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Wochenrückblick KW19: Von gesetzlichen Beschlüssen und Sicherheitslücken




Das aktuellste zuerst: WhatsApp ändert seine Datenschutzrichtlinie, deren Zustimmung seitens Nutzer:innen noch bis morgen, Samstag, möglich ist. Das haben wir als Anlass genommen, um ein paar Messengerdienst-Alternativen genauer unter die Lupe zu nehmen. Pia Stenner hat sich die beliebtesten Dienste WhatsApp, Telegram, Signal und Threema angeschaut und unter anderem auf ihre Datenerhebung und Sicherheit geprüft.

Um Datensicherheit auf WhatsApp ging es auch in einem Beitrag von Andre Meister. Ein internes BKA-Dokument legte offen, dass Polizei und Geheimdienste verschlüsselte Text-, Video-, Bild- und Sprachkurznachrichten von Messengerdiensten wie WhatsApp einsehen können – und dafür nicht einmal einen Staatstrojaner benötigen.

Überwachung in sozialen Netzwerken


Nachrichten in sozialen Netzwerken mitlesen soll auch ein neues, vom US-Heimatschutzministerium eingeführtes Warnsystem. Dieses soll terroristische Bedrohungen in sozialen Medien künftig frühzeitig erkennen, um Gefahren zu mindern. Vor allem Bürgerrechtsgruppen kritisieren die Maßnahme aufgrund von Massenüberwachung und fürchten Einschränkungen der Meinungsfreiheit.

Kritik gab es diese Woche auch an den von Apple gelaunchten AirTags. Diese sollen eigentlich das Lokalisieren verlorengegangener Gegenstände erleichtern. Das Produkt weist jedoch trotz implementierter Sicherheitsstandards Lücken auf – und biete daher zu wenig Schutz gegen Stalking.

Daten für die Gesundheit


Forschende möchten Patient:innen eine bessere Gesundheitsversorgung bieten, sind dafür jedoch auf sensible Daten angewiesen. Jana Ballweber hat sich gefragt, wie sich der Konflikt zwischen Datenschutz und Datennutzung lösen lässt und hat dafür mit diversen Expert:innen gesprochen.

Datenschutzprobleme gibt es ebenso in der App der Online-Apotheke „Shop Apotheke“. Wie sich herausstellte, leitet die App etliche Daten ihrer Kund:innen an Dritte weiter. Jana Ballweber berichtet, dass Facebook damit Informationen über Medikamente erhält, nach denen Nutzer:innen gesucht hatten. Damit können Werbekonzerne die Daten für ihre Zwecke nutzen.

Von richterlichen Beschlüssen und gesetzlichen Entscheidungen


Auch auf EU-Ebene gab es diese Woche ein paar Neuigkeiten. Julia Reda schrieb über die bald in Kraft tretende Urheberrechtsreform und mögliche Gefahren für Fan Fiction, Fankunst, Memes und Co. Nach zurück liegenden Protesten sollten zwar alle EU-Staaten Internetkulturphänomene wie Karikaturen legalisieren, jedoch versucht die deutsche Bundesregierung, dieses Recht einzuschränken. Reda plädiert für eine Legalisierung, „um die Meinungs- und Kunstfreiheit zu schützen“.

Außerdem hatten EU-Abgeordnete die EU-Kommission diese Woche um eine Überarbeitung der Regeln zum Datenaustausch mit Großbritannien gebeten, berichtet Tomas Rudl. Die Kommission hatte den britischen Datenschutz zuvor für angemessen erklärt. Laut diverser Abgeordneter gäbe es jedoch Datenschutzprobleme, durch die Daten europäischer Bürger:innen in Großbritannien nicht ausreichend sicher seien.

Im Streit zwischen dem Handelskonzern Amazon und der EU-Kommission hat das Gericht der Europäischen Union (EuG) gegen die Kommission entschieden. Sie hatte 2017 von Amazon eine Steuernachzahlung von 250 Millionen Euro verlangt, da der Konzern mit seinem Europa-Sitz im kleinen Luxemburg aus Sicht der Kommission von unzulässigen Steuervergünstigungen profitiert hatte. Der EuG beurteilt das anders, hat aber nicht unbedingt das letzte Wort: Im nächsten Schritt könnte die Kommission auch noch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) anrufen.

Auch in Deutschland hat es in dieser Woche wichtige Gerichtsentscheidungen gegeben. Das Oberlandesgericht Köln hat in zweiter Instanz geurteilt, dass das Transparenz-Portal FragDenStaat 2019 ein Gutachten über die Krebsrisiken von Glyphosat veröffentlichen durfte. Dagegen geklagt hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das dem Landwirtschaftsministerium von Julia Klöckner (CDU) untergeordnet ist. Möglicherweise akzeptiert das BfR dieses Urteil nicht. Es beruft sich noch immer auf das Urheberrecht – und macht daraus aus Sicht von FragDenStaat ein Zensurheberrecht.

Das Gesetz für die mobile eID soll eigentlich den Personalausweis digitalisieren. Die Regierungskoalition will mit dem Gesetz nun zusätzlich ermöglichen, dass Bundesländer zentralisierte Biometriedatenbanken aufbauen können. Die Polizei könnte darüber dann beispielsweise automatisiert Passbilder und Unterschriften abrufen. Der Vorschlag stammt aus einem Änderungsantrag der Großen Koalition. Am kommenden Donnerstag stimmt der Bundestag abschließend über das Gesetz ab.

Um rechtliche Grauzonen ging es im Interview mit dem Journalisten Daniel Moßbrucker. Mit einem Recherche-Team des Panorama-Magazins (ARD) und STRG_F (NDR/funk) hatte er mit einer Software monatelang Fotos aus Foren für Pädosexuelle untersucht. Durch Hinweise in den Metadaten konnte Moßbrucker mit seinem Team herausfinden, dass jedes vierte dieser Fotos von Minderjährigen aus sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram stammte. Vincent Först hat mit ihm darüber gesprochen, wie der Gesetzgeber die rechtlichen Recherchebedingungen für Journalist:innen in solchen Fällen verbessern könnte.

Ein bisschen Innovation und was für die Ohren


Die Bundesregierung steckt in einem Hackathon-Hype: Mit zivilgesellschaftlicher Beteiligung möchte man Innovationen finden, um gesellschaftliche Probleme zu lösen. Beispiele dafür sind Initiativen wie WirVsVirus und UpdateDeutschland. In ihrem Gastbeitrag haben der Sozialwissenschaftler Daniel Staemmler und der Politikwissenschaftler Sebastian Berg einen kritischen Blick darauf geworfen, wieviel zivilgesellschaftliche Teilhabe tatsächlich hinter den „Civic Hacking“-Projekten der Bundesregierung steckt.

Nach Innovationen und neuen Ideen wird auch immer wieder gefragt, wenn es um die Digitalisierung an Schulen geht. Dabei sind viele Ideen längst da. Doch nach einer E-Mail aus dem Kultusministerium herrscht in Baden-Württemberg Chaos um die Schul-IT: Es hakt an zersplitterten Zuständigkeiten, Streit um Datenschutz und überlasteten Lehrkräften, die die Schul-IT während des Distanzunterrichtes am Laufen halten müssen.

Am vergangenen Wochenende ist eine neue Folge unseres Werkstatt-Podcasts „Off the Record“ erschienen. Darin spricht Ingo Dachwitz mit Chris Köver über die verhärteten Fronten in der Debatte um Luca, Daniel Laufer erzählt von seiner Recherche rund um die Aktion #allesdichtmachen und unsere Geschäftsführerin Stefanie Talaska gibt Einblicke in die Finanzen von Netzpolitik.org.

Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick: Morgen erscheint schon die nächste Podcast-Folge. Wir wünschen ein schönes Wochenende!- - - - - -

Hilf mit! Mit Deiner finanziellen Hilfe unterstützt Du unabhängigen Journalismus.- - - - - -

https://netzpolitik.org/2021/wochenrueckblick-kw19-von-gesetzlichen-beschluessen-und-sicherheitsluecken/
Messengerdienste im Vergleich
 

Wochenrückblick KW19: Von gesetzlichen Beschlüssen und Sicherheitslücken




Das aktuellste zuerst: WhatsApp ändert seine Datenschutzrichtlinie, deren Zustimmung seitens Nutzer:innen noch bis morgen, Samstag, möglich ist. Das haben wir als Anlass genommen, um ein paar Messengerdienst-Alternativen genauer unter die Lupe zu nehmen. Pia Stenner hat sich die beliebtesten Dienste WhatsApp, Telegram, Signal und Threema angeschaut und unter anderem auf ihre Datenerhebung und Sicherheit geprüft.

Um Datensicherheit auf WhatsApp ging es auch in einem Beitrag von Andre Meister. Ein internes BKA-Dokument legte offen, dass Polizei und Geheimdienste verschlüsselte Text-, Video-, Bild- und Sprachkurznachrichten von Messengerdiensten wie WhatsApp einsehen können – und dafür nicht einmal einen Staatstrojaner benötigen.

Überwachung in sozialen Netzwerken


Nachrichten in sozialen Netzwerken mitlesen soll auch ein neues, vom US-Heimatschutzministerium eingeführtes Warnsystem. Dieses soll terroristische Bedrohungen in sozialen Medien künftig frühzeitig erkennen, um Gefahren zu mindern. Vor allem Bürgerrechtsgruppen kritisieren die Maßnahme aufgrund von Massenüberwachung und fürchten Einschränkungen der Meinungsfreiheit.

Kritik gab es diese Woche auch an den von Apple gelaunchten AirTags. Diese sollen eigentlich das Lokalisieren verlorengegangener Gegenstände erleichtern. Das Produkt weist jedoch trotz implementierter Sicherheitsstandards Lücken auf – und biete daher zu wenig Schutz gegen Stalking.

Daten für die Gesundheit


Forschende möchten Patient:innen eine bessere Gesundheitsversorgung bieten, sind dafür jedoch auf sensible Daten angewiesen. Jana Ballweber hat sich gefragt, wie sich der Konflikt zwischen Datenschutz und Datennutzung lösen lässt und hat dafür mit diversen Expert:innen gesprochen.

Datenschutzprobleme gibt es ebenso in der App der Online-Apotheke „Shop Apotheke“. Wie sich herausstellte, leitet die App etliche Daten ihrer Kund:innen an Dritte weiter. Jana Ballweber berichtet, dass Facebook damit Informationen über Medikamente erhält, nach denen Nutzer:innen gesucht hatten. Damit können Werbekonzerne die Daten für ihre Zwecke nutzen.

Von richterlichen Beschlüssen und gesetzlichen Entscheidungen


Auch auf EU-Ebene gab es diese Woche ein paar Neuigkeiten. Julia Reda schrieb über die bald in Kraft tretende Urheberrechtsreform und mögliche Gefahren für Fan Fiction, Fankunst, Memes und Co. Nach zurück liegenden Protesten sollten zwar alle EU-Staaten Internetkulturphänomene wie Karikaturen legalisieren, jedoch versucht die deutsche Bundesregierung, dieses Recht einzuschränken. Reda plädiert für eine Legalisierung, „um die Meinungs- und Kunstfreiheit zu schützen“.

Außerdem hatten EU-Abgeordnete die EU-Kommission diese Woche um eine Überarbeitung der Regeln zum Datenaustausch mit Großbritannien gebeten, berichtet Tomas Rudl. Die Kommission hatte den britischen Datenschutz zuvor für angemessen erklärt. Laut diverser Abgeordneter gäbe es jedoch Datenschutzprobleme, durch die Daten europäischer Bürger:innen in Großbritannien nicht ausreichend sicher seien.

Im Streit zwischen dem Handelskonzern Amazon und der EU-Kommission hat das Gericht der Europäischen Union (EuG) gegen die Kommission entschieden. Sie hatte 2017 von Amazon eine Steuernachzahlung von 250 Millionen Euro verlangt, da der Konzern mit seinem Europa-Sitz im kleinen Luxemburg aus Sicht der Kommission von unzulässigen Steuervergünstigungen profitiert hatte. Der EuG beurteilt das anders, hat aber nicht unbedingt das letzte Wort: Im nächsten Schritt könnte die Kommission auch noch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) anrufen.

Auch in Deutschland hat es in dieser Woche wichtige Gerichtsentscheidungen gegeben. Das Oberlandesgericht Köln hat in zweiter Instanz geurteilt, dass das Transparenz-Portal FragDenStaat 2019 ein Gutachten über die Krebsrisiken von Glyphosat veröffentlichen durfte. Dagegen geklagt hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das dem Landwirtschaftsministerium von Julia Klöckner (CDU) untergeordnet ist. Möglicherweise akzeptiert das BfR dieses Urteil nicht. Es beruft sich noch immer auf das Urheberrecht – und macht daraus aus Sicht von FragDenStaat ein Zensurheberrecht.

Das Gesetz für die mobile eID soll eigentlich den Personalausweis digitalisieren. Die Regierungskoalition will mit dem Gesetz nun zusätzlich ermöglichen, dass Bundesländer zentralisierte Biometriedatenbanken aufbauen können. Die Polizei könnte darüber dann beispielsweise automatisiert Passbilder und Unterschriften abrufen. Der Vorschlag stammt aus einem Änderungsantrag der Großen Koalition. Am kommenden Donnerstag stimmt der Bundestag abschließend über das Gesetz ab.

Um rechtliche Grauzonen ging es im Interview mit dem Journalisten Daniel Moßbrucker. Mit einem Recherche-Team des Panorama-Magazins (ARD) und STRG_F (NDR/funk) hatte er mit einer Software monatelang Fotos aus Foren für Pädosexuelle untersucht. Durch Hinweise in den Metadaten konnte Moßbrucker mit seinem Team herausfinden, dass jedes vierte dieser Fotos von Minderjährigen aus sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram stammte. Vincent Först hat mit ihm darüber gesprochen, wie der Gesetzgeber die rechtlichen Recherchebedingungen für Journalist:innen in solchen Fällen verbessern könnte.

Ein bisschen Innovation und was für die Ohren


Die Bundesregierung steckt in einem Hackathon-Hype: Mit zivilgesellschaftlicher Beteiligung möchte man Innovationen finden, um gesellschaftliche Probleme zu lösen. Beispiele dafür sind Initiativen wie WirVsVirus und UpdateDeutschland. In ihrem Gastbeitrag haben der Sozialwissenschaftler Daniel Staemmler und der Politikwissenschaftler Sebastian Berg einen kritischen Blick darauf geworfen, wieviel zivilgesellschaftliche Teilhabe tatsächlich hinter den „Civic Hacking“-Projekten der Bundesregierung steckt.

Nach Innovationen und neuen Ideen wird auch immer wieder gefragt, wenn es um die Digitalisierung an Schulen geht. Dabei sind viele Ideen längst da. Doch nach einer E-Mail aus dem Kultusministerium herrscht in Baden-Württemberg Chaos um die Schul-IT: Es hakt an zersplitterten Zuständigkeiten, Streit um Datenschutz und überlasteten Lehrkräften, die die Schul-IT während des Distanzunterrichtes am Laufen halten müssen.

Am vergangenen Wochenende ist eine neue Folge unseres Werkstatt-Podcasts „Off the Record“ erschienen. Darin spricht Ingo Dachwitz mit Chris Köver über die verhärteten Fronten in der Debatte um Luca, Daniel Laufer erzählt von seiner Recherche rund um die Aktion #allesdichtmachen und unsere Geschäftsführerin Stefanie Talaska gibt Einblicke in die Finanzen von Netzpolitik.org.

Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick: Morgen erscheint schon die nächste Podcast-Folge. Wir wünschen ein schönes Wochenende!- - - - - -

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https://netzpolitik.org/2021/wochenrueckblick-kw19-von-gesetzlichen-beschluessen-und-sicherheitsluecken/
Messengerdienste im Vergleich
 
Der Tagesspiegel hat zu den Hintergründen der ironisch gemeinten Protestaktion #allesdichtmachen recherchiert. Dabei gehen sie auf Berührungspunkte der Filmbranche zu Rechten- und Querdenker-Narrativen ein. (correctiv)
 

#allesdichtmachen-Kanal wieder über YouTube-Suche zu finden


https://de.rt.com/inland/116929-allesdichtmachen-kanal-wieder-ueber-youtube-zu-finden/
Nur wenige Tage nach dem Start der Aktion #allesdichtmachen war nach Angaben der Initiatoren ihr YouTube-Konto nicht mehr über die Suchfunktion zu finden. Stattdessen waren dort zahlreiche Kritik-Beiträge gelistet. Nach einer Androhung von rechtlichen Schritten ist der Kanal wieder auffindbar.

allesdichtmachen - Playlist:


https://yewtu.be/playlist?list=PLJZme9ZBIhG9gOB4uLw5vO2v5SSxF71iw

#allesdichtmachen #Kanal #YouTube #YouTube-Konto #Kritik-Beiträge #Corona
 

#allesdichtmachen-Kanal wieder über YouTube-Suche zu finden


https://de.rt.com/inland/116929-allesdichtmachen-kanal-wieder-ueber-youtube-zu-finden/
Nur wenige Tage nach dem Start der Aktion #allesdichtmachen war nach Angaben der Initiatoren ihr YouTube-Konto nicht mehr über die Suchfunktion zu finden. Stattdessen waren dort zahlreiche Kritik-Beiträge gelistet. Nach einer Androhung von rechtlichen Schritten ist der Kanal wieder auffindbar.

allesdichtmachen - Playlist:


https://yewtu.be/playlist?list=PLJZme9ZBIhG9gOB4uLw5vO2v5SSxF71iw

#allesdichtmachen #Kanal #YouTube #YouTube-Konto #Kritik-Beiträge #Corona
 
eine neue folge der lagedernation. wieder mal sehr interessant, besonders die anfänglichen bemerkungen zur einordnung des urteils des BVG letzte woche. der rest aber auch.

#podcast #lagedernation

LdN239 BVerfG zum Klimaschutz (Interview Remo Klinger), Immunitätsausweis, Wissenschaft und Kommunikation, Nawalny (Interview Sarah Pagung), Künast vs. Facebook, Update #allesdichtmachen


Sponsoren: Naturstrom – Ökostrom und Biogas (30 Euro Startgut haben) und 500ml Leben – Der Podcast der DRK-Blutspendedienste
 
Cancel Culture. Der arme Mann.

RT @DIEZEIT@twitter.com

Der Schauspieler Jan Josef #Liefers wirkt bei der Kampagne #allesdichtmachen mit. Gesundheitsminister Jens #Spahn zeigte sich gesprächsbereit. Was haben sie sich zu sagen? Ein Streitgespräch moderiert von Giovanni di Lorenzo und @Lotteparnack@twitter.com: https://trib.al/sovQ7gH #Abo #red

🐦🔗: https://twitter.com/DIEZEIT/status/1389114777750933505
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In den vergangenen Tagen haben sich sechs Schauspieler:innen gegenüber dem Tagesspiegel zu Wort gemeldet, die entweder für ihre Mitarbeit an #allesdichtmachen angefragt wurden oder ihre Videos wieder zurückgezogen haben. Niemand möchte namentlich genannt werden, aber alle bestätigen, dass die Kampagne schon längere Zeit für Verwerfungen innerhalb der Filmbranche sorgt
 
DER SPIEGEL: Absage von Essener Klinikchef: Jan Josef Liefers nicht willkommen auf Intensivstation DER SPIEGEL: Absage von Essener Klinikchef: Jan Josef Liefers nicht willkommen auf Intensivstation.
 
DER SPIEGEL: Absage von Essener Klinikchef: Jan Josef Liefers nicht willkommen auf Intensivstation DER SPIEGEL: Absage von Essener Klinikchef: Jan Josef Liefers nicht willkommen auf Intensivstation.
 
#Liefers: "Die Medien sind gleichgeschaltet. Komme ich jetzt ins Fernsehn?"

#Illner #allesdichtmachen
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Schau dir "#allesdichtmachen: Gelaber statt Debatte | extra 3 | NDR" auf YouTube an
 
[bookmark=https://twitter.com/CorneliusRoemer/status/1387866637026697224]Toller Artikel des @Tagesspiegel zu den zweifelhaften Strippenziehern hinter #allesdichtmachen.
Bestätigt, was ich damals in dem Thread vermutete, der mir einen rechten Mob inklusive Morddrohungen auf den Hals hetzte.
Jetzt ist klar warum: ich hatte Recht.
tagesspiegel.de/kultur/wer-ste…[/bookmark]
 
Längere Recherche des Tagesspiegels zu "Wer steckt hinter #allesdichtmachen? Eine Spur führt ins Querdenker-Milieu" über Hintergründe des Geschwurbels. https://www.tagesspiegel.de/kultur/wer-steckt-hinter-allesdichtmachen-eine-spur-fuehrt-ins-querdenker-milieu/27140704.html
 

#allesdichtmachen: mit Brüggemann und Brandenburg zum 1 bis 19 e.V. und Querdenken (Updated) - Anonleaks Paul Brandenburg


#querdenker
#allesdichtmachen: mit Brüggemann und Brandenburg zum 1 bis 19 e.V. und Querdenken (Updated)
 
Die #Initiative #1bis19 um #PaulBrandenburg scheint folglich ein starkes #Netzwerk gebildet zu haben. Kontakte bestehen in die #Bundeswehr (Einsatzführungskommando Potsdam), die #Justiz & #Politik, die #Kulturszene und nicht zuletzt in den medizinischen Bereich.
#allesdichtmachen
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#AlexanderSimon aus #Berlin, Mitinitiator der Gruppe #1bis19 um #PaulBrandenburg, hat die Literarische Agentur Simon gegründet. Er hat beste Kontakte zu Kulturschaffenden. So zählen zu den #Autoren u.a. Franka Potente und Katharina Hacker.
#allesdichtmachen
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In der #NZZ wurde am 22.05.2020 berichtet, dass Oberstleutnant #UtzHennig, der Arzt #PaulBrandenburg, die Anwältin #BarbaraVonGaylingWestphal und der Literaturagent #AlexanderSimon die 4 Initiatoren der Gruppe #1bis19 waren.
#allesdichtmachen
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Die Initiative #1bis19 von #PaulBrandenburg fällt durch eine ideologische Nähe zur #Querdenken-Bewegung auf, versucht sich jedoch einen bürgerlichen und weniger radikalen Anstrich zu geben. Die Pandemie wird bagatellisiert & Grundrechte werden "zurückgefordert".
#allesdichtmachen
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Die Liste der Unterstützer von #1bis19 verdient eine Betrachtung. Dort finden sich sehr viele #Kulturschaffende aber auch Richter und Staatsanwälte sind zu finden. Wie von #PaulBrandenburg angesprochen, möchte er die bürgerliche Mitte erreichen und vernetzen.
#allesdichtmachen
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Die Verbindung zwischen #PaulBrandenburg & #DietrichBrüggemann zeigt sich auch auf der Seite der Initiative #1bis19. Zu den Unterstützern zählt Brüggemann und seine Mutter. Deweiteren findet man auch #Querdenken "Journalist" #MartinLejeune sowie #VolkerBruch.

#allesdichtmachen
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Auffällig ist dabei, dass #PaulBrandenburg & #DietrichBrueggemann die gleiche Postboxnummer verwenden. Dieser Code dient der Zuordnung der eingehenden Post, in beiden Fällen ist es die Box # 0020.
#allesdichtmachen
 
RT @maseltoev@twitter.com

Soso, der Dr Paul #Brandenburg bedankt sich überschwänglich mit anderen Ärzten bei #allesdichtmachen - zu seiner Beteiligung am Projekt kein Wort. Auch mit dabei namhafte Schwurbel-Docs wie Dr #Pürner & der #Anthro-Arzt & #Querdenken-Redner Dr #Külken.
https://m.youtube.com/channel/UCXatcyg3cbvAxQ4FRNJ3ygA https://twitter.com/antischwurbler/status/1385596806118232071

🐦🔗: https://twitter.com/maseltoev/status/1387459860065886214
 
Toller Text. Danke!

RT @Felicea@twitter.com

Eigentlich hatte ich nur ein paar Zeilen an Ulrike Folkerts (und andere Teilnehmer der aktion #allesdichtmachen, die ich an sich für ganz okay halte) schreiben wollte. Es wurde dann so viel mehr.
@publikum_net@twitter.com https://publikum.net/eine-mail-an-ulrike-folkerts/

🐦🔗: https://twitter.com/Felicea/status/1386780272818065410
 
Langer Text, aber vielleicht gerade deshalb lesenswert.

Nur eine Mail an Ulrike Folkerts – und doch so viel mehr
 
Die #allesdichtmachen Aktion dieser Schauspieler ohne Drehbuch zeigt übrigens, dass auch in dieser Gruppe vielen das Hemd näher ist als die Hose und sich mancher, wenn er glaubt, weniger zu verdienen als früher, vor jeden Karren spannen lässt.

Als Lehre lässt sich ziehen:

Öffentlichkeitswirksame Auftritte von Prominenten für eine gute Sache dürften in der Mehrzahl der Fälle öffentlichkeitswirksame Auftritte in eigener Sache sein.
 
Langer Text, aber vielleicht gerade deshalb lesenswert.

Nur eine Mail an Ulrike Folkerts – und doch so viel mehr
 
Langer Text, aber vielleicht gerade deshalb lesenswert.

Nur eine Mail an Ulrike Folkerts – und doch so viel mehr
 
Tweet von Rayk Anders (@RaykAnders) um 25. Apr., 04:01 Morddrohungen, weil ich in diesem Video #allesdichtmachen kritisiert habe (die härteste Formulierung war übrigens "Knalltüten"). An der Stelle #DankeJanJosefLiefers, das ist das Publikum, das Sie & Ihre Kollegen mit Ihrem Verschwörungs-Geraune ermutigen.
https://t.co/0u6tjqaig2

https://twitter.com/RaykAnders/status/1385895576580104193
 
#Volksverpetzer #Medien #AllesDichtMachen #Querdenken
Der Schaden ist angerichtet: Querdenken ist jetzt in der Mitte der Gesellschaft
 
In einigen Videos von #allesdichtmachen wurde das Narrativ einer angeblich "gleichgeschalteten" Presse verbreitet. Das hat mich immens geärgert, denn ich bekomme regelmäßig Drohungen von Leuten, die solche Geschichten glauben und meinen, ich sei Teil einer Verschwörung. (1/x)
 

#allesdichtmachen: Auf die Fresse




Die Aktion „#allesdichtmachen“ sollte wohl den Eindruck erwecken, dass lauter bekannte Schauspieler:innen Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus ablehnen. Doch in den zwei Tagen seit der Veröffentlichung der Clips auf YouTube ist dieses Bild ins Wanken geraten. Fast jeder dritte Beitrag wurde offenbar zurückgezogen, in den sozialen Netzwerken und Interviews gehen Teilnehmende auf Distanz, sie relativieren, sprechen von einem Missverständnis und bitten um Verzeihung.

Überraschend ist dabei vor allem, wie überrascht sich manche:r über die deutliche Kritik an der Aktion zeigt. Wieso würden 53 Schauspieler:innen praktisch mit Anlauf in einen Shitstorm springen?

Die Antwort auf diese Frage könnte mit Dietrich Brüggemann zu tun haben. Der Regisseur und Drehbuchautor ist in der deutschen Film- und Fernsehszene hoch angesehen, 2019 durfte er sogar beim Europäischen Filmpreis Regie führen. Zugleich ist er bestens vernetzt. Mit einer Reihe von Schauspieler:innen, die an „#allesdichtmachen“ mitgewirkt haben, drehte er zuvor eigene Filme, Richy Müller und Ulrich Tukur etwa spielten Hauptrollen in seinen „Tatort“-Produktionen.

Brüggemanns Anteil an der Aktion ist undurchsichtig, aber in der Geschichte über den Shitstorm ist der Filmemacher womöglich eine Schlüsselfigur. Auffällig ist: Wo andere zurückrudern, teilt der 45-Jährige jetzt erst so richtig aus. Am Freitagnachmittag beklagt er gegenüber netzpolitik.org am Telefon ein „alleiniges Regime des Coronavirus“, aus seiner pauschalen Ablehnung der Schutzmaßnahmen macht er keinen Hehl. Mehrere Beteiligte sehen ihn im Zentrum der Kampagne, er selbst hingegen spielt seine Rolle herunter.

„Diese Aktion besteht aus 50 Einzelstimmen und ich bin eine dieser Einzelstimmen.“ Er sei nicht derjenige, der sich das alles ausgedacht habe, auch nicht der Urheber oder der Rädelsführer. Als wir ihn fragen, wer die Fäden zusammengeführt habe, spricht er bloß von einer „starken Gruppe“. Ob das heiße, dass die rund 50 Beteiligten über Entscheidungen abgestimmt hätten? „Ungefähr so, müssen Sie sich das vorstellen, strengen Sie Ihre Fantasie an!“

Unterschiedliche Vorzeichen


Aussagen von Beteiligten wecken Zweifel daran. Die Clips mögen allesamt unter der Überschrift „#allesdichtmachen“ erschienen sein, doch die Vorzeichen, unter denen Einzelne an der Aktion mitgewirkt haben, unterschieden sich zum Teil offenbar deutlich.

So meldete sich am Morgen nach der Veröffentlichung der Wiener Schauspieler Manuel Rubey zu Wort. Eine nicht näher benannte Person, die er sehr schätze, habe ihn gefragt, ob er einen Beitrag über die Bedeutung der Kunst machen wolle – die übrigen Videos von „#allesdichtmachen“ habe er gar nicht gekannt, sagt er in einem Video, das er auf Twitter veröffentlicht hat.

„Tatort“-Kommissar Richy Müller berichtete dem Fernsehsender ntv hingegen, er sei gefragt worden, ob er bei einer Aktion für jene Menschen mitwirken wolle, die „beim Lockdown durchs Raster fallen, die man nicht wahrnimmt“.

Der Schauspieler Kida Khodr Ramadan („4 Blocks“) war an „#allesdichtmachen“ nicht beteiligt, nach eigenen Angaben aber angefragt worden, erzählt er in einem Video auf Instagram. Er habe dabei jedoch kein gutes Gefühl gehabt, weil ihn die Erfinder der Aktion nie richtig aufgeklärt hätten. Ramadan zufolge hätten sie verschwiegen, „um was es geht und was es soll“.

Autor, Regisseur, Cutter


Es ist nicht bekannt, wer genau Ramadan kontaktiert haben soll. Richy Müller sagte ntv, er sei von Brüggemann angesprochen worden, mit dem er sehr gern und sehr vertraut zusammenarbeite. „Ich dachte eigentlich, dass er der Kopf der Aktion ist, deshalb habe ich das nicht weiter hinterfragt.“

Der Filmproduzent Bernd Katzmarczyk Wunder, der von München aus arbeitet, erzählte dem NDR-Magazin ZAPP, Brüggemann sei einer von drei Initiatoren gewesen, gemeinsam mit den Schauspielern Jan Josef Liefers und Volker Bruch. Wunder müsste wissen, wovon er spricht – mit seiner Firma steht er im Impressum der offiziellen Website. ZAPP zitiert ihn auch mit der Aussage, er selbst und Brüggemann hätten die Videos in Berlin, München und Wien gedreht und schließlich geschnitten.

Das RedaktionsNetzwerk Deutschland schreibt, der Regisseur habe die meisten der Clips gedreht. Rund zwei Dutzend der Videos, in denen vorwiegend in Berlin lebende Schauspieler:innen auftreten, wurden nachvollziehbar im selben Raum gedreht.

Der Wahlberliner Brüggemann räumt grundsätzlich ein, Schauspieler:innen ermuntert zu haben, bei „#allesdichtmachen“ mitzumachen, auch gibt er zu, mehr als nur sein eigenes Video gedreht zu haben – auch wenn nicht sämtliche in Berlin entstandene Videos von ihm gedreht worden seien, etwa weil manche sich selbst mit dem Handy aufgenommen hätten.

Auch die Texte, welche die Schauspieler:innen vortragen, stammen teilweise aus seiner Feder. „Irgendwelche Leute haben Textfetzen in die Runde geworfen, dann haben andere Leute was dazu geschrieben“, sagt Brüggemann. Er habe nicht Buch geführt, welchen Text er geschrieben habe und welchen nicht, betont aber: „Ich als Autor und Regisseur bin natürlich in der Lage, etwas dazu beizutragen.“

Auch inhaltlich, könnte man sagen, ist Brüggemann durchaus erfahren darin, die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus zu kritisieren. „#allesdichtmachen“ ist nur eine Form, die seine Pauschalkritik in den vergangenen Monaten angenommen hat. Er hat noch weitaus mehr geschrieben als Texte für Videos, die nun einen Shitstorm ausgelöst haben.

„Steckt euch eure Hygienemaßnahmen in den Arsch“


Auf dem Soundcloud-Profil mit dem Namen „Noisy Nancy“ fand sich ein Song, der mit den folgenden Zeilen beginnt: „Steckt euch euren Polizeistaat in den Arsch, steckt euch eure Maskenpflicht in den Arsch, steckt eure Abstandsregeln in den Arsch, steckt euch eure Hygienemaßnahmen in den Arsch.“

„Noisy Nancy“ ist ein kaum bekanntes Projekt, hinter dem niemand sonst steckt als Dietrich Brüggemann. Bei der Musik handelt es sich offenbar um ein auf „Querdenken“-Demos beliebtes Lied, das er neu aufgelegt hat. Seit seine Autorenschaft bekannt wurde, hat jemand den Track von der Musikplattform Soundcloud entfernt.

Auf seinem Blog, wo Brüggemann vor allem oberflächliche Gesellschaftskritik veröffentlicht, stehen noch immer Texte, in denen er pauschal die Schutzmaßnahmen in Frage stellt. Schon im März 2020, als die Pandemie mit inzwischen mehr als drei Millionen Toten erst ganz am Anfang stand, beklagte er demnach „gelegentlich totalitäre Züge“.

Im vergangenen Monat erschien auf dem Blog ein wohl satirisch gemeinter Ausblick auf eine mögliche Zukunft. Darin beschreibt er eine fiktive Chronologie mit einem noch lange andauernden Lockdown und neuen Gesetzen, wie man sie höchstens aus autoritären Staaten kennt.

Im Gespräch mit netzpolitik.org sagt der Filmemacher, er würde niemals leugnen, dass das Coronavirus etwas sei, das weit über eine saisonale Atemwegserkrankung hinausgehe. Aber er sagt auch Dinge wie: „Ich möchte mal eine klare Untersuchung sehen, ob die Maskenpflicht überhaupt etwas bringt oder nicht.“ Dabei gibt es solche Untersuchungen längst, Forscher:innen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz etwa kamen in einer Studie zu dem Schluss, dass ein Mund-Nasen-Schutz das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus um fast die Hälfte senkt.

Der Regisseur gibt an, er lese eigentlich lieber die Süddeutsche Zeitung, müsse sich Nachrichten zu „alternativen Ansätzen ohne Lockdown“ nun aber „irgendwie in alternativen Medien zusammensuchen“.

Ganz allgemein könnte man wohl sagen: Mancher, der sich sogenannten Alternativmedien zuwendet, tut dies auch, um sich die Wahrheit auszusuchen, an die er glauben möchte.

Dass es Auswirkungen auf eine Aktion wie „#allesdichtmachen“ hat, wenn jemand die Maßnahmen pauschal ablehnt, wie Brüggemann das tut, und dann auch noch an den Texten mitwirkt und viele der Videos inszeniert, scheint vorstellbar. Mit dem, was dabei am Ende herausgekommen ist, sind nicht mehr alle Beteiligten zufrieden.

Brüggemann erwartete einen Shitstorm – andere wohl nicht


Auf der Website von „#allesdichtmachen“ ist an diesem Samstag ein langer Text erschienen. „Dies ist kein offizielles Statement von sämtlichen Teilnehmer:innen der Aktion“, steht darunter. Diffus bleibt damit, wessen Sichtweise es tatsächlich entsprechen soll. Die Verfasser:innen schreiben aber: „Einige aus der Gruppe sind erschrocken über den Shitstorm.“

Die Meinungen darüber, inwiefern „#allesdichtmachen“ sein Ziel erreicht hat, gehen auseinander. Für die zahlreichen Schauspieler:innen, die ihre Beiträge zurückgezogen haben – darunter dem Anschein nach auch Manuel Rubey und Richy Müller – dürfte die Einschätzung eher negativ ausfallen. Heike Makatsch, die als Erste einen Rückzieher gemacht hat, versah ihre Bitte um Entschuldigung auf Instagram zunächst mit dem Hashtag „#womöglichgescheitert“.

Dietrich Brüggemann, der maßgeblich zu der Kampagne beigetragen hat, wertet die „überschäumenden Reaktionen“ indes als Erfolg. Die Aktion habe eine Wirkung erzielt, etwas ausgelöst, sagt er. Den Shitstorm, räumt er ein, habe er erwartet. Damit scheint er sich von einigen Schauspieler:innen zu unterscheiden, die bloß ihren Text eingesprochen haben wollen und nun in den sozialen Medien und in Interviews Schadensbegrenzung betreiben.

Brüggemann dagegen teilt gegen Kritiker:innen weiter aus. Er schimpft, die Leute verlören jedes Maß, im Prinzip sei es ein Lynchmob, der sich da zusammenrotte, und Leute privat und beruflich fertigmachen wolle. „Das ist in der Struktur faschistoid.“ Auf Twitter teilte er die Behauptung, „#allesdichtmachen“ sei viel weniger Kritik an den Maßnahmen und der Regierung, als an denen, die laut und entrüstet bellten.

Es gibt einen alten Artikel über Brüggemann, ausgerechnet in der Süddeutschen Zeitung, der er heute Alternativmedien vorzieht. Der Text handelt von seiner Band mit dem Namen „Theodor Shitstorm“, was wohl eher Zufall ist. Aber der Regisseur verrät auch eines seiner „Lieblingsthemen“, das rückblickend viel mit dem zu tun haben könnte, wozu sich nun „#allesdichtmachen“ entwickelt hat: „Auf die Fresse.“- - - - - -

Korrekturhinweis: Wir hatten zunächst geschrieben, der „Noisy Nancy“-Song sei auf einer „Querdenken“-Demo gespielt worden. Offenbar handelte es sich dabei um eine andere Fassung des Liedes, die nicht von Brüggemann stammt. Wir haben das korrigiert.- - - - - -

Hilf mit! Mit Deiner finanziellen Hilfe unterstützt Du unabhängigen Journalismus.- - - - - -

https://netzpolitik.org/2021/allesdichtmachen-auf-die-fresse/
 

#allesdichtmachen: Auf die Fresse




Die Aktion „#allesdichtmachen“ sollte wohl den Eindruck erwecken, dass lauter bekannte Schauspieler:innen Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus ablehnen. Doch in den zwei Tagen seit der Veröffentlichung der Clips auf YouTube ist dieses Bild ins Wanken geraten. Fast jeder dritte Beitrag wurde offenbar zurückgezogen, in den sozialen Netzwerken und Interviews gehen Teilnehmende auf Distanz, sie relativieren, sprechen von einem Missverständnis und bitten um Verzeihung.

Überraschend ist dabei vor allem, wie überrascht sich manche:r über die deutliche Kritik an der Aktion zeigt. Wieso würden 53 Schauspieler:innen praktisch mit Anlauf in einen Shitstorm springen?

Die Antwort auf diese Frage könnte mit Dietrich Brüggemann zu tun haben. Der Regisseur und Drehbuchautor ist in der deutschen Film- und Fernsehszene hoch angesehen, 2019 durfte er sogar beim Europäischen Filmpreis Regie führen. Zugleich ist er bestens vernetzt. Mit einer Reihe von Schauspieler:innen, die an „#allesdichtmachen“ mitgewirkt haben, drehte er zuvor eigene Filme, Richy Müller und Ulrich Tukur etwa spielten Hauptrollen in seinen „Tatort“-Produktionen.

Brüggemanns Anteil an der Aktion ist undurchsichtig, aber in der Geschichte über den Shitstorm ist der Filmemacher womöglich eine Schlüsselfigur. Auffällig ist: Wo andere zurückrudern, teilt der 45-Jährige jetzt erst so richtig aus. Am Freitagnachmittag beklagt er gegenüber netzpolitik.org am Telefon ein „alleiniges Regime des Coronavirus“, aus seiner pauschalen Ablehnung der Schutzmaßnahmen macht er keinen Hehl. Mehrere Beteiligte sehen ihn im Zentrum der Kampagne, er selbst hingegen spielt seine Rolle herunter.

„Diese Aktion besteht aus 50 Einzelstimmen und ich bin eine dieser Einzelstimmen.“ Er sei nicht derjenige, der sich das alles ausgedacht habe, auch nicht der Urheber oder der Rädelsführer. Als wir ihn fragen, wer die Fäden zusammengeführt habe, spricht er bloß von einer „starken Gruppe“. Ob das heiße, dass die rund 50 Beteiligten über Entscheidungen abgestimmt hätten? „Ungefähr so, müssen Sie sich das vorstellen, strengen Sie Ihre Fantasie an!“

Unterschiedliche Vorzeichen


Aussagen von Beteiligten wecken Zweifel daran. Die Clips mögen allesamt unter der Überschrift „#allesdichtmachen“ erschienen sein, doch die Vorzeichen, unter denen Einzelne an der Aktion mitgewirkt haben, unterschieden sich zum Teil offenbar deutlich.

So meldete sich am Morgen nach der Veröffentlichung der Wiener Schauspieler Manuel Rubey zu Wort. Eine nicht näher benannte Person, die er sehr schätze, habe ihn gefragt, ob er einen Beitrag über die Bedeutung der Kunst machen wolle – die übrigen Videos von „#allesdichtmachen“ habe er gar nicht gekannt, sagt er in einem Video, das er auf Twitter veröffentlicht hat.

„Tatort“-Kommissar Richy Müller berichtete dem Fernsehsender ntv hingegen, er sei gefragt worden, ob er bei einer Aktion für jene Menschen mitwirken wolle, die „beim Lockdown durchs Raster fallen, die man nicht wahrnimmt“.

Der Schauspieler Kida Khodr Ramadan („4 Blocks“) war an „#allesdichtmachen“ nicht beteiligt, nach eigenen Angaben aber angefragt worden, erzählt er in einem Video auf Instagram. Er habe dabei jedoch kein gutes Gefühl gehabt, weil ihn die Erfinder der Aktion nie richtig aufgeklärt hätten. Ramadan zufolge hätten sie verschwiegen, „um was es geht und was es soll“.

Autor, Regisseur, Cutter


Es ist nicht bekannt, wer genau Ramadan kontaktiert haben soll. Richy Müller sagte ntv, er sei von Brüggemann angesprochen worden, mit dem er sehr gern und sehr vertraut zusammenarbeite. „Ich dachte eigentlich, dass er der Kopf der Aktion ist, deshalb habe ich das nicht weiter hinterfragt.“

Der Filmproduzent Bernd Katzmarczyk Wunder, der von München aus arbeitet, erzählte dem NDR-Magazin ZAPP, Brüggemann sei einer von drei Initiatoren gewesen, gemeinsam mit den Schauspielern Jan Josef Liefers und Volker Bruch. Wunder müsste wissen, wovon er spricht – mit seiner Firma steht er im Impressum der offiziellen Website. ZAPP zitiert ihn auch mit der Aussage, er selbst und Brüggemann hätten die Videos in Berlin, München und Wien gedreht und schließlich geschnitten.

Das RedaktionsNetzwerk Deutschland schreibt, der Regisseur habe die meisten der Clips gedreht. Rund zwei Dutzend der Videos, in denen vorwiegend in Berlin lebende Schauspieler:innen auftreten, wurden nachvollziehbar im selben Raum gedreht.

Der Wahlberliner Brüggemann räumt grundsätzlich ein, Schauspieler:innen ermuntert zu haben, bei „#allesdichtmachen“ mitzumachen, auch gibt er zu, mehr als nur sein eigenes Video gedreht zu haben – auch wenn nicht sämtliche in Berlin entstandene Videos von ihm gedreht worden seien, etwa weil manche sich selbst mit dem Handy aufgenommen hätten.

Auch die Texte, welche die Schauspieler:innen vortragen, stammen teilweise aus seiner Feder. „Irgendwelche Leute haben Textfetzen in die Runde geworfen, dann haben andere Leute was dazu geschrieben“, sagt Brüggemann. Er habe nicht Buch geführt, welchen Text er geschrieben habe und welchen nicht, betont aber: „Ich als Autor und Regisseur bin natürlich in der Lage, etwas dazu beizutragen.“

Auch inhaltlich, könnte man sagen, ist Brüggemann durchaus erfahren darin, die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus zu kritisieren. „#allesdichtmachen“ ist nur eine Form, die seine Pauschalkritik in den vergangenen Monaten angenommen hat. Er hat noch weitaus mehr geschrieben als Texte für Videos, die nun einen Shitstorm ausgelöst haben.

„Steckt euch eure Hygienemaßnahmen in den Arsch“


Auf dem Soundcloud-Profil mit dem Namen „Noisy Nancy“ fand sich ein Song, der mit den folgenden Zeilen beginnt: „Steckt euch euren Polizeistaat in den Arsch, steckt euch eure Maskenpflicht in den Arsch, steckt eure Abstandsregeln in den Arsch, steckt euch eure Hygienemaßnahmen in den Arsch.“

„Noisy Nancy“ ist ein kaum bekanntes Projekt, hinter dem niemand sonst steckt als Dietrich Brüggemann. Bei der Musik handelt es sich offenbar um ein auf „Querdenken“-Demos beliebtes Lied, das er neu aufgelegt hat. Seit seine Autorenschaft bekannt wurde, hat jemand den Track von der Musikplattform Soundcloud entfernt.

Auf seinem Blog, wo Brüggemann vor allem oberflächliche Gesellschaftskritik veröffentlicht, stehen noch immer Texte, in denen er pauschal die Schutzmaßnahmen in Frage stellt. Schon im März 2020, als die Pandemie mit inzwischen mehr als drei Millionen Toten erst ganz am Anfang stand, beklagte er demnach „gelegentlich totalitäre Züge“.

Im vergangenen Monat erschien auf dem Blog ein wohl satirisch gemeinter Ausblick auf eine mögliche Zukunft. Darin beschreibt er eine fiktive Chronologie mit einem noch lange andauernden Lockdown und neuen Gesetzen, wie man sie höchstens aus autoritären Staaten kennt.

Im Gespräch mit netzpolitik.org sagt der Filmemacher, er würde niemals leugnen, dass das Coronavirus etwas sei, das weit über eine saisonale Atemwegserkrankung hinausgehe. Aber er sagt auch Dinge wie: „Ich möchte mal eine klare Untersuchung sehen, ob die Maskenpflicht überhaupt etwas bringt oder nicht.“ Dabei gibt es solche Untersuchungen längst, Forscher:innen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz etwa kamen in einer Studie zu dem Schluss, dass ein Mund-Nasen-Schutz das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus um fast die Hälfte senkt.

Der Regisseur gibt an, er lese eigentlich lieber die Süddeutsche Zeitung, müsse sich Nachrichten zu „alternativen Ansätzen ohne Lockdown“ nun aber „irgendwie in alternativen Medien zusammensuchen“.

Ganz allgemein könnte man wohl sagen: Mancher, der sich sogenannten Alternativmedien zuwendet, tut dies auch, um sich die Wahrheit auszusuchen, an die er glauben möchte.

Dass es Auswirkungen auf eine Aktion wie „#allesdichtmachen“ hat, wenn jemand die Maßnahmen pauschal ablehnt, wie Brüggemann das tut, und dann auch noch an den Texten mitwirkt und viele der Videos inszeniert, scheint vorstellbar. Mit dem, was dabei am Ende herausgekommen ist, sind nicht mehr alle Beteiligten zufrieden.

Brüggemann erwartete einen Shitstorm – andere wohl nicht


Auf der Website von „#allesdichtmachen“ ist an diesem Samstag ein langer Text erschienen. „Dies ist kein offizielles Statement von sämtlichen Teilnehmer:innen der Aktion“, steht darunter. Diffus bleibt damit, wessen Sichtweise es tatsächlich entsprechen soll. Die Verfasser:innen schreiben aber: „Einige aus der Gruppe sind erschrocken über den Shitstorm.“

Die Meinungen darüber, inwiefern „#allesdichtmachen“ sein Ziel erreicht hat, gehen auseinander. Für die zahlreichen Schauspieler:innen, die ihre Beiträge zurückgezogen haben – darunter dem Anschein nach auch Manuel Rubey und Richy Müller – dürfte die Einschätzung eher negativ ausfallen. Heike Makatsch, die als Erste einen Rückzieher gemacht hat, versah ihre Bitte um Entschuldigung auf Instagram zunächst mit dem Hashtag „#womöglichgescheitert“.

Dietrich Brüggemann, der maßgeblich zu der Kampagne beigetragen hat, wertet die „überschäumenden Reaktionen“ indes als Erfolg. Die Aktion habe eine Wirkung erzielt, etwas ausgelöst, sagt er. Den Shitstorm, räumt er ein, habe er erwartet. Damit scheint er sich von einigen Schauspieler:innen zu unterscheiden, die bloß ihren Text eingesprochen haben wollen und nun in den sozialen Medien und in Interviews Schadensbegrenzung betreiben.

Brüggemann dagegen teilt gegen Kritiker:innen weiter aus. Er schimpft, die Leute verlören jedes Maß, im Prinzip sei es ein Lynchmob, der sich da zusammenrotte, und Leute privat und beruflich fertigmachen wolle. „Das ist in der Struktur faschistoid.“ Auf Twitter teilte er die Behauptung, „#allesdichtmachen“ sei viel weniger Kritik an den Maßnahmen und der Regierung, als an denen, die laut und entrüstet bellten.

Es gibt einen alten Artikel über Brüggemann, ausgerechnet in der Süddeutschen Zeitung, der er heute Alternativmedien vorzieht. Der Text handelt von seiner Band mit dem Namen „Theodor Shitstorm“, was wohl eher Zufall ist. Aber der Regisseur verrät auch eines seiner „Lieblingsthemen“, das rückblickend viel mit dem zu tun haben könnte, wozu sich nun „#allesdichtmachen“ entwickelt hat: „Auf die Fresse.“- - - - - -

Korrekturhinweis: Wir hatten zunächst geschrieben, der „Noisy Nancy“-Song sei auf einer „Querdenken“-Demo gespielt worden. Offenbar handelte es sich dabei um eine andere Fassung des Liedes, die nicht von Brüggemann stammt. Wir haben das korrigiert.- - - - - -

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https://netzpolitik.org/2021/allesdichtmachen-auf-die-fresse/
 
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Eine Krankenschwester "bedankt" sich bei einem Initiator von #allesdichtmachen und offenbar ist sie nicht nur on fire, sondern kann das mit der zynischen Satire auch weitaus besser

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Könnten den Beitrag nicht mal ein paar Schauspieler*innen rezitieren, anstatt so vor sich hin zu schwurbeln?
#allemalneschichtmachen

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Eine Krankenschwester "bedankt" sich bei einem Initiator von #allesdichtmachen und offenbar ist sie nicht nur on fire, sondern kann das mit der zynischen Satire auch weitaus besser
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Gelungene Widerrede. #allemalneschichtmachen
[bookmark=https://twitter.com/sascha_p/status/1386229705351712768]Lieber @JanJosefLiefers Klartext zu reden hilft. Da bin ich bei dir.
Ab & zu hilft es auch alles mal ein wenig sacken zu lassen. Das habe ich nun nach deinen WDR & #3nach9 Auftritten getan, mit diesem Ergebnis:

#DankeJanJosefLiefers #allesdichtmachen #allemalneschichtmachen

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Lieber @JanJosefLiefers Klartext zu reden hilft. Da bin ich bei dir.
Ab & zu hilft es auch alles mal ein wenig sacken zu lassen. Das habe ich nun nach deinen WDR & #3nach9 Auftritten getan, mit diesem Ergebnis:

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