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Was man sich merken muß


Das Konstantin Wecker-Buch, rororo, 1983

»Hinterausgänge, am besten überwachsene, uneinsichtige,
solche, die man direkt vom Keller aus erreichen kann
(wobei hier der romantische Aspekt weniger zu berücksichtigen ist
als der zweckmäßige der schnellen Flucht).

Gute Freunde, unkontrollierte und noch nicht registrierte,
die im Parterre wohnen und eines ihrer Fenster immer angelehnt lassen.
Ferner: daß dieses Knacksen in der Telefonleitung
immer seltener auf eine normale Störung zurückzuführen ist.

Daß bestimmte Gespräche mit guten Bekannten in Kneipen
am besten leise oder besser nicht in Kneipen
oder höchstens in bestimmten Kneipen geführt werden sollten.

Flußläufe und Parks sind weniger zu beachten,
dagegen wäre es gut einen exakten Plan der städtischen
Kanalisation mit sich zu führen.

Auch sollte man sich merken,
daß heftiges Pochen an der Tür meistens nicht den Besuch
gutgelaunter
Freunde verkündet,
doch was man sich vor allem merken muß:
Irgendwann hat es keinen Sinn mehr,
sich zu verstecken.

Dann:
Kein Ticket nach Übersee,
sondern hierbleiben.
Brüllen.
Widerstehn.«

#KonstantinWecker #Lyrik #Überwachung #wichtig #Widerstand
#adeventskalender #adventskalender2016 #HarrysRegal
 
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Konstantin Wecker - Drunt' in der Au


Album: Ganz schön Wecker, 1988
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Heit laß i´s kracha,
heit oda nia, heit laß i d´Sau raus,
frag mi net wia.
I hab an Gusto
nach Schwefeldampf,
mi foit die Lust o,
das ist mein Kampf.

Der oide Birnbaum in seinem Blau
regt mich schon lang auf, drunt in der Au.

Drunt in der greana Au brennt a Birnbaum, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Birnbaum, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Birnbaum, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Birnbaum,
brennt a Birnbaum, brennt a Birnbaum, schee blau.

Schee, wenns so lodert
und d´Funken fliagn,
bevors vermodert
weards Zunder kriagn.

Wir brauchen Pisten!
Wer braucht Natur?
Idealisten,
laßts mir mei Rua.

Die oidn Wälder halten nichts aus,
was oid und krank ist, rotten wir aus!

Drunt in der greana Au brennt a Bergwald, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Bergwald, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Bergwald, schee blau,
drunt in der greana Au brennt a Bergwald,
brennt a Bergwald, brennt a Bergwald, schee blau.

Während ich kure (kure)
am Brennerpaß (am Brennerpaß),
löst sich die Mure (die Mure).
Ist das ein Spaß! (Ist das ein Spaß!)

Ich schau ihr nach (er schaut ihr nach),
und was ich seh (und was er sieht),
erfreut mein Herz (erfreut sein Herz):
ein AKW! (ein AKW?)

Doch leider, ach, mir kommt fast vor,
´s gibt nix zum Zündeln, des brennt alloa.

Draußt in dem Himmelsblau ...
du, die Erde, ja schau!
Draußt in dem Himmelsblau ...
du, die Erde, ganz blau!
Draußt in dem Himmelsblau ...
brennt die Erde, genau!
Draußt in dem Himmelsblau ...
brennt die Welt - SUPERGAU!
Draußt in dem Himmelsblau ...
brennt die Erde, genau!
Draußt in dem Himmelsblau ...

#KonstantinWecker #liedermacher #singersongwriter #music #musik
 

Georg Heym - Der Krieg (1911)


Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

In den Abendlärm der Städte fällt es weit,
Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit,
Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.
Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.

In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht.
Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
In der Ferne ein Geläute dünn
Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.

Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an
Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an.
Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.

Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.

Über runder Mauern blauem Flammenschwall
Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall.
Über Toren, wo die Wächter liegen quer,
Über Brücken, die von Bergen Toter schwer.

In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein
Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.

Und mit tausend roten Zipfelmützen weit
Sind die finstren Ebnen flackend überstreut,
Und was unten auf den Straßen wimmelt hin und her,
Fegt er in die Feuerhaufen, daß die Flamme brenne mehr.

Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,
Gelbe Fledermäuse zackig in das Laub gekrallt.
Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht
In die Bäume, daß das Feuer brause recht.

Eine große Stadt versank in gelbem Rauch,
Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
Aber riesig über glühnden Trümmern steht
Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht,

Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
In des toten Dunkels kalten Wüstenein,
Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.


#GeorgHeym #KonstantinWecker #peace #love #NoWar #NoHate
 
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Konstantin Wecker - Reisezeit


Album: Weckerleuchten, 1976


Reisezeit - ob Süden oder Osten,
wohin ist ganz egal, es soll nur wenig kosten.
Komm, mein Kind, heuer sind wir cool
und fahrn nach Istanbul.

Autobahnen locken - mit Blut, Schweiß und Tränen.
Hier muß man nicht mehr Mensch sein, hier denkt man mit den Zähnen.
Und ohne Aufpreis kann man ganz bequem
ein paar Leichen sehn.

Ave, Caesar, morituri te salutant.
Ave, Caesar, morituri te salutant.

Wir werden schon bald nach Freiheit stinken,
Autofahren adelt, nette Nachbarn winken.
Tag, Herr Kollege, wie geht´s Kindern und Fraun?
Die sind im Kofferraum.

Kurz nach der Einfahrt stehen schon Tribünen,
Beifall für die Toten, Verblutenden und Kühnen.
Manchmal macht einer beim Sterben Verdruß -
der kriegt den Gnadenschuß.

Ave, Caesar, morituri te salutant.
Ave, Caesar, morituri te salutant.

Wer wird´s überstehn? Die Geier warten.
Die Straßenbauminister werden fett und spielen Karten.
Ja, so ein Kreuzzug ist nötig dann und wann,
kurbelt die Wirtschaft an.

Reisezeit - wie wär´s mal mit dem Osten?
Wer in Deutschland rastet, wird sicherlich verrosten.
Komm, mein Kind, wenn andre auch krepiern -
uns wird schon nichts passiern.

#KonstantinWecker #Liedermacher #Verkehr #Autobahn #Gaffer #reisen
#gimp #gmic #photo #Foto #art #Bildbearbeitung #photomanipulation #mywork
 
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Freiheit hoaßt koa Angst habn, vor neamands

Konstantin Wecker - Willy 2015


Album: Ohne Warum 2015
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»Mei Willy, jetzt is wieder ganz schön was los hier bei uns und ich muss dich unbedingt noch einmal stören, nachdem ich mich über zehn Jahre nicht mehr zu Wort gemeldet hab.

Vielleicht bin ich ja zu hellhörig und ich hör die Flöhe husten, aber ich hab Angst, dass wir - hundert Jahre nach dem ersten Weltkrieg - wieder kurz vor einem neuen großen Krieg stehen.

Woasst es no, 68 war des, wo wir miteinander gegen den Krieg demonstriert haben, mei wia lang is des her. Fast a halbs Jahrhundert!

Damals san bloß de Amis in Vietnam g'standen, heit stehn wir Deutschen fast überall auf der Welt mit unsere Soldaten. I hätt's ja nicht geglaubt, dass´ wieder so weit kommt mit Deutschland.

Aber die Zeichen stehen auf Aufrüsten, und da hat wohl eine gewaltige Lobby ein gewaltiges finanzielles Interesse dran.

Kaputt machen, wieder aufbauen, neue Märkte, neue Waffen, neue Särge, neues Geld - das ist nun mal der Hauptantrieb unseres völlig kranken Wirtschaftssystems.

Die Medien manipulieren wie schon lange nicht mehr und was gut ist und böse, richtig und falsch wird uns wie eine bittere Medizin tagtäglich eingeflößt.

Und unsere Regierung? Die GroKo? Die schert sich wie gewohnt einen Dreck um das, was wir wollen.

Wenn die alle Leut´ fragen würden ob sie einen Krieg wollen, was glaubst du würden die Leut´ sagen?

Aber sie fragen nicht, sondern erklären uns, dass diesmal Deutschland statt am Hindukusch auf der Krim verteidigt wird.

Und sie wissen genau: Wiederholungen sind mächtiger als die Wahrheit, weil Menschen nun mal falscher Kriegspropaganda mehr Glauben schenken, je öfter sie die hören.

Mei Willy, manches bleibt erschreckend aktuell, woaßt as no, 1992 hab i gsungen:

Gestern habns an Willy daschlagn,
und heit und heit und heit und heit fangt des ois wieder an.

Und die Friedensbewegung?

Statt dass sich Hunderttausende gegen den drohenden Wahnsinn erheben, laufen sie in Scharen irgendwelchen völkischrassistischen Schwachköpfen und Möchtegernadolfs hinterher und kämpfen gegen die Islamisierung des Abendlandes.

Vor allem in Dresden, dieser schönen Stadt Erich Kästners, einer Stadt mit gerade mal 2,2 Prozent Ausländeranteil - diese Pegidisten sollten eher Angst haben vor einer Idiotisierung des Abendlandes.

Es wäre ja gut, wenn so viele auf die Straße gehen und sich empören, das gehört zum Wesen der Demokratie - aber bei Pegida machen es sich die Menschen zu einfach. Sie sind nicht bereit oder einfach nicht fähig, den wahren Gründen auf die Schliche zu kommen. Stattdessen sucht man sich die Ärmsten der Armen, um einen Schuldigen zu finden: die Flüchtlinge. Und dann wird da noch unterschieden zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen. Als ob die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge nicht deswegen vor Hunger und Not fliehen, weil auch wir sie mit unserem Wirtschaftssystem und unserem Wohlstand in die Armut getrieben haben.

Aufklärung ist das Gebot der Stunde!

Den wahren Ursachen müssten sie auf den Grund gehen. Schon seit langem frage ich mich, weshalb es nicht jedem klar denkenden Menschen offensichtlich ist, dass jemand, der sich bereichert, weil er aus Geld mehr Geld macht, schlicht zu den Strauchdieben unserer Gesellschaft zählt, weshalb es auch eine Riesensauerei ist, die Armen, die Flüchtlinge, die Arbeitslosen und wen auch sonst noch mit derartigen Vorwürfen zu überziehen, gipfelnd in Entmenschlichungsvokabeln wie Schmarotzer oder Parasiten.
Nennen wir sie daher ruhig beim Namen, diese wirklichen Wegelagerer: es sind die Finanzspekulanten, die das Geld als Waffe benutzen, um anderen, den arbeitenden Menschen, das eigentlich wohlverdiente Geld zu klauen.

Gestern habns an Willy daschlagn,
und heit und heit und heit und heit fangt des ois wieder an.

Gestern habns an Willy daschlagn,
und heit und heit und heit und heit fangt des ois wieder an.

Du woaßt as Willy, i war immer Pazifist und da hat mas nicht leicht in diesen Zeiten.

PazifistInnen wurden und werden gerne verlacht, verspottet, beschimpft und beleidigt.

Man wirft uns Naivität vor. Na und? Lieber naiv als korrupt. Lieber seh ich die Welt mit Kinderaugen als mit den verblendeten Augen der Macht und der Gier. Wir sind angeblich feige, wir sollen Weicheier sein. Fragt sich, wie tapfer und harteiig es ist, andere für das eigene Wohlbefinden auf das Schlachtfeld zu schicken.

Sollen doch all die harten Männer spotten und schimpfen. Mein sanfter Vater hatte unter der Schreckensherrschaft Hitlers den Kriegsdienst verweigert. Und ich bin es seinem Andenken schuldig, nicht aufzugeben.

Ich möchte nicht, dass die Stimme des Pazifismus verlorengeht in einer Zeit des erneuten Säbelrasselns. Ich verstehe mich auch nicht einfach nur als „friedensbewegt“ – nein, ich bin radikaler: Ich bin Pazifist und Romantiker, Träumer und Barde und ich glaube weiter an die Kraft der gewaltfreien Veränderung. Ungehorsam ist gefragt, Willy, Ungehorsam! Wir sollten Schulen des Ungehorsams gründen, um ein Gegengewicht zu schaffen gegen die Gehorsamsschulen des Militärs. Und zuallererst müssen wir PazifistInnen uns gegen die Nebelkerzen wehren, mit denen wir täglich beschossen werden.

Aber wenn sich der Nebel endlich gelichtet hat, sind wir dann auch bereit, aufzustehen? Was wäre, wenn der Friede kein Wunder bräuchte, sondern eine Revolution?

Ja - eine Revolution, Willy. Denn bei Heckler & Koch und Co knallen angesichts der weltweiten Kriege doch schon die Champagnerkorken an die Lüster.

Wir bräuchten wieder einen wie dich Willy.

Einen wie dich, einen der sein Maul aufmacht und schreit: „Halts Mei Faschist. Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.“

Aber i woaß, einige machen weida Willy, und die werden auch mehrer werdn, so wie du gesagt hast:

"Ma muass weiterkämpfen, weiterkämpfen, a wenn die ganze Welt an Arsch offen hat.“

Gestern habns an Willy daschlagn,
aber heit, aber heit aber heit, heit halt ma zsamm.

Gestern habns an Willy daschlagn,
und heit, und heit und heit und heit halt ma zsamm.«


#KonstantinWecker #liedermacher #musik #music
 

Konstantin


"Mitgefühl ist nichts, das uns ein paar „Gutmenschen“ aufschwatzen wollen, die zu weich sind, um sich den Härten des Lebens zu stellen. Mitgefühl ist in uns allen als Fähigkeit angelegt. Sie wurde uns nur abtrainiert von einer Gesellschaft, in der Konkurrenz und Profit regieren. (...)"

Link zum Essay von Konstantin Wecker:
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