwaist
und stumm hinter Mauern und darin vermut ich Staub
und welke Blätter, denn das Fenster ließ ich auf
und am Nachmittage klettert Sonnenlicht die Wände rauf.
Dann wird es dämmern dort im Zimmer, dann wird es Nacht auch wo ich bin.
Treib mich herum, bleib unter Leuten und gehör doch nirgends hin.
Es summt und flüstert dort im Zimmer, ich hab hier draußen mein Quartier.
Das Summen höre ich noch immer und das Biest nahm ich mit mir.«

#DotaKehr #Dota #Kleingeldprinzessin #DotaUndDieStadtpiraten #Fliegen #Summen #liedermacher #musik #music
 

Strom & Wasser - Lied von der sterbenden Erde / Song of the Dying Earth


Album: Emotionsdesign, 2009
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https://stromundwasser.bandcamp.com/track/lied-von-der-sterbenden-erde

Die meisten Tiere ausgerottet, Most animals exterminated,
die meisten Wälder weggebrannt. burned most of the woods away.

Die alten Lehren laut verspottet, The old teachings ridiculed aloud,
die neuen Lehren nicht erkannt. did not recognize the new teachings.

Die Eitelkeit hält sich stabil, The vanity remains stable,
es rüstet sich zum letzten Spiel. it's gearing up for the final game.

Der Hass der Rassen und der Religionen, The hatred of races and religions,
das Starke wird niemals das Schwache schonen. the strong will never spare the weak.

Das Große wird das Kleine niemals schützen, The great will never protect the small,
das Geld wird immer nur den Reichen nützen. the money will always benefit the rich.

Und Liebe die es wagt zu blühen, And love that dares to bloom
wird man mit Pestizid besprühen. will be sprayed with pesticide.

Die alten Kriege schon vergessen, The old wars are forgotten,
die neuen Kriege schon begonnen. the new wars have already begun.
Die halbe Tierwelt aufgefressen, Eating half the animal kingdom,
Nun zielt der Blick auf fremde Sonnen. Now the view aims at strange suns.

Die Brücke Mensch zu Mensch geschlossen, The bridge man to man closed,
und Tränen werden bestenfalls vergossen. and tears are shed at best.

Als Bindemittel zwischen Mein und Mich, As a bonding agent between Mine and I,
man läuft nur große Kreise um das Ich. you're just running in big circles around the ego.

Der Himmel leer, die Wüsten wachsen, The sky is empty, the deserts are growing,
die Industrie mit gut geölten Achsen. the industry with well-oiled axles.

Aus allen Wunden eitert Geld, Money is festering from all wounds,
der Mensch bewohnt die Narben dieser Welt. man inhabits the scars of this world.

Und Liebe die es wagt zu blühen, And love that dares to bloom,
wird man mit Pestizid besprühen. will be sprayed with pesticide.
(Translation with a little help from deepl)

#StromWasser #HeinzRatz #liedermacher #music #musik #Erde #Earth #Climate #Klima
 
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Bettina Wegner - Jesus


Album: Die Lieder, Volume 1: 1978-81, 1997

Was würde sein, wenn es Jesus wirklich gibt
Von dem jeder behauptet, dass er ihn liebt
Und ersteigt zu uns runter uns zu befrein
Was ihm da passierte in unserm Verein.

Das stell ich mir vor und dann wird mir ganz leer
Kein Mensch erkennt ihn, wenn er unter uns wär
Ein silberner Mercedes und ein schwarzer BMW
Fahrn mit blutigen Reifen durch klaren Schnee.

Jesus, steig nie herab!
Du kriegst keine Wohnung und vom Kuchen nichts ab
Du kriegst keine Arbeit und du kommst in den Knast
Weil du militant und schreiend Widerstand geleistet hast.

Denn Jesus war Pole und Jude dazu
Jesus war'n Schwarzer und kam aus Peru
Jesus war Türke und Jesus war rot
Mensch, Jesus, bleib oben
Sonst schlagen die dich tot.

Denn Jesus war Pole und Jude dazu
Jesus war'n Schwarzer und kam aus Peru
Jesus war Türke und Jesus war rot
Mensch, Jesus, bleib oben
Sonst schlagen die dich tot.

#BettinaWegner #Jesus #liedermacher #singersongwriter #music #musik
#3d #rendering #mywork
 
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Franz Josef Degenhardt - Café nach dem Fall


Album: Café Nach Dem Fall, 2000


„Ich treffe Dich“, hat sie gesagt „in dem Schuppen an der alten Eisenbahnbrücke, Industriegebiet Nord früher. Ruppige Gegend. Café nach dem Fall oder so heißt der Laden. Also, bis dann.“
War gar nicht mal schwer zu finden. Heißt aber heute schon wieder anders:
„Retro-Bar“
steht jedenfalls an der Tür.
Und an der Wand daneben, in Weiß gesprüht:
Treff von Avantgarde und Derriöre. „Ist die Kantine vom Eisenwerk gewesen“, sagt die hinter
der Bar. „Bartenderin“ nennen sie sie hier.
„Weiße dat nich mehr Fränzken?“ - „Kennen wir uns?“ frage ich. „Na aber und wie!!!“, sagt
sie. „Dann war das hier 'ne Art Jugendzentrum, dann Disco, dann Techno-Schuppen. Und
jetzt eben dies hier. Was darf's denn sein? Rumtata trinkt man hier mit Zitrone und Salbei.“
„Meinswegen“, sage ich.
Ostermarsch-Rune hängt ihr am Lederband überm Pulli, und Button: „Atomkraft - nein
danke“. Thälmann-Kappe auf'm Stoppel-Haar-Kopf, Nase & Lippe gepierct. Dabei ist sie
bestimmt schon fünfzig.
„Klampfe dabei?“, fragt sie, „kanns' ruhig einen reinhauen mal.“
„Ich kann's auch sein lassen“, sag ich.

Preledium und Fuge in C von Bach orgelt über die Lautsprecherboxen. Stimmengewirr.
Zigarren & Canabis-Qualm. Hoher Raum.
Von der Decke baumeln an Fäden Doppel-Portraits über den Tischen und Köpfen, ComicKarikaturen:
Luther & Lennon, Madonna & Mozart, Karl & Groucho Marx, Che Guevara & BiIl Gates -
diese Art. „Irre, wie?“, sagt der an der Bar neben mir, ein Knoblauchfresser.
Satisfaction löst Bach ab. Die Boxen brummen. Ein Halbnackter, tätowiert bis zum Arsch,
tanzt dazu. „Ziemlich aufgemischt hier, wa?“, sagt die Bartenderin, stellt mir den Rumtata hin
mit Zitrone und Salbei. „Prösterchen“, sagt sie, und:
„So geht das hier rund um die Uhr. Ach, Fränzken - war' n das noch Zeiten, wie wir im
Schlafsack lagen. Gorleben, weiße noch? Und Hambacher Schloß. Und Sturm auf die
Hauptwache in Frankfurt. Oder war's Startbahn West?“
„Muß jemand anders gewesen sein“, sag ich, „und 'ne ganz andere Zeit.“
„Egal“, sagt sie, „war jedenfalls schön; und spannend war's sowieso.“
„Die Rolling Stones gehören verboten“, sagt der Knoblauchfresser, „natürlich auch Eisler und
Abba. Bist du nicht der Reinhard Mey?“ „Ich bin Peter Schlemihl“, stellt er sich vor, „ja,
genau der, ohne Schatten. Sieh meine Quadratlatschen.“ Er hebt den Fuß.
„Die Siebenmeilenstiefel“, sagt er, „du rätst nicht woher ich komme.“
„Von Stalingrad“, sagt einer, der g'rad vom Klo kommt. Junky-Bewegungen.
„Beckmann“, stellt er sich vor. Trägt diese kaputte Brille, Wehrmachtsklamotten; Brotbeutel
am Strick über die Schulter; lacht so wie Harald Juhnke.
„Na“, sagt die Bartenderin, „ist das nichts hier? Typen, die findest Du sonst nirgendwo mehr.“
Sie stellt mir noch einen Rumtata hin mit Zitrone und Salbei.
Geht ganz schön in die Knie.
Der Walküren-Ritt braust aus den Boxen. „Wildgänse rauschen durch die Nacht“, kräht
Beckmann dazwischen. Schlemihl schlägt den Takt dazu auf dem Tresen, sagt: „Ich finde das
Lettow-Vorbeck-Lied geiler:
Wie oft sind wir geschritten auf schmalem Negerpfad...“ Ich pfeife die Melodie dazu.
„Hasse schon einen im Timpen, wat“, sagt die Bartenderin. „Gib mir noch einen“, sag ich.
„Fränzken“, sagt sie, „weiße doch, wat mit Dir passiert, wennze besoffen biß!“
„Das geht Sie gar nichts an“, sage ich.
Sie gibt mir noch einen Rumtata mit Zitrone und Salbei. „Strawberry Fields forever“, singen
die Beatles. „Stopp das!“, ruft man von hinten, „Herrgott, wer legt denn da auf!“
Und dann kommen fette Bässe und Techno-Rhythmen. 150 Beats oder so.
Der Schuppen tanzt; 20 Minuten vielleicht. Dann ist auch das vorbei, weil der Benediktinerchor aus Maria-Laach singt das Magnificat.
Jetzt bin ich soweit, geh durch den Raum, schieb mich an den Tischen vorbei. An Schachbrettern Rudi Dutschke und Hermann Löns, Löns in der Lodenjoppe, Flinte daneben, Rudi in seinem ewigen Pulli.
An einem anderen Schachbrett Berti Brecht und Tommy Mann, paffen Cuba-Zigarren, stoßen
sich den Qualm ins Gesicht.
„Sie sind am Zug, Krokodil“, sagt der Brecht. Und Mann sagt: „Daß ich überhaupt hier mit Ihnen...“
Adorno sitzt da, schmust mit einer Tussi aus einer Sit-Com. „Na“, fragt eine über
und über gepiercte Punk-Lady, die sich von hinten an ihn heranmacht „immer noch keine
Songs nach Auschwitz?“ Adorno schüttelt den Kopf. „Auch keine Songs, daß man nach
Auschwitz keine Songs mehr bringen kann?“, fragt der Zigarettenqualmer am Nebentisch,
Mister Heiner Müller, I presume. Adorno schüttelt den Kopf.
Der Vogelweide, Paul Gerhardt, Christian Günther, der Fallersleben und Otto Reuter am
Billardtisch auf ihre Queues gestützt, dazu Fischer-Dieskau und Roy Black singen mit Johnny
Cash aus den Boxen:
„I walk the Line“. Adorno spuckt aus.
Herr K., Meister vom fünften Grad der Wertkritik, vor ihm hockend, streicht zustimmend
über sein warenförmig geschnittenes Haar.
An einem Flipper-Automaten aus den 60er Jahren der Peter Handke im Kostüm eines serbischen Bauern, und Tischfußball spielen Bullbeißer Nietzsche und Schmalzlocke Sloterdijk
gegen Winnetou Bloch und Emanuel Habermas. Aber und wie!
Eine Gruppe Japaner schaut zu, total begeistert und knackevoll von Rumtata mit Zitrone und
Salbei. Sie wollen die Loreley singen.
Gotthilf Fischer gesellt sich dazu
und ein DJ. mit Zickenbart, den sie hier „Trotzki“ rufen. Sarah Wagenknecht, Bettina von
Arnim, Nina Hagen und Bärbel Bohley beim Dart-Spiel! Was sagt man dazu!
Irgendwo auch Berta von Suttner und Rosa Luxemburg. Und Günter Grass tanzt mit Christa
Wolf Paso Doble um einen runden Tisch voller bärtiger Bürgerrechtler.
Am Katzentisch zwei alte Kommunisten, Ulbricht und Honecker etwa? Jedenfalls augurenhaft
schmunzelnd zu dem, was Stefan Hermlin - kalte Pfeife in seiner Linken - aus dem Manifest
ihnen vorliest:
Diese pikante Stelle über die freie Entwicklung des Einzelnen als Bedingung für die freie
Entwicklung aller. Vorm Eingang zum Männerklo als Dioskuren aus kackgelber Knetmasse
lebensgroß Hitler und Saddam. Zu ihren Füßen hockend der Enzensberger als grinsende
schwäbische Tante. Und die Toilettenfrau muß Leni Riefenstahl sein. Vor dem fast blinden
Spiegel jedenfalls Annette von Droste-Hülshoff frischt sich ihr Augen-Makeup auf. Hinter
ihr Rainer-Werner Fassbinder kratzt ihr mit einem Händchen aus Elfenbein die Rückenpartie.
Zurück im Saal.
Endlich mal keine Musik aus den Boxen. Am Skattisch im Eck unterm Fenster jubelt man
über den Null Ouvert von Martin Walser.
Und ein paar alte Wehrmachts-Leutnants, die auch nichts geahnt haben wollen, Augstein und
Schmidt unter ihnen, singen, dirigiert von Ernst Jünger in Sado-Maso-Leder
- Pour-le-Mérite am Schwanz baumelnd - das Lied vom Polenmädchen.
Die mich hier treffen wollte, ist nicht zu finden. Ich rufe sie an über Handy:
„Wo bleibst Du?“, frage ich. Wo ich denn wäre. „Im Café nach dem Fall oder so, heißt heute
aber schon wieder anders.“
„Gibt's den Laden denn überhaupt noch?“, fragt sie. „Na aber und wie“, sage ich.
„Sorry“, sagt sie, „ich bin auf dem Sprung in den Kosovo, dreh' einen Film über die UCK.
Ich meld' mich, wenn ich zurück bin. Also, Tschüssing, und bis die Tage.“
In der Nähe vom Tresen jetzt einer im grauen Dreiteiler, weißer Schal. Vor ihm paar
Burschen und Mädel, Armani-Klamotten alle.
„Bedeutungsakzente verschieben!“, labert der grau-weiße Guru und „experimentelles
Verhalten zur Wirklichkeit neu justieren, pragmatische Anpassung statt Entlarvung, sich
selbst zum Fall machen
und dabei auf alle Fälle eingehen, aber auf gar keinen Fall mehr reinfallen, dafür positive
Beteiligung an der ausgebrochenen Erinnerungsschlacht.“
Einer der Burschen rüttelt ihm am Hosenreißverschluß. „Kau ihm ruhig einen, kau ihm ruhig
einen“, singen die Mädels.
In den Boxen jetzt
die Barrikaden-Stimme von Ernst Busch. Das Lied für Hans Beimler.
Ob das der wär' aus der Lindenstraße, fragt jemand. Gelächter, Gelächter.
Am Tresen zurück, frag' ich:
„Wer ist dieser grau-weiße Guru, dem sie einen blasen?“ „Ach der“, sagt die Bartenderin,
„Basis-Beruhiger ist der, typischer Stenz der neuen Berliner Republik, Straßenkampf-Leader
früher, dann Sponsor von Hausbesetzern; steht auf Gehaltslisten von mindestens zwei oder
drei Diensten. Den kannst du vergessen.“ „Gib mir noch einen“, sage ich. „Du kriegst jetzt
höchstens noch einen Rumtata mit Zitrone und Salbei“, sagt sie. Peter Schlemihl ohne
Schatten sagt:
„Was hältst Du von Hip-Hop? Bist Du nicht der Hannes Wader?“ „Nein“, sage ich, „Ferdinand Freiligrath“.
„Da ist doch auch nichts gegen zu sagen“, sagt er. „Elton John“, sagt Beckmann, „und Arnold
Schönberg, das sind die größten.“ „Nein, PUBLIC ENEMY“, sagt die Bartenderin, „und
Herby, der Grönemeyer. Aber der allergrößte war und bleibt Jimi Hendrix.“ Ich trinke den
letzten Rumtata mit Zitrone und Salbei.
Beckmann zieht seine Crack-Pfeife aus dem Brotbeutel und ein englisches Pflaster.
„Dat gibtet hier nich“, sagt die Bartenderin, nimmt ihm das Zeug weg.
„Was soll ich denn singen?“, frag' ich.
„Gar nix“, sagt die Bartenderin, bringt mich zur Tür. „Jessica heiß' ich jetzt“, sagt sie.
Sie hat mich zum Abschied geküßt. „Ich werde das nie vergessen“, hat sie gesagt „an der
Murg, weisse noch, Fränzken, Freikorps Willich. Fritz Engels war noch dabei, und wir im
Gebüsch.
Die Preußen feuerten mit Kartätschen. Oder war's beim Ruhraufstand, Essen, mit Rudi
Schulte dabei?
Du hast auf mein heißgeschossenes MG gepißt. Und Hamburg, Bäckerbreitergang, wohin die
Bullen uns getrieben hatten, weg vom Springer-Hochhaus mit unseren Barrikaden. Oder
Montagsdemo Leipzig;
Wir sind das Volk und diese Sachen und...“ „Nein“, hab' ich gesagt, „das war eine andere Zeit
und ich bin nicht dabei gewesen.“
„Na, ist ja egal“, hat sie gesagt, „verloren haben wir ja sowieso immer.“
Dann ist sie wieder reingegangen, Jessica, die Bartenderin, in die Retro-Bar oder wie der
Laden jetzt heißt. „Ich weiß nicht was soll es bedeuten“, singen sie, hör' ich, wie ich zur
Bushaltestelle geh'.
Die Loreley also doch.
Gotthilf Fischer ist das gelungen, da bin ich mir sicher, wenn nicht sogar diesem Trotzki.
Es hat geregnet. Plötzliche Schauer. Der Bus kam.
Und zwei Mädchen rannten heran, hielten 'ne Plastik-Haut über ihre beiden kahlen Köpfe
gespannt und lachten und lachten, und der Busfahrer hat gesagt:
„Was gibt es denn da zu lachen? Erzählt mal. Vielleicht lach ich mit.“

#FranzJosefDegenhardt #liedermacher #music #musik
 
Heute vor 75 Jahren

Herman van Veen

* 14. März 1945

Kraanvogels


Album: Nu en dan, 1998
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Soms denk ik wel dat de soldaten
Die in de oorlogen gevallen zijn
Niet onder witte kruisen zijn begraven
Maar dat zij kraanvogels geworden zijn


Ze roepen ons uit lang voorbije tijden
Hun hese stemmen roepen in hun vlucht
't Is misschien daarom dat wij zo dikwijls kijken
Diep in gedachten naar de avondlucht


Daar, in de laatste lichtglans van de schemer
Gaat een vermoeide vogeltrek voorbij
Ik zie een lege plaats in hun geleed'ren
Misschien is dat de plek bestemd voor mij


Als ik met hen de hemel zal bevolken
Voorbijtrek in het schemerend verschiet
Dan zie ik jullie uit de verre wolken
Dan roep ik jullie, die ik achterliet


Soms, soms denk ik wel dat de soldaten
Die in de oorlogen gevallen zijn
Niet onder witte kruisen zijn begraven
Maar dat zij kraanvogels geworden zijn


Ze roepen ons uit lang voorbije tijden
Hun hese stemmen roepen in hun vlucht
't Is misschien daarom dat wij zo dikwijls kijken
Diep in gedachten naar de trieste lucht


#HermanvanVeen #liedermacher #singersongwriter #music #musik #Geburtstag #birthday
 
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Konstantin Wecker - Drunt' in der Au


Album: Ganz schön Wecker, 1988
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Heit laß i´s kracha,
heit oda nia, heit laß i d´Sau raus,
frag mi net wia.
I hab an Gusto
nach Schwefeldampf,
mi foit die Lust o,
das ist mein Kampf.

Der oide Birnbaum in seinem Blau
regt mich schon lang auf, drunt in der Au.

Drunt in der greana Au brennt a Birnbaum, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Birnbaum, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Birnbaum, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Birnbaum,
brennt a Birnbaum, brennt a Birnbaum, schee blau.

Schee, wenns so lodert
und d´Funken fliagn,
bevors vermodert
weards Zunder kriagn.

Wir brauchen Pisten!
Wer braucht Natur?
Idealisten,
laßts mir mei Rua.

Die oidn Wälder halten nichts aus,
was oid und krank ist, rotten wir aus!

Drunt in der greana Au brennt a Bergwald, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Bergwald, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Bergwald, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Bergwald,
brennt a Bergwald, brennt a Bergwald, schee blau.

Während ich kure (kure)
am Brennerpaß (am Brennerpaß),
löst sich die Mure (die Mure).
Ist das ein Spaß! (Ist das ein Spaß!)

Ich schau ihr nach (er schaut ihr nach),
und was ich seh (und was er sieht),
erfreut mein Herz (erfreut sein Herz):
ein AKW! (ein AKW?)

Doch leider, ach, mir kommt fast vor,
´s gibt nix zum Zündeln, des brennt alloa.

Draußt in dem Himmelsblau ...
du, die Erde, ja schau!
Draußt in dem Himmelsblau ...
du, die Erde, ganz blau!
Draußt in dem Himmelsblau ...
brennt die Erde, genau!
Draußt in dem Himmelsblau ...
brennt die Welt - SUPERGAU!
Draußt in dem Himmelsblau ...
brennt die Erde, genau!
Draußt in dem Himmelsblau ...

#KonstantinWecker #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 
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Ludwig Hirsch - Der Wolf


Album: Dunkelgraue Lieder, 1978
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Ganz hinten in dem kleinen alten Tiergarten
wo die Viecher ganz besonders traurig schaun
da lebt mir scheint's schon ewig
in'm dunklen engen Käfig
der alte
räudige Wolf.

Ein'n Hasen und ein'n Tanzbärn
die hat er dort als Nachbarn
der alte
räudige Wolf.

Den meisten Ärger hat er mit dem Hasen
ein Vegetarier
no, was willst noch mehr?
Das Gfrast schimpft immer umme
ist frech und zeigt die Zunge
dem alten
hungrigen Wolf.

Ja hinter einem Gitter san die Hasen sogar sicher
vor'm alten
an hungrigen Wolf.

Mit'm Tanzbärn kann er leider a net reden.
Wie der noch Tango tanzt hat
da war's no net so schlimm.
Seitdem man " Schwanensee " probiert und den Spitzentanz studiert
da wern die anderen Viecher alle ignoriert.
Er ist zu jedem präpotent
der die Pawlowa net kennt.

Was soll er machen
der alte blöde Wolf?

Am Sonntag kommen oft ein Haufen Menschen
die schaun ihn dann durch's Gitter deppert an.
Dann schimpfen's fürchterlich und spucken ihm in's Gsicht
weil er die Geislein gfressen haben soll.

Ja, den Hasen, den ham's gern
da capo schrein's beim Bärn.

Er hat's net leicht
der alte schiache Wolf.

Und einmal in der Wochen
jeden Freitag
da wird er vom Wärter dressiert.
Mit'm Schwanz muá er dann wedeln
und das Pfoterl muaß er geben


der arme alte Wolf.
Einmal hat er bissen -
drauf ham's ihm die Zähn

aus'm Maul außegrissen

dem alten
armen Wolf.

Nur in der Nacht - so zwischen elfe und halb zwölfe -
da singt er dann zum Mond das Lied der Wölfe:
Dort, wo der Regen net bitter schmeckt
dort, wo die Nacht die Zigeuner versteckt
dort, wo die Sonn' deine Wunden heilt
dort is des Land, das Freiheit heißt -

so glaubt er
der alte
blöde Wolf!

Dort, wo der Sturm die Baumspitzen quält
dort, wo der Wind keine Lügen erzählt
dort, wo ein Vieh kein Gitter kennt
dort is des Land, das er Freiheit nennt

der alte
räudige Wolf.

#LudwigHirsch #Liedermacher #singersongwriter #music #musik #Wölfe
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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Ulrich Roski - Die Brautwerbung oder Das Lied von der Freundschaft


Album: …daß dich nicht die Schweine beißen, 1970

Es waren zwei Ritter, zwei edle, vom Dorf,
der eine war kahl und der andre voll Schorf.
Der Kahle hieß Karl, war von listigem Mut,
der andre war blöde, man nannte ihn Knut.
Sie sahen eines Tages die Tochter des Grafen,
wollten fortan ohne sie nicht mehr schlafen.

Karl hat zum pickligen Knute gesagt:
"Die Gräfin ist reich und so gut wie intakt.
Wir lieben sie beide, doch einer schaut zu,
und ich hab so den Eindruck, dieser eine bist Du!"
Eifrig sprach Knut: "Wen sie liebt von uns beiden,
das muß die Comtesse wohl selber entscheiden!"

Sie kamen zum Grafen, und der fragte sein Kind:
"Willste den mit der Glatze oder den mit dem Grind?"
Sie sagte: "Für mich gibt's nur eins auf der Welt:
Ich will einen Recken, einen richtigen Held.
Und der, der mich will zur Gemahlin erringen,
muß mir zuvor einen Drachenschwanz bringen!"

So zogen die Ritter zum Drachen vorm Tor,
und Karl sprach zu Knut: "Knut, geh Du doch mal vor!
Geh' mal hin zu dem Drachen und sprich ihn mal an,
ich mach bloß meinen Schuh zu und komm dann gleich ran."
Knut spielte häufig mit Käfern und Bienen,
doch konnte ihm diese Erfahrung nicht dienen.

Der Drache focht tapfer, doch tapf'rer focht Knut,
und bald schwamm das Untier im eigenen Saft.
Knut hieb ihm den Schwanz ab mit schwindender Kraft,
und lief damit zu Karl und rief: "Ich hab's geschafft!"
Setzt sich am Brunnenrand, fühlt sich so schlapp,
da stieß ihn sein Freund in die Tiefe hinab.

Doch Knut riß den Drachenschwanz mit sich hinweg.
Da sprach Karl zu sich selbst: "Ach, ich hab auch ein Pech!
Ohne Schwanz keine Gräfin, ohne Gräfin kein Schlaf.
Also Knut, gib den Schwanz her! Komm Kleiner, sei brav!
Und das mit dem Brunnen war nicht so gemeint,
Du mußt mir vertrauen, denn ich bin doch Dein Freund."

Knut gab ihm den Schwanz und bat: "Reich mir die Hand!"
Doch Karl war schon längst zum Schlosse gerannt.
Die Gräfin rief: "Karl, dein Kampf war nicht vergebens!
Das ist der herrlichste Schwanz meines Lebens!"
Bis zur Hochzeit war Knut aus dem Brunnen heraus.
Er brüllte: "Verrat!" - Doch alles lachte ihn aus.

"Wer glaubt heut' noch an Drachen ?! Ach, Du bist nicht normal!"
riefen alle. Doch Knut rief zornig zu Karl:
"Du find'st Deine Strafe ! Das weiß ich genau!"
Karl lachte - und zog sich zurück mit der Frau,
und lebte noch hundert Jahr glücklich mit ihr.
Knutchen starb früh an einem Magengeschwür.

Die Treue ist herrlich und bricht nicht so schnell.
So singen schon Schiller und Sacha Distel.
Die Freundschaft ist schön und reicht meist bis zuletzt,
doch wird sie zuweilen auch stark überschätzt.


#UlrichRoski #Liedermacher #Kabarett #Comedy #singersongwriter #Freundschaft #Treue #Ritter #Drachen
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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Stoppok - Runter zum Park


Album: Erfrischungen (Stender Band), 1980

Wir gehn runter zum Park,
der war mal so stark,
da ist jetzt nur noch Lehm zu sehn.
Da komm’se mit 'nem Bagger und 'nem Kran
und bauen da 'ne Autobahn.
Ich geh runter vor die Tür,
und die reißen mir den ganzen Garten ab.
Da kommen jetzt Villas hin.
Und was zu sagen, hat keinen Sinn.
Wir gehn runter in die Stadt,
da sind wa ganz platt –
die ganzen Häuser sind weg.
Das nennen die Sanieren –
tun da einfach planieren
und bauen da ein Hochhaus hin.

#Stoppok #liedermacher #singersongwriter #music #musik #Beton #sanieren
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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René Bardet - Christkind


Album: Wir wollen Leben - Lieder gegen den Untergang, 1982


Ich geh' und klopf' an jeder Tür
ich steh' vor dir
du siehst mich nicht
ich klopf' und beib' doch unerkannt
denn Tote haben kein Gesicht

Ich war gerade sieben als sie starben
in Hanoi, allabendlich
und ich bleibe ewig sieben
denn tote Kinder wachsen nicht

Napalm zerfraß die Augen mir
bevor ich starb
da war ich blind
der Tod verbrannte mich zu Staub
und dieser ist verweht, im Wind

Ich will kein Obst
will keinen Reis
ich will kein Fleisch
nicht einmal Brot
Nein, ich will gar nichts mehr
für mich selbst
denn ich bin tot

denn ich bin tot

Nur um eines eines bitte ich
daß ihr an eure Kinder denkt
daß ihr ihnen und der Welt
das Lachen und den Frieden schenkt

#ReneBardet #PoesieMusik #Liedermacher #Christkind #Weihnachten #Kinder #Nächstenliebe
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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Franz Josef Degenhardt - Trink aus, Katrin


Album: Vorsicht Gorilla, 1985
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Trink aus, Katrin, trink aus, Katrin,
es kommen dunkle Wolken auf
Zieh dir die Nonnenkleider an,
du bist zu durchsichtig und nackt.
Trink aus, Katrin, trink aus, Katrin,
horch auf die Stille überm Markt:
Sie warten auf den Glockenschlag.
Hast du die Koffer schon gepackt?
Zieh dir die Nonnenkleider an,
ich bringe dich zum nächsten Zug,
der in die nächste Großstadt geht
da, wo nicht jeder jeden kennt
Trink aus, Katrin, im Ratskeller
da hockt die alte, geile Zunft,
die wartet auf den Glockenschlag
und daß das Hexenfeuer brennt

Die Zeit wo frischer Wind hier blies,
Katrin, der blies doch viel zu lau.
In tausend Jahren aufgestaut
das räumt auch kein Tornado ab.
Und viele Wunden sitzen tief
bei dem, der nie gewonnen hat
der weiß: Beim großen Sprung nach vorn,
da stürzt man schnell ins Massengrab.
Trink aus, die Zeichen kenne ich;
der schwule Apotheker hat
schon seinen Laden dichtgemacht
Man hört auch kein Motorrad mehr.
Der Pfaff geht wieder Schwarz in Schwarz,
die Ministranten sind bereit,
die schmieren Scheiße an die Tür
von dem Gewerkschaftssekretär.

Trink aus, Katrin, ach nein, Katrin,
der Bäcker mit dem Hitlerbild -
das ist ein Spinner. Nein, gefährlich sind
die jungen Herren vom Kartell,
die Erben. Ihre Väter haben
noch nicht so befreit gelacht.
Du bist zu durchsichtig, Katrin,
trink aus, Katrin, trink aus, mach schnell.
Zieh dir die Nonnenkleider an,
der Weg zum Bahnhof führt vorbei
am Ratskeller, am Markt vorbei.
Sie warten auf den Glockenschlag.
Vielleicht wird’s diesmal halb so schlimm,
Katrin, dann bist du bald zurück.
Die Zeiten ändern sich auch hier,
vielleicht ja schon nach Jahr und Tag.

Trink aus, Katrin, trink aus, Katrin,
es kommen dunkle Wolken auf
Zieh dir die Nonnenkleider an,
du bist zu durchsichtig und nackt.

#FranzJosefDegenhardt #liedermacher #musik
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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Konstantin Wecker - Reisezeit


Album: Weckerleuchten, 1976


Reisezeit - ob Süden oder Osten,
wohin ist ganz egal, es soll nur wenig kosten.
Komm, mein Kind, heuer sind wir cool
und fahrn nach Istanbul.

Autobahnen locken - mit Blut, Schweiß und Tränen.
Hier muß man nicht mehr Mensch sein, hier denkt man mit den Zähnen.
Und ohne Aufpreis kann man ganz bequem
ein paar Leichen sehn.

Ave, Caesar, morituri te salutant.
Ave, Caesar, morituri te salutant.

Wir werden schon bald nach Freiheit stinken,
Autofahren adelt, nette Nachbarn winken.
Tag, Herr Kollege, wie geht´s Kindern und Fraun?
Die sind im Kofferraum.

Kurz nach der Einfahrt stehen schon Tribünen,
Beifall für die Toten, Verblutenden und Kühnen.
Manchmal macht einer beim Sterben Verdruß -
der kriegt den Gnadenschuß.

Ave, Caesar, morituri te salutant.
Ave, Caesar, morituri te salutant.

Wer wird´s überstehn? Die Geier warten.
Die Straßenbauminister werden fett und spielen Karten.
Ja, so ein Kreuzzug ist nötig dann und wann,
kurbelt die Wirtschaft an.

Reisezeit - wie wär´s mal mit dem Osten?
Wer in Deutschland rastet, wird sicherlich verrosten.
Komm, mein Kind, wenn andre auch krepiern -
uns wird schon nichts passiern.

#KonstantinWecker #Liedermacher #Verkehr #Autobahn #Gaffer #reisen
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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Klaus Hoffmann - Der Zorn der bösen Affen


Album: Friedrichstadtpalast 20 Uhr, 1996

Der Klügste von ihnen erfand das Rad
Indem er einen Kopf zum Rollen brachte
Der Dümmste schnitzte sich ein Keulchen zart
Beim Anblick seiner Morgenlatte

Und als sich einer von den Bäumen schwang
Und fand so den aufrechten Gang
Die Hände frei, ja da begann
Der Zorn der bösen Affen

Das Hirnvolumen war noch nicht bekannt
Atome bombten erst viel später
Noch schafften sie nur Nüsse ran
Und liebten dicke, rote Pöter

Doch es gab einen von dem Nachbarstamm
Der als erster das Feuer bezwang
Und als die Kälte kam, begann
Der Zorn der bösen Affen

Und sie schlugen
Und sie trugen
Mord und Totschlag
Wie zum Festtag
Und sie brüllten
Und sie killten
Und machten alles platt
Und jagten so den Jägern ihre Beute ab

Und mit der Keule wuchs das Hirn
Sie nannten sich zivilisierte Affen
Und schufen Alk und Tuch und Zwirn
Und ein paar unschlagbare Waffen

Bis einer von dem Nachbarstamm
Mit blassem Arsch zur Taufe kam
Und auch noch furzte, ja da begann
Der Zorn der bösen Affen

Und sie schlugen
Und sie trugen
Mord und Totschlag
Wie zum Festtag
Und sie killten
Und sie brüllten
Ihr Todeslied
Das war es, was sie von den Tieren unterschied

1200 Kubik (Gehirn)
Das war der ganze Unterschied
Das reichte nur für Waffen
Beim Zorn der bösen Affen
Sie wollten soviel schaffen
Die syphilierten Affen
Doch als die Kälte kam, begann
Der Zorn der bösen Affen

#KlausHoffmann #Liedermacher #Menschen #Affen #Evolution
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
Das war doch bestimmt wieder dieser Rattenfänger, der die Kinder aufgehetzt hat!

Hannes Wader - Der Rattenfänger



Fast jeder weiß was in Hameln geschah, vor tausend und einem Jahr
Wie die Ratten dort hausten, die alles fraßen was nicht aus Eisen war
Zu dieser Zeit kam ich nach langer Fahrt als Spielmann in diese Stadt
Und ich hörte als erstes den Herold schreien, als ich den Markt betrat
Wer mit Gottes Hilfe oder allein die Stadt von den Ratten befreit
Für den lägen ab nun beim Magistrat hundert Taler in Gold bereit


Ich packte mein Bündel, die Flöte und Leier und klopfte ans Rathaustor
Kaum sah man mich schlug man die Tür wieder zu und legte den Riegel vor
Und ich hörte wie man den Herren sagte, es stünde ein Mann vor dem Tor
Zerrissen und stinkend in bunten Lumpen, mit einem Ring im Ohr
Dieser Mann nun ließe den Herren sagen, er käme von weit, weit her
Und er böte der Stadt seine Hilfe, weil er ein Rattenfänger wär


Ich wartete lange, dann rief eine Stimme durch die geschlossene Tür:
'Vernichte die Ratten und du bekommst die versprochenen Taler dafür!'
Und ich ging und blies in der Nacht die Flöte, immer nur einen einzigen Ton
Der so hoch war, dass nur die Ratten ihn hörten, und keine kam davon
Bis hinein in die Weser folgte mir bald die ganze quiekende Brut
Und an Morgen trieben dann hunderttausend Kadaver in der Flut


Als die Hamelner Bürger hörten, was alles geschehen war in der Nacht
Tanzten sie auf den Straßen, nur an mich hat keiner gedacht
Und als ich dann wieder vorm Rathaus stand und forderte meinen Lohn
Schlug man auch diesmal die Tür vor mir zu und erklärte mir voller Hohn
Nur der Teufel könne bei meiner Arbeit im Spiel gewesen sein
Deshalb sei es gerecht, ich triebe bei ihm meine hundert Taler ein


Doch ich blieb und wartete Stunde um Stunde bis zum Abend vor jenem Haus
Aber die Ratsherren, die drinnen saßen, trauten sich nicht heraus
Als es Nacht war kamen bewaffnete Kerle, ein Dutzend oder mehr
Die schlugen mir ihre Spieße ins Kreuz und stießen mich vor sich her
Vor der Stadt hetzten sie ihre Hunde auf mich und die Bestien schonten mich nicht
Sie rissen mich um und pissten mir noch ins blutende Gesicht


Als der Mond schien, flickte ich meine Lumpen, wusch meine Wunden im Fluss
Und weinte dabei vor Schwäche und Wut, bis der Schlaf mir die Augen schloss
Doch noch einmal ging ich zurück in die Stadt und hatte dabei einen Plan
Denn es war Sonntag, die Bürger traten eben zum Kirchgang an
Nur die Kinder und die Alten blieben an diesem Morgen allein
Und ich hoffte, die Kinder würden gerechter als ihre Väter sein


Ich hatte vorher mein zerfleischtes Gesicht mir bunten Farbe bedeckt
Und mein Wams, damit man die Löcher nicht sah, mit Hahnenfedern besteckt
Und ich spielte und sang, bald kamen die Kinder zu mir von überall her
Hörten was ich sang mit Empörung und vergaßen es nie mehr
Und die Kinder beschlossen mir zu helfen und nicht mehr zuzusehen
Wo Unrecht geschieht, sondern immer gemeinsam dagegen anzugehen


Und die Hamelner Kinder hielten ihr Wort und bildeten ein Gericht
Zerrten die Bosheit und die Lügen ihrer Väter ans Licht
Und sie weckten damit in ihren Eltern Betroffenheit und Scham
Und weil er sich schämte, schlug manch ein Vater sein Kind fast krumm und lahm
Doch mit jeder Misshandlung wuchs der Mut der Kinder dieser Stadt
Und die hilflosen Bürger brachten die Sache vor den hohen Rat


Es geschah was heute noch immer geschieht, wo Ruhe mehr gilt als Recht
Denn wo die Herrschenden Ruhe wollen, geht's den Beherrschten schlecht
So beschloss man die Vertreibung einer ganzen Generation
In der Nacht desselben Tages begann die schmutzige Aktion
Gefesselt und geknebelt, von den eigenen Vätern bewacht
Hat man die Kinder von Hameln ganz heimlich aus der Stadt gebracht


Nun war wieder Ruhe in der Stadt Hameln, fast wie in einem Grab
Doch die Niedertracht blühte, die Ratsherren fassten eilig ein Schreiben ab
Das wurde der Stadtchronik beigefügt, mit dem Stempel des Landesherren
Und besagt, dass die Kinder vom Rattenfänger ermordet worden wär'n
Doch die Hamelner Kinder sind nicht tot, zerstreut in alle Welt
Haben auch sie wieder Kinder gezeugt, ihnen diese Geschichte erzählt


Denn auch heute noch setzen sich Menschen für die Rechte Schwächerer ein
Diese Menschen könnten wohl die Erben der Hamelner Kinder sein
Doch noch immer herrscht die Lüge über die Wahrheit in der Welt
Und solange die Gewalt und Angst die Macht in Händen hält
Solange kann ich nicht sterben, nicht ausruhen und nicht fliehen
Sondern muss als Spielmann und Rattenfänger immer weiter ziehen
Denn noch nehmen Menschen Unrecht als Naturgewalt in Kauf
Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf
Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf


#HannesWader #fridaysforfuture #klimaschutz #Liedermacher #musik
 
Das war doch bestimmt wieder dieser Rattenfänger, der die Kinder aufgehetzt hat!

Hannes Wader - Der Rattenfänger



Fast jeder weiß was in Hameln geschah, vor tausend und einem Jahr
Wie die Ratten dort hausten, die alles fraßen was nicht aus Eisen war
Zu dieser Zeit kam ich nach langer Fahrt als Spielmann in diese Stadt
Und ich hörte als erstes den Herold schreien, als ich den Markt betrat
Wer mit Gottes Hilfe oder allein die Stadt von den Ratten befreit
Für den lägen ab nun beim Magistrat hundert Taler in Gold bereit


Ich packte mein Bündel, die Flöte und Leier und klopfte ans Rathaustor
Kaum sah man mich schlug man die Tür wieder zu und legte den Riegel vor
Und ich hörte wie man den Herren sagte, es stünde ein Mann vor dem Tor
Zerrissen und stinkend in bunten Lumpen, mit einem Ring im Ohr
Dieser Mann nun ließe den Herren sagen, er käme von weit, weit her
Und er böte der Stadt seine Hilfe, weil er ein Rattenfänger wär


Ich wartete lange, dann rief eine Stimme durch die geschlossene Tür:
'Vernichte die Ratten und du bekommst die versprochenen Taler dafür!'
Und ich ging und blies in der Nacht die Flöte, immer nur einen einzigen Ton
Der so hoch war, dass nur die Ratten ihn hörten, und keine kam davon
Bis hinein in die Weser folgte mir bald die ganze quiekende Brut
Und an Morgen trieben dann hunderttausend Kadaver in der Flut


Als die Hamelner Bürger hörten, was alles geschehen war in der Nacht
Tanzten sie auf den Straßen, nur an mich hat keiner gedacht
Und als ich dann wieder vorm Rathaus stand und forderte meinen Lohn
Schlug man auch diesmal die Tür vor mir zu und erklärte mir voller Hohn
Nur der Teufel könne bei meiner Arbeit im Spiel gewesen sein
Deshalb sei es gerecht, ich triebe bei ihm meine hundert Taler ein


Doch ich blieb und wartete Stunde um Stunde bis zum Abend vor jenem Haus
Aber die Ratsherren, die drinnen saßen, trauten sich nicht heraus
Als es Nacht war kamen bewaffnete Kerle, ein Dutzend oder mehr
Die schlugen mir ihre Spieße ins Kreuz und stießen mich vor sich her
Vor der Stadt hetzten sie ihre Hunde auf mich und die Bestien schonten mich nicht
Sie rissen mich um und pissten mir noch ins blutende Gesicht


Als der Mond schien, flickte ich meine Lumpen, wusch meine Wunden im Fluss
Und weinte dabei vor Schwäche und Wut, bis der Schlaf mir die Augen schloss
Doch noch einmal ging ich zurück in die Stadt und hatte dabei einen Plan
Denn es war Sonntag, die Bürger traten eben zum Kirchgang an
Nur die Kinder und die Alten blieben an diesem Morgen allein
Und ich hoffte, die Kinder würden gerechter als ihre Väter sein


Ich hatte vorher mein zerfleischtes Gesicht mir bunten Farbe bedeckt
Und mein Wams, damit man die Löcher nicht sah, mit Hahnenfedern besteckt
Und ich spielte und sang, bald kamen die Kinder zu mir von überall her
Hörten was ich sang mit Empörung und vergaßen es nie mehr
Und die Kinder beschlossen mir zu helfen und nicht mehr zuzusehen
Wo Unrecht geschieht, sondern immer gemeinsam dagegen anzugehen


Und die Hamelner Kinder hielten ihr Wort und bildeten ein Gericht
Zerrten die Bosheit und die Lügen ihrer Väter ans Licht
Und sie weckten damit in ihren Eltern Betroffenheit und Scham
Und weil er sich schämte, schlug manch ein Vater sein Kind fast krumm und lahm
Doch mit jeder Misshandlung wuchs der Mut der Kinder dieser Stadt
Und die hilflosen Bürger brachten die Sache vor den hohen Rat


Es geschah was heute noch immer geschieht, wo Ruhe mehr gilt als Recht
Denn wo die Herrschenden Ruhe wollen, geht's den Beherrschten schlecht
So beschloss man die Vertreibung einer ganzen Generation
In der Nacht desselben Tages begann die schmutzige Aktion
Gefesselt und geknebelt, von den eigenen Vätern bewacht
Hat man die Kinder von Hameln ganz heimlich aus der Stadt gebracht


Nun war wieder Ruhe in der Stadt Hameln, fast wie in einem Grab
Doch die Niedertracht blühte, die Ratsherren fassten eilig ein Schreiben ab
Das wurde der Stadtchronik beigefügt, mit dem Stempel des Landesherren
Und besagt, dass die Kinder vom Rattenfänger ermordet worden wär'n
Doch die Hamelner Kinder sind nicht tot, zerstreut in alle Welt
Haben auch sie wieder Kinder gezeugt, ihnen diese Geschichte erzählt


Denn auch heute noch setzen sich Menschen für die Rechte Schwächerer ein
Diese Menschen könnten wohl die Erben der Hamelner Kinder sein
Doch noch immer herrscht die Lüge über die Wahrheit in der Welt
Und solange die Gewalt und Angst die Macht in Händen hält
Solange kann ich nicht sterben, nicht ausruhen und nicht fliehen
Sondern muss als Spielmann und Rattenfänger immer weiter ziehen
Denn noch nehmen Menschen Unrecht als Naturgewalt in Kauf
Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf
Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf


#HannesWader #fridaysforfuture #klimaschutz #Liedermacher #musik
 
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Hannes Wader - Mit Eva auf dem Eis


Album: Nach Hamburg, 1989


Nur manchmal dringt der Lärm der Stadt verloren
Als weit entferntes Rauschen übers Eis
Der Schnee ist frisch, die Alster zugefroren,
Und tief am Himmel steht die Sonne kalt und weiß
Es drängen sich am Ufer um die Stände
Die Schlittschuhläufer und noch viel zu heiß
Zum Trinken, wärmt der Glühwein unsre Hände –
An diesem Tag mit Eva auf dem Eis

Ich wollte auch durch and're Jahreszeiten
Mit ihr noch zu so vielen Orten geh'n
Im Jenischpark, im Frühling, mit dem weiten
Blick vom Hügel auf die Elbe seh'n
An heißen Sommertagen sogar in ihr baden
Nur sekundenlang und nur den großen Zeh –
Im Herbst vielleicht zu Bartels Zauberladen
Draußen an der Wandsberker Chaussee

Nun, es ist daraus dann nichts geworden
Sie wollte einfach fort um jeden Preis
Fort aus dieser kühlen Stadt im Norden –
Fort aus dem Trott, dem ewig selben Gleis
Viel Glück! Ob sie nach all den Jahren
Noch immer an mich denkt? – Wer weiß!
Ich erinn're mich gern an den kalten, klaren
Wintertag mit Eva auf dem Eis

Ich erinn're mich gern an den kalten, klaren
Wintertag mit Eva auf dem Eis

#HannesWader #liedermacher #singersongwriter #music #musik #Winter #Eis #Schlittschuhlaufen #Erinnerung
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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Herman van Veen - Sinn für Unsinn


Album: Ich hab ein zärtliches Gefühl, 1973


Sie stupste mit dem Näschen -
Es durchfuhr mich wie ein Blitz -
Und sie flüsterte ganz leise in mein Ohr:
"Die Luft ist hier zum Schneiden, o ich sitz'
Viel zu lang hier drin!"
Und sie zupfte mich am Kinn


Draußen auf dem verlass'nen Boulevard
Weht der Wind ihr die Locken aus dem Haar
Möwen segeln wie Luftpostpapier
Auf und ab entlang dem Pier
Das Barometer stand auf Sturm


Es hatte schon gefroren
Selbst der Brunnen war vereist
Sie lachte und sie rief: "Ich such 'nen Mann
Der notfalls auf Socken glitschen kann!"
Ich bin stundenlang
Dann mit ihr geglitscht


Sie hat Sinn für jeden Unsinn
Und ich hab' nichts dagegen
Wir spielten ausgelassene wie zwei Kinder auf dem Eis
Sie hat Sinn für jeden Unsinn
Und ich hab' nichts dagegen
Denn sie ist nicht verlegen
Und ich bin noch kein Greis


Diese Stadt ist so undicht wie ein Sieb
Und der Wind trifft uns wie ein Keulenhieb
Auf der Bank, in jedem Hauseingang -
Überall streicht er entlang
Die Stadt, ich hab' sie ja so satt!


Um warm zu bleiben, kauften wir
'Ne Tüte mit Pommes frites
Und luden alle Möwen noch dazu
Sie wünschte höflich: "Guten Appetit!"
Und sie sagte: "Halt, erst die Möwen und dann du!"


Sie hat Sinn für jeden Unsinn
Und ich hab' nichts dagegen
Wir spielten ausgelassene wie zwei Kinder weit entrückt
Sie hat Sinn für jeden Unsinn
Und ich hab' nichts dagegen
Doch hab' ich einen Bruder
Der hält uns für verrückt!


#HermanvanVeen #liedermacher #singersongwriter #musik #music
#Sinn #Unsinn #Möwen #Pommes
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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Reinhard Mey - Der Marder


Album: Einhandsegler, 2000
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Es ist mitten in der Nacht, ich werde plötzlich wach,
Hey, was ist das für ein nächtlicher Krach im Dach?
Was ist das für ein Gekratze, was ist das für ein Gescharr‘ da?
Ich nehm die Taschenlampe und das Nudelholz,
Robbe durch das Dachgebälk bis ran an das Gebolz,
Da steht er vor mir und ich lieg vor Schrecken starr da:
Er bäumt sich auf im grellen Taschenlampenschein,
Zeigt mir die Krallen und zwei blanke Äugelein.
Ey Alter, bleib ganz cool, sagt er, ich bin ein Marder
Und grad dabei, in deinen Dachstuhl einzuzieh‘n
Mit meinen Kindern Kevin, Sandro und Jacqueline,
Malte, Melanie und meiner lieben Frau Ricarda.
Du hast so‘n schönes warmes Dach auf deinem Haus
Und überall hängst du den großen Tierfreund raus.
Jetzt kannst du allen zeigen: Du bist wirklich einer!
Und die Statistik hat es messerscharf erkannt:
Es kommt auf 1000 Einwohner in diesem Land
Ein Marder, tja, und ich bin nun mal deiner.
Wir haben uns dich extra ausgesucht,
Bewußt Winterquartier bei dir gebucht,
Wir sind ab heut bis Ende Februar da.
Und denk daran, wir sind dir schutzbefohl‘n -
Und nicht den Kammerjäger hol‘n!
Du bist mein Mensch und ich ab jetzt dein Marder!


Paß auf mich auf, Mensch, als Marder hab ich‘s tierisch schwer:
So ziemlich die ganze Menschheit ist hinter mir her,
Und alle Autofahrer, weil ich mich an ihre Heiligtümer wage. Ich sage:
Mal ein Benzinschlauch, auch schon mal ein Kabelbaum, ein Traum
Von einem Draht in einem schönen, warmen Motorraum,
Aber ich frage dich, was ist denn schon ein Keilriemen, den ich durchnage
Gegen Euch mit eurem CO2-Ausstoß?
Hör mal, wer von uns macht denn hier das Ozonloch groß?
Wer ist der wahre Schädling von uns, wer stellt hier die wirkliche Gefahr dar?
Wer verpestet hier die Luft und welcher Schuft verteert den Strand?
Wer schickt denn hier die Castortransporte durch das Land?
Und wer ist wiedermal an allem Schuld? Na klar, der Marder!


Wem gehört das ganze hier, dir oder mir?
Wer von uns war überhaupt als erster hier?
Nur, daß du aufrecht gehst hat noch gar nichts zu bedeuten.
Ich will auch gar nicht lange mit dir diskutier‘n,
Nur so viel: Du kannst dir wirklich gratulier‘n,
Wir Marder kommen nämlich nur zu netten Leuten!
Und du könntest tatsächlich einer von uns sein,
Mit deinen blanken, schwarzen Knopfäuglein,
Mit deinen flinken Fingerchen hast du echt was vom Marder.
Mit deinem vorwitzigen Schneidezahn,
Dem kurzen Fell, dem spitzen Riechorgan
Bist du wie einer von uns, nur eben einen kleinen Tuck reinharder!


Rausekeln kann ich ihn nach diesen Worten ja wohl schlecht
Und wo er recht hat, tja, da hat er recht
Und so wohnt er bei mir mit seiner Frau und seinen Kindern
Wir nennen es ein Mensch-Tier-Wohnprojekt,
Wir begegnen einander mit Respekt
Zwischen Dach und Haus, Bremsschläuchen und Zylindern.
Und wenn du mich demnächst einmal besuchst
Und beim festlichen Candelight-Dinner fluchst:
Was ist das auf dem Teller für ein Haar da?
Dann denk, daß du eine Glückspilzin bist:
Der Teller, von dem du grade ißt
Gehört nämlich eigentlich meinem Marder!


Und bleibst du über Nacht bei mir
Fühl dich geborgen in meinem Arm, denn das Tier
Ist ein Schutzengel und immer unsichtbar da:
Und wenn es über uns rumort und kracht,
Küss ich dich zärtlich: Gute Nacht!
Schlaf ruhig ein, denn über allem wacht der Marder!


Schlaf ruhig ein,
Du kannst ganz sicher sein,
Wir sind nicht allein,
Über uns zwein
Da wacht mein
Marder!


#ReinhardMey #liedermacher #singersongwriter #music #musik #Marder
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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Wenzel - Nazi im Regen


Album: Schöner lügen, 2000


Auf der Landstraße kurz vor Bitterfeld
läuft ein Neonazi im Regen.
Auf der Glatze spiegelt der Mond sich gelb
und die Uniformhose bleibt kleben.
Seinen Führerschein hat er durch's Saufen verlor´n
die Volksturmversammlung ist aus.
Klitschnaß ist vom Arsch er bis über die Ohrn
läuft er die 10 Kilometer nach Haus.
Er streckt seinen arm hoch zum Hitlergruß
das hilft ihm am besten gegen Streß,
denn er weiß, daß er daheim da Vieh noch füttern muß
und sein Spitzname ist Rudolf Heß.


Die Katze kriegt Milch und er streichelt sie zart,
auch der Hund will mit ihm noch rumtoben.
er wäscht sich, rasiert seinen Backenbart
und dann geht er in sein Zimmer nach oben,
keinesfalls zu den Alten ins Wohnzimmer schnell
nur weg aus dem qualmigen Muff.
Die glotzen bis früh um 4 RTL und schlagen sich blutig im Suff.
Dieses Pack müßte schleunigst ins Erziehungsheim.
Er wichst sich die Stiefel blank
und dann kuschelt er sich in sein braunes Bettzeug ein
und schläft wie ein Panzerschrank.


Im Traum bricht er Türken das Nasenbein,
vögelt schwarze Frauen anal.
Der Führer ist da und sein Führerschein
und die Welt ist nur noch national.
Er fährt cool im tarnfarbenen Jeep hin und her,
die Pumpgun im Arm gehört ihm.
Dann erschießt er noch standrechtlich den Deserteur,
denn das wichtigste bleibt Disziplin.
Er ist streng aber gerecht und bestraft jeden Verrat
ohne langes hin und her und Rechtsanwalt.
Denn nur er hat einen Schlüssel für den Stacheldraht
und befehligt schließlich ganz Sachsen-Anhalt.


Er erwacht, es ist kalt,
und er muß raus in den Stall
füttert´s Vieh und dann ruft ihn die Welt
und dann geht er zur Jagd, Feinde gibt's überall
und zwar nicht nur in Bitterfeld.
Inspiziert noch schnell den Schädel, ob der Haarwuchs ihn befällt,
da rasiert er sich lieber nochmal naß.
Und dann sieht man sein Gehirn, wie´s mühsam sich am Leben hält.
Knochenerst, denn er macht keinen Spaß.


#Wenzel #liedermacher #singersongwriter #music #musik
#nazis #neonazis #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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Rheinhard Mey - Alles ist so schön verpackt


Single: Frohe Weihnacht, 1984

»Ich taumle vom Supermarkt im Zickzack nach Haus,
Sechs Einkaufstüten und aus jeder baumelt was raus,
Die Treppe biegt sich ächzend unter meinem Schritt,
Dabei bring‘ ich nur ‘ne Kleinigkeit zum Abendbrot mit:
Chips und Knäckebrot und Würstchen, davon geh‘ ich nicht krumm,
Doch die Dosen und die Schachteln, die Behälter, die hau‘n mich um!
Alles ist so schön verpackt,
Eingetütet, eingesiegelt, eingesackt,
So schön groß, so schön bunt und so schön vakuum –
Je weniger drin, desto mehr drumherum!

Es klingelt, Tante Trudchen schickt mir ein Paket,
Eines, das nur längs und hochkant durch die Türe geht.
Neugierig mach‘ ich auf und schon türmen sich vor mir
Holzwolle, Wellpappe, Klebeband und Packpapier.
Sprachlos zieh‘ ich schließlich unter einem Berg von Styropor
Für kalte Wintertage eine selbstgestrickte Pudelmütz‘ hervor!
Mein Hotelfrühstück kommt auf einem Plastiktablett:
Plastikbutter, Plastikkäse, Plastikomelett,
Plastikwurst und Plastikmilch in Plastiktöpfchen gefüllt,
Jede Scheibe Brot einzeln in Plastikfolie gehüllt.
Hab‘ ich erstmal ausgepackt, brauch‘ ich nicht mehr viel Fantasie,
Um mir vorzustell‘n, ich frühstücke heut‘ auf der Mülldeponie!

Die Umweltdebatte vor dem Parlament:
Die eine Hälfte fehlt, die andre Hälfte pennt,
Einer erklärt mit Nachdruck, einer fordert unbeirrt,
Daß nun endlich alles anders und zudem viel besser wird,
Daß nun wirklich was gescheh‘n muß, daß es Zeit zu handeln sei!
Ach wie gern hör‘ ich sie reden, und dann denk‘ ich mir dabei ...«

#ReinhardMey #Liedermacher #FridaysforFuture #Verpackung #Müll #Plastik
 
Neues Album von Rocko Schamoni: Postapokalypse mit Futur II
https://taz.de/Neues-Album-von-Rocko-Schamoni/!5630617/
#RockoSchamoni #Liedermacher #Postapokalypse #GoldenPudelClub #Musik #Kultur
 
Neues Album von Rocko Schamoni: Postapokalypse mit Futur II
https://taz.de/Neues-Album-von-Rocko-Schamoni/!5630617/
#RockoSchamoni #Liedermacher #Postapokalypse #GoldenPudelClub #Musik #Kultur
 
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Freiheit hoaßt koa Angst habn, vor neamands

Konstantin Wecker - Willy 2015


Album: Ohne Warum 2015
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»Mei Willy, jetzt is wieder ganz schön was los hier bei uns und ich muss dich unbedingt noch einmal stören, nachdem ich mich über zehn Jahre nicht mehr zu Wort gemeldet hab.

Vielleicht bin ich ja zu hellhörig und ich hör die Flöhe husten, aber ich hab Angst, dass wir - hundert Jahre nach dem ersten Weltkrieg - wieder kurz vor einem neuen großen Krieg stehen.

Woasst es no, 68 war des, wo wir miteinander gegen den Krieg demonstriert haben, mei wia lang is des her. Fast a halbs Jahrhundert!

Damals san bloß de Amis in Vietnam g'standen, heit stehn wir Deutschen fast überall auf der Welt mit unsere Soldaten. I hätt's ja nicht geglaubt, dass´ wieder so weit kommt mit Deutschland.

Aber die Zeichen stehen auf Aufrüsten, und da hat wohl eine gewaltige Lobby ein gewaltiges finanzielles Interesse dran.

Kaputt machen, wieder aufbauen, neue Märkte, neue Waffen, neue Särge, neues Geld - das ist nun mal der Hauptantrieb unseres völlig kranken Wirtschaftssystems.

Die Medien manipulieren wie schon lange nicht mehr und was gut ist und böse, richtig und falsch wird uns wie eine bittere Medizin tagtäglich eingeflößt.

Und unsere Regierung? Die GroKo? Die schert sich wie gewohnt einen Dreck um das, was wir wollen.

Wenn die alle Leut´ fragen würden ob sie einen Krieg wollen, was glaubst du würden die Leut´ sagen?

Aber sie fragen nicht, sondern erklären uns, dass diesmal Deutschland statt am Hindukusch auf der Krim verteidigt wird.

Und sie wissen genau: Wiederholungen sind mächtiger als die Wahrheit, weil Menschen nun mal falscher Kriegspropaganda mehr Glauben schenken, je öfter sie die hören.

Mei Willy, manches bleibt erschreckend aktuell, woaßt as no, 1992 hab i gsungen:

Gestern habns an Willy daschlagn,
und heit und heit und heit und heit fangt des ois wieder an.

Und die Friedensbewegung?

Statt dass sich Hunderttausende gegen den drohenden Wahnsinn erheben, laufen sie in Scharen irgendwelchen völkischrassistischen Schwachköpfen und Möchtegernadolfs hinterher und kämpfen gegen die Islamisierung des Abendlandes.

Vor allem in Dresden, dieser schönen Stadt Erich Kästners, einer Stadt mit gerade mal 2,2 Prozent Ausländeranteil - diese Pegidisten sollten eher Angst haben vor einer Idiotisierung des Abendlandes.

Es wäre ja gut, wenn so viele auf die Straße gehen und sich empören, das gehört zum Wesen der Demokratie - aber bei Pegida machen es sich die Menschen zu einfach. Sie sind nicht bereit oder einfach nicht fähig, den wahren Gründen auf die Schliche zu kommen. Stattdessen sucht man sich die Ärmsten der Armen, um einen Schuldigen zu finden: die Flüchtlinge. Und dann wird da noch unterschieden zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen. Als ob die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge nicht deswegen vor Hunger und Not fliehen, weil auch wir sie mit unserem Wirtschaftssystem und unserem Wohlstand in die Armut getrieben haben.

Aufklärung ist das Gebot der Stunde!

Den wahren Ursachen müssten sie auf den Grund gehen. Schon seit langem frage ich mich, weshalb es nicht jedem klar denkenden Menschen offensichtlich ist, dass jemand, der sich bereichert, weil er aus Geld mehr Geld macht, schlicht zu den Strauchdieben unserer Gesellschaft zählt, weshalb es auch eine Riesensauerei ist, die Armen, die Flüchtlinge, die Arbeitslosen und wen auch sonst noch mit derartigen Vorwürfen zu überziehen, gipfelnd in Entmenschlichungsvokabeln wie Schmarotzer oder Parasiten.
Nennen wir sie daher ruhig beim Namen, diese wirklichen Wegelagerer: es sind die Finanzspekulanten, die das Geld als Waffe benutzen, um anderen, den arbeitenden Menschen, das eigentlich wohlverdiente Geld zu klauen.

Gestern habns an Willy daschlagn,
und heit und heit und heit und heit fangt des ois wieder an.

Gestern habns an Willy daschlagn,
und heit und heit und heit und heit fangt des ois wieder an.

Du woaßt as Willy, i war immer Pazifist und da hat mas nicht leicht in diesen Zeiten.

PazifistInnen wurden und werden gerne verlacht, verspottet, beschimpft und beleidigt.

Man wirft uns Naivität vor. Na und? Lieber naiv als korrupt. Lieber seh ich die Welt mit Kinderaugen als mit den verblendeten Augen der Macht und der Gier. Wir sind angeblich feige, wir sollen Weicheier sein. Fragt sich, wie tapfer und harteiig es ist, andere für das eigene Wohlbefinden auf das Schlachtfeld zu schicken.

Sollen doch all die harten Männer spotten und schimpfen. Mein sanfter Vater hatte unter der Schreckensherrschaft Hitlers den Kriegsdienst verweigert. Und ich bin es seinem Andenken schuldig, nicht aufzugeben.

Ich möchte nicht, dass die Stimme des Pazifismus verlorengeht in einer Zeit des erneuten Säbelrasselns. Ich verstehe mich auch nicht einfach nur als „friedensbewegt“ – nein, ich bin radikaler: Ich bin Pazifist und Romantiker, Träumer und Barde und ich glaube weiter an die Kraft der gewaltfreien Veränderung. Ungehorsam ist gefragt, Willy, Ungehorsam! Wir sollten Schulen des Ungehorsams gründen, um ein Gegengewicht zu schaffen gegen die Gehorsamsschulen des Militärs. Und zuallererst müssen wir PazifistInnen uns gegen die Nebelkerzen wehren, mit denen wir täglich beschossen werden.

Aber wenn sich der Nebel endlich gelichtet hat, sind wir dann auch bereit, aufzustehen? Was wäre, wenn der Friede kein Wunder bräuchte, sondern eine Revolution?

Ja - eine Revolution, Willy. Denn bei Heckler & Koch und Co knallen angesichts der weltweiten Kriege doch schon die Champagnerkorken an die Lüster.

Wir bräuchten wieder einen wie dich Willy.

Einen wie dich, einen der sein Maul aufmacht und schreit: „Halts Mei Faschist. Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.“

Aber i woaß, einige machen weida Willy, und die werden auch mehrer werdn, so wie du gesagt hast:

"Ma muass weiterkämpfen, weiterkämpfen, a wenn die ganze Welt an Arsch offen hat.“

Gestern habns an Willy daschlagn,
aber heit, aber heit aber heit, heit halt ma zsamm.

Gestern habns an Willy daschlagn,
und heit, und heit und heit und heit halt ma zsamm.«


#KonstantinWecker #liedermacher #musik #music
 

Ludwig Hirsch - Jugendfrei


Album: Bis ins Herz, 1983
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»Im Kino drüben spielens an Bud Spencer Film,
den hat der Burli Bua scho fünf mal g’sehen,
weil, da zerbersten die Schädel,
da splittern die Knochen,
in Zeitlupe werden da Genicke gebrochen,
in Farbe und jugendfrei.
Auch bei der wöchentlichen Schlacht am Fußballplatz,
kommt der Burli Bua voll auf seine Rechnung,
da rinnt aus aufgeschlitzten Bäuchen viel Blut und viel Bier,
wenn sie sich oben auf den Rängen massakrieren,
jeden Samstag Nachmittag.

Und mit knallroten Ohren schaut der Burli immer zu,
wenn sich die Menschen gegenseitig weh tun.
Und es g’fallt ihm irgendwie
und sein Herz klopft wie verrückt
und er kriegt an so an komischen harten Blick.

Die nächste Schlägerei, ebenfalls jugendfrei,
gibt’s dann zuhaus zwischen der Mama und dem Papa.
Er is viel unterwegs, sie hockt immer nur daham,
sie hat ned amal a Freundin, er dafür zwa
und des kann sie ihm halt nicht verzeihen.
Zuerst wird g’schimpft und g’schrien, später knallen die Türen,
schließlich drischt er auf sie ein.
Wenn nicht der Nachbar jedesmal die Funkstreife holt,
dann prügelt er sie wirklich einmal tot,
vor den Augen vom Burli Bua.

Und mit knallroten Ohren schaut der Burli immer zu,
wenn der Papa der Mama weh tut.
Und es g’fallt ihm irgendwie und sein Herz klopft wie verrückt
und er hat wieder so an komischen harten Blick.

Da gibt’s die Leut ohne Hirn,
die schon wieder probiern,
diese alten Ideen durchzusetzen.
Für die mein Vater schon krepiert is, wie der allerletzte Dreck,
und nicht nur er, na, Millionen sind verreckt
und das auf der ganzen Welt.
Verstehst, die alten braunen Deppen. Die werden eh bald sterben,
nur gibt’s schon wieder so viel Junge und es werden immer mehr,
es wird ned lang dauern und der Burli macht mit,
weil die haben auch alle diesen komischen Blick,
dieses Herzklopfen und knallrote Ohren.

Ja, und dann is es bald soweit,
und ganz jugendfrei
wird er Bomben basteln im Keller.

Ja, wir werden bald schön blöd schaun
werd's sehen es dauert nicht mehr lang
und die ganze Welt wird wieder brennen!

Ja, und dann is es bald soweit,
und ganz jugendfrei
wird er Bomben basteln im Keller.

Ja, wir werden bald schön blöd schaun
werd's sehen es dauert nicht mehr lang
und die ganze Welt wird wieder brennen!«

#LudwigHirsch #Gewalt #Hass #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 
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Christof Stählin - Der Müßiggänger


Privatlieder, 1973

»So bin ich wieder mal dem Tage geboren
Aus dem Schoße meines Bettes, die Beine voran
Und ich seh' mich im Spiegel vom Kopf bis zu den Ohren
Und merke befriedigt, es ist alles noch dran
Und dann schau' ich nach der Sonne, an der ich seh'
Dass ich barfuß mitten im Mittag steh'
Ich zieh' mich an und gehe durchs Treppenhaus
Die Türe schließt selbst, auf die Straße hinaus

Ich bin ein Müßiggänger
Ich bin ein Müßiggänger
Der so lebt, wie's die Ander'n gerne täten
Und keine Angst hat sich zu verspäten

Und ich blinzle und sehe gegenüber
Lehnt die Sonne an der Wand und wartet auf mich
Ich schieß' mich durch ein Loch im Verkehr zu ihr hinüber
Und rücke mich bei ihr ins rechte Licht
Mach' die Augen zu und schau' ihr ins Gesicht
Denn manchmal scheint die Sonne, aber öfter auch nicht

Auf einen Müßiggänger
Auf einen Müßiggänger
Der so lebt, wie's die Ander'n gerne täten
Und keine Angst hat sich zu verspäten

Den Zylinder schief, die Krawatte amorph
Klopft mir einer auf die Schulter und will Geld von mir
Das ist Josef, der Freiherr von Eichendorff
Wir geh'n denn dann zur Reis' auf ein kleines Bier
bescheiden, doch zufrieden leben er und auch ich
Denn der Eichendorff, das ist ein Taugenichts

Und ich ein Müßiggänger
Und ich ein Müßiggänger
Wir leben, wie's die Ander'n gerne täten
Und haben Angst uns zu verspäten

Ich bin ein Brief von mir und an mich
Und um nichts zu suchen, das ist mein Sinn
Ich find' mich gegen Abend beim Spazierengeh'n
Mach' mich auf und lese, daß ich hungrig bin
Und dann nehm' ich mir zu Herzen was sonst noch da steht
Nämlich, daß es so nicht mehr weitergeht

Ich bin ein Müßiggänger
Ich bin ein Müßiggänger
Ich lebe, wie's die Ander'n gerne täten
Und habe keine Angst mich zu verspäten

Da kommt gerade Gott auf dem Bürgersteig vorüber
Und sagt, er käme eben aus Frankreich vorbei
Doch in Frankreich, so sagt er, ging's drunter und drüber
Und, daß es dort gar nicht mehr gemütlich sei
Lacht grimmig und zeigt sein goldenes Gebiss
"Allors, je m'en fous, je m'en vais en Suisse!"

Das ist ein Müßiggänger
Das ist ein Müßiggänger
Auf den kann man sich verlassen
Der hat keine Angst was zu verpassen

Und der Tag fällt durch die Nacht, wie durch ein leeres Glas
Da geh' ich heim und bin mutterseelen zuzweit
Und ich fühle, in lecto ist veritas
Wenn's auch nicht gemacht ist, ist's doch nicht mehr weit
Ich schließe auf und gehe durchs Treppenhaus
Die Türe schließt selbst, zu meinem Bett hinauf
Um vorm Einschlafen noch aus dem Fenster zu schau'n
Und da denke ich dann mitten im Morgengrau'n

Ich bin ein Müßiggänger
Ich bin ein Müßiggänger
Der schläft, wie's die Ander'n gerne täten
Und keine Angst hat sich zu verspäten«

#ChristofStählin #Poesie #Lyrik #Liedermacher #faulenzen #Nichtstun #sitzenundsinnen
 

Barbara Thalheim - Immer noch immer


Album: Immer noch immer, 2007


»immer noch
immer
immer wieder
reise ich
bleib ich
fluch und verzweifle ich
werd ich müder

immer noch immer wieder
blüht der ginster am inselblick
hängt mir der nebel im gesicht
raubt mir ein wort die zuversicht
holt mir ein lied das blau zurück
immer noch immer wieder
weht am halbmast mein letztes hemd
welkt die nelke am jackenknopf
ist die zeit ein alter zopf
geht das leben mit mir fremd

aber immer noch immer wieder
heißt nicht trotz alledem
und auch nicht außerdem
heißt nicht es blüht der Flieder
heißt nur
immer immer wieder

immer noch
immer
immer wieder
komme ich
geh ich
such und
befrage ich
ein gegenüber

immer noch immer wieder
quält mich das nichts der nichtigkeit
lügt mich die neue wahrheit an
schminkt sich die lüge dann und wann
wiegt schwerer jede kleinigkeit
immer noch immer wieder
schlägt blattgrün aus ein schöner trick
peitscht mir der regen das gesicht
reizt mich das grelle bühnenlicht
kommt lachen mit nem lied zurück

aber immer noch immer wieder
heißt nicht trotz alledem
und auch nicht außerdem
heißt nicht es blüht der flieder
heißt nur
immer immer wieder

immer noch
immer
immer wieder
atme ich
sing ich
schlägt mein Herz
hoch auf
und wieder
nieder«

#BarbaraThalheim #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 

Franz Josef Degenhardt - In den guten alten Zeiten


Album: Von damals und von dieser Zeit, 1989


»Dort im Südrandkrater, hinten an der Zwischenkieferwand,
wo im letzten Jahre noch das Pärchen Brennesseln stand,
wo es immer, wenn der Mond sich überschlägt, so gellend lacht,
drüben haust in einem Panzer aus der allerletzten Schlacht
jener Kerl mit lauter Haaren auf dem Kopf und im Gesicht,
zu dem, wenn es Neumond ist, unser ganzer Stamm hinkriecht.
Jener schlägt ein Instrument aus hohlem Holz und Stacheldraht
und erzählt dazu, was früher sich hier zugetragen hat
in den guten alten Zeiten.

Damals konnte der, der wollte, auf den Hinterkrallen stehn.
Doch man fand das Kriechen viel bequemer als das Aufrechtgehn.
Der Behaarte sagt, sie seien sogar geflogen, und zwar gut.
Aber keiner fand je abgebrochne Flügel unterm Schutt.
Über Tage und in Herden lebten sie zur Sonnenzeit,
doch zum Paaren schlichen sie in Höhlen, immer nur zu zweit.
Ihre Männchen hatten Hoden und ein bißchen mehr Gewicht,
doch ansonsten unterschieden sie sich von den Weibchen nicht
in den guten alten Zeiten.

Damals wuchsen fette Pflanzen überall am Wegesrand,
doch sie abzufressen galt als äußerst unfein in dem Land.
Man verzehrte Artgenossen, selbst das liebenswerte Schwein,
doch die aufrecht gehen konnten, fraß man nicht, man grub sie ein.
Manchmal durfte man nicht töten, manchmal wieder mußte man.
Ganz Genaues weiß man nicht mehr, aber irgendwas ist dran.
Denn wer Tausende verbrannte, der bekam den Ehrensold,
doch erschlug er einen einz’lnen, hat der Henker ihn geholt
in den guten alten Zeiten.

Wenn ein Kind ganz nackt und lachend unter einer Dusche stand,
dann bekam es zur Bestrafung alle Haare abgebrannt.
Doch war’s artig, hat’s zum Beispiel einen Panzer gut gelenkt,
dann bekam es zur Belohnung um den Hals ein Kreuz gehängt.
Man zerschlug ein Kind, wenn es die Füße vom Klavier zerbiß,
doch man lachte, wenn’s dem Nachbarkind ein Ohr vom Kopfe riß.
Blut’ge Löcher in den Köpfen zeigte man den Knaben gern,
doch von jenem Loch der Löcher hielt man sie mit Hieben fern
in den guten alten Zeiten.

Alle glaubten an den unsichtbaren gleichen Manitu,
doch der Streit darüber, wie er aussah, ließ sie nicht in Ruh.
Jene malten ihn ganz weiß und andre schwarz oder gar rot,
und von Zeit zu Zeit, da schlugen sie sich deshalb einfach tot.
Ob die Hand ganz rot von Blut war und die Weste schwarz von Dreck,
das war gleich, wenn nur die Haut ganz weiß war, ohne jeden Fleck.
Und den Mischer zweier Farben federte und teerte man
oder drohte ihm für nach dem Tode Feuerqualen an
in den guten alten Zeiten.

Und wer alt war, galt als weise, und wer dick war, galt als stark.
Und den fetten Greisen glaubte man aufs Wort und ohne Arg.
Und wenn Wolken sich am Abend färbten, freute man sich noch,
und man fraß ganz ruhig weiter, wenn die Erde brandig roch.
Denn vom Himmel fiel noch Wasser, und die Sonne war noch weit,
und der große Bär, der schlief noch, in der guten alten Zeit.
Und die Erde drehte sich nicht plötzlich rückwärts und im Kreis.
Doch man schaffte rüstig, bis es dann gelang, wie jeder weiß.
Und da war Schluß mit jenen Zeiten,
mit den guten alten Zeiten.

Und so hocken wir bei Neumond an der Zwischenkieferwand,
wo im letzten Jahre noch das Pärchen Brennesseln stand.
Und wir lauschen dem Behaarten, der sein Instrument laut schlägt.
Und wir lauschen, lauschen, lauschen nächtelang und unbewegt.
Und wir träumen von den guten alten Zeiten und dem Land,
wo man überall und jederzeit genug zu fressen fand.
Unsre Stammesmutter streichelt unser Jüngstes mit den Zehn,
manchmal seufzt sie: ›O ihr Brutgenossen, war das früher schön
in den guten alten Zeiten.‹«

#FranzJosefDegenhardt #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 

Franz Josef Degenhardt - In den guten alten Zeiten


Album: Von damals und von dieser Zeit, 1989


»Dort im Südrandkrater, hinten an der Zwischenkieferwand,
wo im letzten Jahre noch das Pärchen Brennesseln stand,
wo es immer, wenn der Mond sich überschlägt, so gellend lacht,
drüben haust in einem Panzer aus der allerletzten Schlacht
jener Kerl mit lauter Haaren auf dem Kopf und im Gesicht,
zu dem, wenn es Neumond ist, unser ganzer Stamm hinkriecht.
Jener schlägt ein Instrument aus hohlem Holz und Stacheldraht
und erzählt dazu, was früher sich hier zugetragen hat
in den guten alten Zeiten.

Damals konnte der, der wollte, auf den Hinterkrallen stehn.
Doch man fand das Kriechen viel bequemer als das Aufrechtgehn.
Der Behaarte sagt, sie seien sogar geflogen, und zwar gut.
Aber keiner fand je abgebrochne Flügel unterm Schutt.
Über Tage und in Herden lebten sie zur Sonnenzeit,
doch zum Paaren schlichen sie in Höhlen, immer nur zu zweit.
Ihre Männchen hatten Hoden und ein bißchen mehr Gewicht,
doch ansonsten unterschieden sie sich von den Weibchen nicht
in den guten alten Zeiten.

Damals wuchsen fette Pflanzen überall am Wegesrand,
doch sie abzufressen galt als äußerst unfein in dem Land.
Man verzehrte Artgenossen, selbst das liebenswerte Schwein,
doch die aufrecht gehen konnten, fraß man nicht, man grub sie ein.
Manchmal durfte man nicht töten, manchmal wieder mußte man.
Ganz Genaues weiß man nicht mehr, aber irgendwas ist dran.
Denn wer Tausende verbrannte, der bekam den Ehrensold,
doch erschlug er einen einz’lnen, hat der Henker ihn geholt
in den guten alten Zeiten.

Wenn ein Kind ganz nackt und lachend unter einer Dusche stand,
dann bekam es zur Bestrafung alle Haare abgebrannt.
Doch war’s artig, hat’s zum Beispiel einen Panzer gut gelenkt,
dann bekam es zur Belohnung um den Hals ein Kreuz gehängt.
Man zerschlug ein Kind, wenn es die Füße vom Klavier zerbiß,
doch man lachte, wenn’s dem Nachbarkind ein Ohr vom Kopfe riß.
Blut’ge Löcher in den Köpfen zeigte man den Knaben gern,
doch von jenem Loch der Löcher hielt man sie mit Hieben fern
in den guten alten Zeiten.

Alle glaubten an den unsichtbaren gleichen Manitu,
doch der Streit darüber, wie er aussah, ließ sie nicht in Ruh.
Jene malten ihn ganz weiß und andre schwarz oder gar rot,
und von Zeit zu Zeit, da schlugen sie sich deshalb einfach tot.
Ob die Hand ganz rot von Blut war und die Weste schwarz von Dreck,
das war gleich, wenn nur die Haut ganz weiß war, ohne jeden Fleck.
Und den Mischer zweier Farben federte und teerte man
oder drohte ihm für nach dem Tode Feuerqualen an
in den guten alten Zeiten.

Und wer alt war, galt als weise, und wer dick war, galt als stark.
Und den fetten Greisen glaubte man aufs Wort und ohne Arg.
Und wenn Wolken sich am Abend färbten, freute man sich noch,
und man fraß ganz ruhig weiter, wenn die Erde brandig roch.
Denn vom Himmel fiel noch Wasser, und die Sonne war noch weit,
und der große Bär, der schlief noch, in der guten alten Zeit.
Und die Erde drehte sich nicht plötzlich rückwärts und im Kreis.
Doch man schaffte rüstig, bis es dann gelang, wie jeder weiß.
Und da war Schluß mit jenen Zeiten,
mit den guten alten Zeiten.

Und so hocken wir bei Neumond an der Zwischenkieferwand,
wo im letzten Jahre noch das Pärchen Brennesseln stand.
Und wir lauschen dem Behaarten, der sein Instrument laut schlägt.
Und wir lauschen, lauschen, lauschen nächtelang und unbewegt.
Und wir träumen von den guten alten Zeiten und dem Land,
wo man überall und jederzeit genug zu fressen fand.
Unsre Stammesmutter streichelt unser Jüngstes mit den Zehn,
manchmal seufzt sie: ›O ihr Brutgenossen, war das früher schön
in den guten alten Zeiten.‹«

#FranzJosefDegenhardt #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 

Franz Josef Degenhardt - In den guten alten Zeiten


Album: Von damals und von dieser Zeit, 1989


»Dort im Südrandkrater, hinten an der Zwischenkieferwand,
wo im letzten Jahre noch das Pärchen Brennesseln stand,
wo es immer, wenn der Mond sich überschlägt, so gellend lacht,
drüben haust in einem Panzer aus der allerletzten Schlacht
jener Kerl mit lauter Haaren auf dem Kopf und im Gesicht,
zu dem, wenn es Neumond ist, unser ganzer Stamm hinkriecht.
Jener schlägt ein Instrument aus hohlem Holz und Stacheldraht
und erzählt dazu, was früher sich hier zugetragen hat
in den guten alten Zeiten.

Damals konnte der, der wollte, auf den Hinterkrallen stehn.
Doch man fand das Kriechen viel bequemer als das Aufrechtgehn.
Der Behaarte sagt, sie seien sogar geflogen, und zwar gut.
Aber keiner fand je abgebrochne Flügel unterm Schutt.
Über Tage und in Herden lebten sie zur Sonnenzeit,
doch zum Paaren schlichen sie in Höhlen, immer nur zu zweit.
Ihre Männchen hatten Hoden und ein bißchen mehr Gewicht,
doch ansonsten unterschieden sie sich von den Weibchen nicht
in den guten alten Zeiten.

Damals wuchsen fette Pflanzen überall am Wegesrand,
doch sie abzufressen galt als äußerst unfein in dem Land.
Man verzehrte Artgenossen, selbst das liebenswerte Schwein,
doch die aufrecht gehen konnten, fraß man nicht, man grub sie ein.
Manchmal durfte man nicht töten, manchmal wieder mußte man.
Ganz Genaues weiß man nicht mehr, aber irgendwas ist dran.
Denn wer Tausende verbrannte, der bekam den Ehrensold,
doch erschlug er einen einz’lnen, hat der Henker ihn geholt
in den guten alten Zeiten.

Wenn ein Kind ganz nackt und lachend unter einer Dusche stand,
dann bekam es zur Bestrafung alle Haare abgebrannt.
Doch war’s artig, hat’s zum Beispiel einen Panzer gut gelenkt,
dann bekam es zur Belohnung um den Hals ein Kreuz gehängt.
Man zerschlug ein Kind, wenn es die Füße vom Klavier zerbiß,
doch man lachte, wenn’s dem Nachbarkind ein Ohr vom Kopfe riß.
Blut’ge Löcher in den Köpfen zeigte man den Knaben gern,
doch von jenem Loch der Löcher hielt man sie mit Hieben fern
in den guten alten Zeiten.

Alle glaubten an den unsichtbaren gleichen Manitu,
doch der Streit darüber, wie er aussah, ließ sie nicht in Ruh.
Jene malten ihn ganz weiß und andre schwarz oder gar rot,
und von Zeit zu Zeit, da schlugen sie sich deshalb einfach tot.
Ob die Hand ganz rot von Blut war und die Weste schwarz von Dreck,
das war gleich, wenn nur die Haut ganz weiß war, ohne jeden Fleck.
Und den Mischer zweier Farben federte und teerte man
oder drohte ihm für nach dem Tode Feuerqualen an
in den guten alten Zeiten.

Und wer alt war, galt als weise, und wer dick war, galt als stark.
Und den fetten Greisen glaubte man aufs Wort und ohne Arg.
Und wenn Wolken sich am Abend färbten, freute man sich noch,
und man fraß ganz ruhig weiter, wenn die Erde brandig roch.
Denn vom Himmel fiel noch Wasser, und die Sonne war noch weit,
und der große Bär, der schlief noch, in der guten alten Zeit.
Und die Erde drehte sich nicht plötzlich rückwärts und im Kreis.
Doch man schaffte rüstig, bis es dann gelang, wie jeder weiß.
Und da war Schluß mit jenen Zeiten,
mit den guten alten Zeiten.

Und so hocken wir bei Neumond an der Zwischenkieferwand,
wo im letzten Jahre noch das Pärchen Brennesseln stand.
Und wir lauschen dem Behaarten, der sein Instrument laut schlägt.
Und wir lauschen, lauschen, lauschen nächtelang und unbewegt.
Und wir träumen von den guten alten Zeiten und dem Land,
wo man überall und jederzeit genug zu fressen fand.
Unsre Stammesmutter streichelt unser Jüngstes mit den Zehn,
manchmal seufzt sie: ›O ihr Brutgenossen, war das früher schön
in den guten alten Zeiten.‹«

#FranzJosefDegenhardt #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 

Franz Josef Degenhardt - In den guten alten Zeiten


Album: Von damals und von dieser Zeit, 1989


»Dort im Südrandkrater, hinten an der Zwischenkieferwand,
wo im letzten Jahre noch das Pärchen Brennesseln stand,
wo es immer, wenn der Mond sich überschlägt, so gellend lacht,
drüben haust in einem Panzer aus der allerletzten Schlacht
jener Kerl mit lauter Haaren auf dem Kopf und im Gesicht,
zu dem, wenn es Neumond ist, unser ganzer Stamm hinkriecht.
Jener schlägt ein Instrument aus hohlem Holz und Stacheldraht
und erzählt dazu, was früher sich hier zugetragen hat
in den guten alten Zeiten.

Damals konnte der, der wollte, auf den Hinterkrallen stehn.
Doch man fand das Kriechen viel bequemer als das Aufrechtgehn.
Der Behaarte sagt, sie seien sogar geflogen, und zwar gut.
Aber keiner fand je abgebrochne Flügel unterm Schutt.
Über Tage und in Herden lebten sie zur Sonnenzeit,
doch zum Paaren schlichen sie in Höhlen, immer nur zu zweit.
Ihre Männchen hatten Hoden und ein bißchen mehr Gewicht,
doch ansonsten unterschieden sie sich von den Weibchen nicht
in den guten alten Zeiten.

Damals wuchsen fette Pflanzen überall am Wegesrand,
doch sie abzufressen galt als äußerst unfein in dem Land.
Man verzehrte Artgenossen, selbst das liebenswerte Schwein,
doch die aufrecht gehen konnten, fraß man nicht, man grub sie ein.
Manchmal durfte man nicht töten, manchmal wieder mußte man.
Ganz Genaues weiß man nicht mehr, aber irgendwas ist dran.
Denn wer Tausende verbrannte, der bekam den Ehrensold,
doch erschlug er einen einz’lnen, hat der Henker ihn geholt
in den guten alten Zeiten.

Wenn ein Kind ganz nackt und lachend unter einer Dusche stand,
dann bekam es zur Bestrafung alle Haare abgebrannt.
Doch war’s artig, hat’s zum Beispiel einen Panzer gut gelenkt,
dann bekam es zur Belohnung um den Hals ein Kreuz gehängt.
Man zerschlug ein Kind, wenn es die Füße vom Klavier zerbiß,
doch man lachte, wenn’s dem Nachbarkind ein Ohr vom Kopfe riß.
Blut’ge Löcher in den Köpfen zeigte man den Knaben gern,
doch von jenem Loch der Löcher hielt man sie mit Hieben fern
in den guten alten Zeiten.

Alle glaubten an den unsichtbaren gleichen Manitu,
doch der Streit darüber, wie er aussah, ließ sie nicht in Ruh.
Jene malten ihn ganz weiß und andre schwarz oder gar rot,
und von Zeit zu Zeit, da schlugen sie sich deshalb einfach tot.
Ob die Hand ganz rot von Blut war und die Weste schwarz von Dreck,
das war gleich, wenn nur die Haut ganz weiß war, ohne jeden Fleck.
Und den Mischer zweier Farben federte und teerte man
oder drohte ihm für nach dem Tode Feuerqualen an
in den guten alten Zeiten.

Und wer alt war, galt als weise, und wer dick war, galt als stark.
Und den fetten Greisen glaubte man aufs Wort und ohne Arg.
Und wenn Wolken sich am Abend färbten, freute man sich noch,
und man fraß ganz ruhig weiter, wenn die Erde brandig roch.
Denn vom Himmel fiel noch Wasser, und die Sonne war noch weit,
und der große Bär, der schlief noch, in der guten alten Zeit.
Und die Erde drehte sich nicht plötzlich rückwärts und im Kreis.
Doch man schaffte rüstig, bis es dann gelang, wie jeder weiß.
Und da war Schluß mit jenen Zeiten,
mit den guten alten Zeiten.

Und so hocken wir bei Neumond an der Zwischenkieferwand,
wo im letzten Jahre noch das Pärchen Brennesseln stand.
Und wir lauschen dem Behaarten, der sein Instrument laut schlägt.
Und wir lauschen, lauschen, lauschen nächtelang und unbewegt.
Und wir träumen von den guten alten Zeiten und dem Land,
wo man überall und jederzeit genug zu fressen fand.
Unsre Stammesmutter streichelt unser Jüngstes mit den Zehn,
manchmal seufzt sie: ›O ihr Brutgenossen, war das früher schön
in den guten alten Zeiten.‹«

#FranzJosefDegenhardt #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 
Heute vor 76 Jahren

Hannes Wader

* 23. Juni 1942

Monika


Album: Ich hatte mir noch so viel vorgenommen, 1971


»Zu einer Zeit, in der ich sehr allein war, so ohne einen Menschen, schaffte ich mir ein Schwein an, das ich Monika nannte
Ich stellte es auf meinem Balkon unter und fütterte es mit Abfällen, die ich aus den Mülleimern kramte
Das Tier fraß auch jeden Dreck, machte aber gleichzeitig so viel Mist, daß es schon nach wenigen Wochen bis zum Hals in der eigenen Jauche steckte!
Um es vor dem Ertrinken zu retten, setzte ich einen Sessel mitten rein und band die Sau mit Stricken darauf fest

Um den Mist nun loszuwerden, wandte ich mich mit einer Zeitungsanzeige an die Kleingärtner der Umgebung
Das Interesse dieser Menschen, an echtem Schweinedung war riesengroß, und schon am nächsten Tag standen sie in Schlangen unter meinem Balkon!
Die Jauche floß in Strömen – und manche wollten sogar was dafür bezahlen! Irgendwie sprach sich das auch herum
Die Leute grüßten mich wesentlich freundlicher als sonst – ich wurde jetzt geachtet als ein Mann, der es versteht, aus Scheiße Geld zu machen!

Einmal, es war Sommer, die Sau saß draußen breitbeinig in ihrem Sessel und sonnte sich, da hörte ich sie plötzlich aufgeregt grunzen
Ich riss die Balkontür auf und sah noch, wie sich Frau Klotzkes widerlicher Köter an ihr zu schaffen machte!
Als ich mich dazwischen werfen wollte, wurde der Hund plötzlich an einem Bindfaden hochgezogen und auf dem Balkon über mir sang ein Haufen frühreifer Kinder: "Eene, meene, mackel, die Sau machts's mit 'nem Dackel!"

Durch dieses unerfreuliche Erlebnis fühlte ich mich noch enger an Monika gebunden und ich nahm ihren ersten Geburtstag als Anlaß für eine kleine interne Feier
Es machte ihr auch sichtlich Freude, sich vorn und hinten von mir bedienen zu lassen!
Abends zündete ich eine Kerze an, stellte ihr einen Eimer billigen Fusel hin, mir selbst eine Flasche Schnaps und gemeinsam soffen wir eine Weile vor uns hin, und ich erzählte ihr was von mir

Um unserem Fest nun einen besonderen Pfiff zu geben, legte ich eine heiße Platte auf – und das hätte ich nicht tun sollen!
Denn kaum hörte Monika die ersten Töne, plumpste sie, besoffen wie sie war, von ihrem Sessel und fing wie irrsing an zu toben!
Unfähig mich zu rühren, sah ich, wie sich der Balkon langsam vornüber neigte und dann mit unbeschreiblichem Getöse in die Tiefe stürzte, während Monika, laut gröhlend, mit dem Kopf nach unten, in der Astgabel einer Platane schaukelte, die direkt am Hause stand

Ein Jahr ist inzwischen vergangen, seit Monika wegen Alkoholvergiftung notgeschlachtet werden mußte
Ich fühle mich schuldig an ihrem Tode und habe mich jetzt fast ganz zurückgezogen
Um alles wieder gutzumachen, wollte ich mir schon ein neues Schwein anschaffen, aber der Gedanke daran hat alles Vergangene wieder in mir aufgerührt!
Stattdessen habe ich mich für eine mittelschwere Frau entschieden
Der Balkon ist bereits repariert, und frisches Stroh habe ich uns auch schon besorgt...«

#HannesWader #Liedermacher #acoustic #guitar #singersongwriter #music #Geburtstag #birthday
 
Auch wenn kein Mai mehr ist, draußen ist

Die Zeit der Irren und Idioten


»Es ist wie Sommer heut im Mai.
Die Nutten haben Hitzefrei.
Die Polizei putzt ihre Scheiben.
Die Heiratsschwindler übertreiben.
Die Stadt riecht schweißig und nach Äther.
Es kichert leis der Attentäter.
Noch unentdeckt sind all die Toten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Betrogne Männer gehen mit Strick
Zum Stadtwald, kommen nicht zurück.
Die Nonnen lutschen an Lakritzen.
Die Mönche untern Kutten schwitzen.
Ein Onanist stiert vom Balkon.
Ein BMW fährt durch Beton.
Es sterben zwanzig Fahrradboten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Ein Ex-Minister lacht verstört.
Der Mittelstand ist höchst empört.
Die Spanner liegen auf der Lauer.
Die Hochdruckzone bleibt von Dauer.
Der Asphalt hat sich hochgebogen.
Der Fliederduft setzt unter Drogen
Und jede Logik ist verboten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Ein Säufer hat sich stumm gegölt.
Die Hausfrau hat sich eingeölt.
Selbst nachts bleibt diese Affenhitze
Ueber die Stadt wie eine Mütze.
Es wird verrückt selbst der Solide.
Dann häufen sich die Suizide.
Touristen kotzen von den Boten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.«
Wenzel - Album: Schöner Lügen (1999)


#Sommer #heiß #Hitze #Irre #Idioten #Wenzel #Liedermacher #musik
 
Auch wenn kein Mai mehr ist, draußen ist

Die Zeit der Irren und Idioten


»Es ist wie Sommer heut im Mai.
Die Nutten haben Hitzefrei.
Die Polizei putzt ihre Scheiben.
Die Heiratsschwindler übertreiben.
Die Stadt riecht schweißig und nach Äther.
Es kichert leis der Attentäter.
Noch unentdeckt sind all die Toten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Betrogne Männer gehen mit Strick
Zum Stadtwald, kommen nicht zurück.
Die Nonnen lutschen an Lakritzen.
Die Mönche untern Kutten schwitzen.
Ein Onanist stiert vom Balkon.
Ein BMW fährt durch Beton.
Es sterben zwanzig Fahrradboten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Ein Ex-Minister lacht verstört.
Der Mittelstand ist höchst empört.
Die Spanner liegen auf der Lauer.
Die Hochdruckzone bleibt von Dauer.
Der Asphalt hat sich hochgebogen.
Der Fliederduft setzt unter Drogen
Und jede Logik ist verboten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Ein Säufer hat sich stumm gegölt.
Die Hausfrau hat sich eingeölt.
Selbst nachts bleibt diese Affenhitze
Ueber die Stadt wie eine Mütze.
Es wird verrückt selbst der Solide.
Dann häufen sich die Suizide.
Touristen kotzen von den Boten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.«
Wenzel - Album: Schöner Lügen (1999)


#Sommer #heiß #Hitze #Irre #Idioten #Wenzel #Liedermacher #musik
 

Franz Hohler - Raste an dieser Quelle




»Raste an dieser Quelle
Und zieh behutsam deine Handbrems' an
Schau doch, von dieser Stelle
Sieht man die ganze Autobahn!
Parke mit unserm Volvo
Am besten rückwärts gegen jenen Baum
Klapptisch und Campingstühle
Nehm' ich schon aus dem Kofferraum!
Den Gartengrill
Stell' ich hier an den Hang
Sei du nur still!
Hol schon den Büchsenöffner
Und höre des Transistors Klang
Des Transistors Klang!

Schau, wie die Batterien
Den Hänchenspieß fein langsam rundumdreh'n
Schön, wie die Kartonteller
Auf unserm Wegwerftischtuch steh'n!
Ei, wie die Büchse Fanta
Aus ihrer Öffnung luft'gen Schaum versprüht
Blas, Wind, damit die Kohle
Nicht nur so mühsam weiterglüht!
Wie wunderbar
Schmeckt uns des Hähnchens Beinchen
'S ist nicht ganz gar!
Trotzdem - ein Schluck vom Weinchen
Damit ich nachher besser fahr'
Ich nachher besser fahr'!

Leg die James-Last-Cassette
Nochmals in unseren Recorder rein
Dreh sie ein bisschen lauter
Damit die Ander'n sich auch freu'n!
Reich mir die Thermosflasche
Mit dem Kaffee von heute morgen drin
Lasst uns die Becher heben
Sie sind aus Plastik, nicht aus Zinn!
Schon sechzehn Uhr
Nun müssen wir bald sausen
Auf der linken Spur
Heimwärts mit hundertsechzig
Gestärkt von einem Tag Natur
Von einem Tag Natur!«

#FranzHohler #Liedermacher #Wochenende #Müll #Natur
 

Hannes Wader - Trotz alledem


(Daß sich die Furcht in Widerstand wandeln wird)
Album: Hannes Wader singt Arbeiterlieder, 1977
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»Wir hofften in den Sechzigern
trotz Pop und Spuk und alledem
es würde nun den Bonner Herrn
scharf eingeheizt trotz alledem!
Doch ist es kalt, trotz alledem,
trotz SPD und alledem.
Ein schnöder scharfer Winterwind
durchfröstelt uns trotz alledem.

Auch Richter und Magnifizenz
samt Polizei und alledem,
sie pfeifen auf die Existenz
von Freiheit, Recht und alledem.
Trotz alledem und alledem,
trotz Grundgesetz und alledem
drückt uns man mit Berufsverbot
die Gurgel zu, trotz alledem.

Doch hat der Staat sich nun blamiert
vor aller Welt trotz alledem.
Auch wenn die Presse Lügen schmiert
das Fernsehn schweigt trotz alledem.
Trotz Mißtrauen, Angst und alledem
es kommt dazu trotz alledem
daß sich die Furcht in Widerstand
verwandeln wird trotz alledem.«

#HannesWader #liedermacher #Grundgesetz #SPD #musik
 
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Reinhard Mey - Alle Rennen


Album: Leuchtfeuer, 1996


»Alle rennen, alle traben,
Alle tun sie irgendwas.
Alle wollen, alle haben
Einen riesen Freizeitspaß.
Alle brauchen, alle tragen
Einen vorgeschrieb‘n Dress.
Alle hetzen, alle jagen,
Alle sind im Freizeitstress.
Alle laufen,
Alle schnaufen,
Alle strampeln,
Alle hampeln,
Alles regt sich
Und bewegt sich
Ringsumher:
Immer schneller, immer höher, immer weiter, immer mehr!

Bild/Foto
Und ich, ich möchte einfach nur im Gras ‘rumsitzen,
Die Ameise den Krümel tragen sehn
Und Eidechsen, die über Mauerritzen flitzen,
Libellen, die still überm Tümpel stehn,
Die Kellerassel mit den dünnen, kleinen Beinen,
Die ihren schweren Leib nachhause schleppt.
Joggen? Jetzt lieber nicht und Fitnessdrink auch keinen,
Und keinen, der mein altes Fahrrad noch zum Bike aufpeppt.


Alle brauchen, alle suchen
Action und Animation,
Alle fluchen, alle buchen
Doch die nächste Reise schon.
Surfen, skaten und snow-boarden,
Von der Brücke fall‘n am Strick,
Grellbunt aufgestylte Horden
Auf der Suche nach dem Kick.
Alle trekken
Wie die Jecken,
Alle steppen
Wie die Deppen.
Das Gekletter
Auf die Bretter
Bringt‘s total:
Immer teurer, immer bunter, immer öfter ins Spital!

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Und ich, ich möchte einfach nur am Strand ‘rumliegen,
Die warme Sonne spür‘n auf meinem Fell,
Die Wellen plätschern hör‘n, sehn, wie die Möwen fliegen
Und gar nichts tun und das auch ja nicht schnell.
Ich laß Muscheln und Sand durch meine Finger rinnen,
Ein Glas Wein durch meine Kehle, kühl und herb.
Ich weiß, mit mir, da kann man kein Turnier gewinnen
Und auch keinen Pokal und keinen Strandburgwettbewerb.


Alle wollen, alle müssen
Stets dabeisein und sichtbar
Jemand grüßen, jemand küssen,
Ins Beziehungsseminar
Und in die Flamencotruppe,
In die Bauchtanztherapie,
In die Selbsterfahrungsgruppe,
In die coole Galerie.
T-shirt malen,
Beitrag zahlen,
Inhalt suchen,
Eierkuchen.
Gib der Batik-
Problematik
Einen Sinn.
Immer hipper, immer flipper, immer hopper, immer popper,
immer dreister und zeitgeister, immerhin!

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Und ich, ich möchte einfach nur den Regen schmecken,
Den Windhauch spür‘n, die Wolken ziehen sehn
Und Fabelwesen und Gesichter drin entdecken
Und wenn schon gehen, dann nur müßiggehn.
Ich übe, mich tot stell‘n, absagen und verschieben,
Die Zeit tropfen hör‘n, eh der Quell versiegt.
Ich möchte einfach nur gern leben und Dich lieben
Wenn darin nun mal meine wirkliche Begabung liegt.
«

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#ReinhardMey #liedermacher #singersongwriter #music #musik #sitzenundsinnen
 

Gerhard Gundermann - Drachentöters Vater


Album: Torero... Werkstücke III, 2005
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»Nun stehst du vor mir, du verhinderter Held,
die Augen verschmiert, deine Rüstung die fehlt,
die Hosen zerrissen, der Rücken wohl blau,
die Lippen zerbissen, die Haare fast grau.

Ja, hast du gedacht, es wird wie ein Fest,
daß sich die kopfstehende Welt umdrehen lässt,
du solltest doch wissen, es ist kein Spiel
die Sonne zu hissen, die kalt niederfiel.

Nun stehst du vor mir, und du hast nichts geschafft,
die Seele erfriert und am Ende die Kraft,
du hast nicht gewartet, du fühltest dich groß,
zu den Wolken gestartet, gefallen ins Moos.

Ja, hast du geglaubt, all die Steine im Weg,
zerfallen zu Staub, daß ne Wolke dich trägt,
und böse Drachen wären feige und faul,
und mehr was zum lachen und zahnlos ihr Maul.

Nun stehst du vor mir, und ich bin fast ein Greis,
du schaust zu mir, voller Hass, voller Eis,
und dieser Blick schneidet tief meine Haut,
die sonst kein Trick und kein Schwertstreich zerkaut.

Ich bin schon weise und du hast noch Wut,
du laut und ich leise, vielleicht ist das gut.
Die Fahne soll wehn auch an meinem Gewehr,
ich werde mit gehen und zwar vor dir her.

#GerhardGundermann #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 

Gerhard Gundermann - Soll sein


Einsame Spitze, 1992


»der winter soll wieder richtig kalt sein
und auf'm dach soll schnee sein aber weiss
rings um mein haus soll wieder richtig wald sein
und der ofen drinnen richtig heiss
mein teppich der soll endlich wieder fliegen
mein zauberpferd kommt angetrabt
die flaschengeister könn' mich nicht mehr kriegen
weil ich wieder freunde hab

die bäume sollen wieder meine brüder sein
wir lassen unsre wunden heil'n
in den zweigen soll'n die vögel wieder
wohnen und mit mir die kirschen teil'n
ich will auch wieder mit den tieren sprechen
können und ich will das gras verstehn
was es flüstert in den lauen sommernächten
ich habe mich so lang danach gesehnt

frag mich nicht wie
frag mich nicht wann
`s ist doch nur'n lied
aber mit'm lied
fang ich erst mal an


der regen soll wieder seinen bogen schlagen
zwischen schwarz und weiß wie'n bunter arm
und das rot darin soll nicht mehr so verlogen sein
und grün und gelb nicht mehr so arm
die pilze sollen wieder in die bomben kriechen
und die bomben wieder inn flugzeugbauch
das loch im himmel soll sich wieder schließen
und die löcher in der erde - die auch

frag mich nicht wie
frag mich nicht wann
`s ist doch nur'n lied
aber mit'm lied
fang ich erst mal an


mein teppich der soll endlich wieder fliegen
mein zauberpferd kommt angetrabt
die flaschengeister könn' mich nie mehr kriegen
weil ich wieder freunde hab«

#GerhardGundermann #musik #Liedermacher #träumen #Phantasie
 

Thommie Bayer - Der letzte Cowboy


kommt aus Gütersloh (Oh Weh El)
Album: Abenteuer, 1979


»Das waren Zeiten als wir travellten
Von Town zu Town, von Fraun zu Fraun
im Morgengraun
Das waren Zeiten als wir trampten
Von Rottweil nach Southhampton und
von Paderborn zum Matterhorn

Einsam und immer unterwegs,
knabbert er den letzten Keks
Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh
und sucht die Freiheit irgendwo - Irgendwo

Er sucht die Freiheit in der Welle,
die am Strand um seine Beine spült
Er fühlt sich nie so richtig glücklich,
außer wenn er sich alleine fühlt
Wenn ihn die Fraun von hinten sehn,
wolln sie vor Sehnsucht fast zergehn
Doch er geht weiter Richtung Westen
ohne sich jemals umzudrehn

Einsam und immer unterwegs,
knabbert er den letzten Keks
Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh
und sucht die Freiheit irgendwo - Irgendwo

Wenn er nach jedem Abenteuer
an seinem Lagerfeuer sitzt
Und sich schon wieder eine Kerbe
in den Griff von seinem Messer ritzt
Dann denkt er war das nicht Corinna,
oder hieß die doch Elaine

O Mann so geht es einem Cowboy,
der seine Mutter nie gesehn
Er öffnet still die Dose Rindfleisch
die nach Steppengräsern schmeckt
Er ist der Cowboy dieser Tage,
der in jedem von uns steckt

Einsam und immer unterwegs,
knabbert er den letzten Keks
Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh
und sucht die Freiheit irgendwo - Irgendwo

Ob auf dem Rücken eines Hengstes
oder im Sattel einer Honda
Freiheit ist nicht nur für John Wayne da -
oder Peter Fonda

Um den letzten Cowboy wird es still und
im Saloon von Gütersloh - Spart er auf
einen Gartengrill - Und raucht heimlich
diese Zigarette, wo der Mann dann das
weiße Pferd fängt – Und dann setzt er sich erst mal hin,
und raucht eine – Und schaut sich das Pferd erst mal in ruhe an -
Und das Pferd ist natürlich wunderschön,
ganz weiß und hat so ‘ne
lange Mähne - Und so blaue Augen und
dann schaut aber das Pferd ihn so komisch an -
Und dann wird er ganz verlegen
und dann steht er auf und macht das Lasso
los - Und läßt das Pferd frei,
weil er so was verstehen kann«

#ThommieBayer #Freiheit #Gütersloh #OWL #Liedermacher #music #musik
 

Dota - Immer die Andern


(Dota Kehr, Dota und die Stadtpiraten, Kleingeldprinzessin)
Album: Taschentöne, 2004
Bild/Foto


»Wir zerstören die Umwelt und verstopfen die Autobahn,
verursachen zu viel Müll und unterstützen den Rinderwahn.
Wir haben ein ungerechtes Weltwirtschaftssystem,
sind egoistisch und skandalgeil stinken faul und bequem.

Immer die Andern, immer die Andern - wie könnt es anders sein ...
Das schließt Sie und mich, liebe Hörer, selbstverständlich nicht ein!

Tierversuche, ja das find' ich ekelhaft
und Kinderarbeit gehört auch abgeschafft
Massentourismus, Tierhaltung und Atomkraft

Immer die Andern, immer die Andern - wie könnt es anders sein ...
Das schließt Sie und mich, liebe Hörer, selbstverständlich nicht ein!

Wir surfen uns ein Super-Sonderangebot, spenden Weinachten für Welt für die Brot ,
und essen Schokoladen-Weihnachtsmänner für 29 Cent,
trinken Kaffee, den keiner beim Vornamen kennt.

Doch das sind immer die Andern, immer die Andern - wie könnt es anders sein ...
Das schließt Sie und mich, liebe Hörer, selbstverständlich nicht ein!

Und wir täglich schlanker, eleganter und immer erreichbar,
einmalig, weiterfahren, unvergleichbar,
umgeben von digitalen Findigkeiten,
Zivilisation ist die ständige Vermehrung unnötiger Notwendigkeiten.

Und das sind immer die Andern, immer die Andern - wie könnt es anders sein ...
Das schließt Sie und mich, liebe Hörer, selbstverständlich nicht ein!«

#DotaKehr #Dota #Kleingeldprinzessin #DotaUndDieStadtpiraten #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 

Reinhard Mey - Mein guter alter Balthasar


Album: Ikarus, 1975
Bild/Foto


»Es ist noch alles wie es war,
Mein guter alter Balthasar.
Ich glaub', du hast nicht viel verpasst,
Seitdem du nun vor fast zehn Jahr'n,
Ohne Pauken ohne Fanfar'n,
Den Löffel abgegeben hast.
Nein, ich glaub' du hast nichts versäumt
Und von dem, was du dir erträumt,
Wurde so wenig Wirklichkeit.
Was sich seit damals auf der Welt
Verbessert hat, ist schnell erzählt,
Und kein Anlass zur Heiterkeit.
Es ist noch alles wie es war,
Mein guter alter Balthasar.

Rechthaberei, Engstirnigkeit,
Mit denen du dich seinerzeit
Vergebens rumgeschlagen hast,
Blüh'n und gedeih'n wie eh' und je,
Und gleichgültig, wohin ich seh',
Brodelt der Vorurteilsmorast.
Sogar deine Generation
Verspießert und verkalkt auch schon
Und denkt genauso kleinkariert,
Nur altes Vorurteil ist jetzt
Durch neues Vorurteil ersetzt,
Zu Theorien aufpoliert.
Es ist noch alles wie es war,
Mein guter alter Balthasar.

Kämst du heute noch mal zurück,
Würdest du noch einmal ein Stück
Auf deinem Weg von damals geh'n,
Dir wär' hier alles wohl vertraut,
Gar nichts, das dich vom Schemel haut,
Ist, seit du von uns gingst, gescheh'n.
Nur die Klugscheißer haben sich
In dieser Zeit beflissentlich
Schlimmer als Meerschweinchen vermehrt,
Und haben blitzschnell über Nacht
Einen Haufen Junge gemacht,
Und das schulmeistert und belehrt.
Es ist noch alles wie es war,
Mein guter alter Balthasar.

Über soviel, das wir erhofft
Haben, habe ich nur zu oft
Die Enttäuschung runtergeschluckt.
Noch immer hat der Stärk're recht,
Geht es dem Außenseiter schlecht,
Lügt mancher Staatsmann wie gedruckt.
Im Namen der Barmherzigkeit
Schlagen sie sich noch immer breit,
Das Mittelalter geht nicht vorbei.
Und unser Traum von Toleranz
Und Gewaltlosigkeit starb ganz
Leis' in der großen Keilerei.
Es ist noch alles wie es war,
Mein guter alter Balthasar.

So, die Bilanz hast du geseh'n,
Das hat deine Nachwelt in zehn
Langen Jahren alles vollbracht.
Sonst wär' nichts wesentliches mehr,
Und wenn es nicht zum Heulen wär',
Hätt' ich gern laut drüber gelacht.
Es wär' so leicht, zu resignier'n
Statt nachzuseh'n, statt zu probier'n,
Ob da nicht doch noch Wege sind,
Wie man ein Stück Welt besser macht,
Um von den Schwätzern ausgelacht
Zu werden, als ein Narr, der spinnt.
Ob ich's noch mal probier'? Na klar!
Mein guter alter Balthasar.«

#ReinhardMey #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 

Frank Baier - Runter vom Balkon


Album: Marsch der Minderheit, 2005


#FrankBaier #liedermacher #pläne #music #musik
 

Hans Hartz - Vor Meinem Fenster Steht Ein Baum


Album: Morgengrauen, 1984
Bild/Foto


Vor meinem Fenster steht ein Baum.
Wuchs der Sonne nur entgegen.
Seine Nadeln sind nun braun.
In kurzer Zeit wird er sich legen.
Hilflos, hilflos steh ich daneben.
Mein grüner Traum ist ausgeträumt.
Er hat mich begleitet durch mein Leben.
Gegen jeden Sturm hat er sich gebäumt.
Er lebte von Sonne und von Regen.
Doch der Regen wurde schal.
Kahlen Zeiten gehen wir entgegen.
Und dann... es war einmal.


Gestern wehte ein leichter Wind.
Doch mein Freund konnte ihm
nicht widerstehen.
Sag mir, wo die Bäume sind.
Wer hat noch starke wachsen sehen?.
Denkt doch mit an eure Kinder.
Sie leiden auch so wie der Baum.
Denn die Luft die wir noch atmen,
wird für uns alle zum bösen Traum.


Vor meinem Fenster liegt ein Baum.

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