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Items tagged with: Angst


 
Matthias Quent:
Einige Schlussfolgerungen zur #RechtsaußenWahl #LTW19 #ltwbb19 #ltwsn in #Brandenburg und #Sachsen:
Die jahrelange Naivität vieler Demokrat*innen rächt sich und zentrale Vorstellungen über den "#Rechtspopulismus" werden widerlegt.
An #Kalbitz in #Brandenburg zeigt sich beispielhaft, wie #Rechtsradikale Kränkungen, Unzufriedenheit, Rassismus, Enttäuschung und Wut politisieren - wie einst die #NSDAP. Dafür werden sie gewählt.
In #Brandenburg und #Sachsen hat der völkisch-nationalistische #Höcke-Flügel gewonnen. Wer den Flügel als rechtspopulistisch verharmlost, macht sich zum Steigbügelgelhalter von #Neofaschisten.
#Rechtsradikalismus ist eine eigenständige politische Kraft, samt Ideologie und Tradition. Die Entfesselung des seit Jahrzehnten empirisch gemessenen rechtsradikalen Potenzials hält sich selbst am Laufen. Auch ohne "Flüchtlingskrise".
Die Wahlen fanden in einem Diskursklima ohne akute Krise statt, trotzdem erzielt die #AfD Spitzenergebnisse.
Themen im Wahlkampf der #AfD werden überschätzt. Sie wird nicht als spezifische Ostpartei gewählt, sondern als chauvinistische "Wir-zuerst"-Partei.
#Rechtsradikalismus ist nicht monothenatisch, sondern totalitär. Er kann Diskurse, bspw. #Klima, #Wolf, #Ostdeutschland (be-) setzen & reaktionär mit #Angst und #Propaganda füllen. Das spricht gegen die Protestwahlthese.
In #Sachsen sind die #rechtsradikalen stärker, obwohl dort die Wirtschaftskraft stärker ist als in #Brandenburg. Das widerspricht der Protestwahlthese.
In #Sachsen sind die #rechtsradikalen stärker, obwohl dort ein größerer Anteil der Bevölkerung in Großstädten lebt als in #Brandenburg. Das widerspricht der Protestwahlthese.
In #Sachsen steht die Landesregierung seit vielen Jahren weiter rechts als in #Brandenburg. #Rechtsradikale profitieren von einer solchen politischen Kultur.
#Brandenburg hat eine #Antirassismmusklausel in der Landesverfassung und Politik, Behörden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wirken häufig vorbildhaft zusammen gegen #Rechtsradikalismus.
Das macht nicht alles gut, aber vieles besser, einfacher und stabiler. Und: es schwächt die #rechtsradikalen. Denn wir haben es mit einem #Kulturkampf gegen die liberale Demokratie, ihre Institutionen und Modernisierung an sich zu tun. Nicht in erster Linie soziale Konflikt, sondern Wertkonflikte werden ausgetragen.
Soziale und wirtschaftliche Missstände müssen verbessert und Kränkungen bearbeitet werden. Aber nicht gegen die #rechtsradikalen, sondern für Gerechtigkeit und Menschenwürde.
Langfristig helfen Abgrenzung, Aufklärung und Haltung mehr als Geld und andere Zugeständnisse an Regionen mit hohen #AfD-Stimmenanteilen.
Mehr dazu im Bestseller-Buch "Deutschland #rechtsaußen. Wie die Rechten nach der Macht greifen und wie wir sie stoppen können." #nopasaran
Und: Wieder zeigt sich, dass männliches Anspruchsdenken ein Kernproblem unserer Zeit ist. #antiFeminismus
Krass ist, dass die #AfD sogar stärker wurde als bei den #Bundestagswahlen und den Europawahlen - von wegen "Anti-#Merkel" oder "Denkzettel" für #Berlin bzw. #Brüssel. Normalerweise heißt es, je näher dran, desto geringer (!) ist die Bereitschaft zur Protestwahl. #LTW19
Wisst Ihr, was das Schlimmste ist? Wir verlieren durch die #AfD Jahre im Kampf gegen den #Klimawandel. #ltwsn19 #Landtagswahl
Mal was Positives: #Rassismus, #Antisemitismus, #Nationalismus und #Sexismus wird auch in #Sachsen widersprochen. #SachsenWahl #ltwsn19
Quelle:

 
@Torque diskutabel sind die ÖR-Medien vielleicht (sollte man auch tun). Aber kann man irgendeine Art von #unabhängigem #Journalismus von irgendetwas privat finanziertem erwarten?
Und unabhängiger(!) Journalismus bleibt nunmal eine wichtige Stütze. Nicht umsonst wird der immer als erstes ausgeschaltet, wenn der Herrscher/Diktator #Angst vor #Kritik hat.
Wir könnten jetzt diskutieren, wie unabhängig die ÖR sind. Aber ich sehe keine Alternative.
Oder?

 

Telepolis: Für den Ernstfall planen


Und eine Kiste Mineralwasser bereithalten. Die Bundesrepublik bekommt wieder ein Konzept für die zivile Verteidigung

Zum ersten Mal seit 1989 hat die Bundesregierung wieder eine "Konzeption für zivile Verteidigung" erarbeitet (Bundesregierung bereitet sich auf Notstand vor). Am kommenden Mittwoch soll sie vom Kabinett beschlossen werden. Der Frankfurter Sonntagszeitung liegt nach eigenen Angaben das 69-seitige Konzept vor. Man müsse nach der Lektüre erst mal durchatmen, heißt es zu Anfang des Berichts in der Printausgabe...

Meine Meinung: Na klasse! Da macht man sich also weiter daran die Ängste zu schüren um die Menschen in die gewünschte Richtung zu lenken...

Tags: #german #deutsch #deutschland #hysterie #terrorhysterie #angst #vorsorge #staat #system #telepolis #ravenbird #2016-08-21

 

Angst, Macht und Herrschaft


Mit dem Herrschaftsinstrument der Angsterzeugung wird der Demokratie die Grundlage entzogen und die Tür zu einem autoritären Sicherheitsstaat geöffnet. Denn erst die Freiheit von gesellschaftlicher Angst, macht eine Demokratie überhaupt möglich. Die ist aber nicht gewollt, weil sie Wirtschafts- und Kapitalinteressen im Wege steht …

Link zum Beitrag und Videointerview:
neue-debatte.com/2019/08/05/rainer-mausfeld-ueber-angst-und-macht-in-kapitalistischen-demokratien/

#Angst #Macht #Herrschaft #Politik #Bildung #Elitenherrschaft #Demokratie #Gesellschaft #System #Neoliberalismus #Kapitalismus

 
Die #Angst auf dem #Bahnsteig, auf das #Gleis gestoßen zu werden, ließe sich schon dadurch verringern, dass man die weiße Trennlinie wirklich erst dann überschreitet, wenn der #Zug zum #Halten gekommen ist.

 

Macht, Ohnmacht und Gewalt


"(...) Der fachwissenschaftlich vernachlässigte Gegenbegriff oder das Antonym von Macht ist Ohmacht. Etymologisch wird das Substantiv oder Hauptwort umschrieben als Bewusstlosigkeit, Schwäche, Machtlosigkeit. Entsprechend bedeutet das Eigenschaftswort oder Adjektiv ohne Bewusstsein, kraft-, machtlos, nicht fähig zu handeln. Damit geht es auch um jeweils fehlendes Bewusstsein und blockierte Handlungsfähigkeit. [...]"

Link zum umfassenden wissenschaftlichen Essay von Richard Albrecht: https://neue-debatte.com/2019/06/21/macht-machtet-ohmacht-nicht/
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#NeueDebatte #Gesellschaft #Soziologie #Wissenschaft #Macht #Gewalt #Herrschaft #Angst #Politik #SozialeGebilde #Mensch #Zivilsation #MaxWeber #Staat
Macht machtet. Ohmacht nicht.

 
"Ein offener Brief an alle - speziell an unsere Politik und die generation 40+:

Liebe Leute,

da ist dieser junge Youtuber, der gerade unser ganzes Land in Aufruhr versetzt. Was hat er gemacht? Er hat knapp eine Stunde lang in aller Klarheit und ohne eine Beschönigung einfach nur aufgelistet, was gerade bei uns passiert.

Er hat auf seine Art Dinge zusammengefasst, die wir alle wissen und doch auch irgendwie überhaupt nicht. Ich meine jetzt mal ganz ehrlich: Wer hat noch nie von der Drohnenbasis Ramstein, der Schere zwischen Arm und Reich oder der Dringlichkeit des Klimawandels gehört?

Das hat er also alles einmal glasklar zusammengefasst. Und wie reagiert unsere Politik? Völliges Chaos. Völlige Verblüffung. Schockstarre. Aggressivität. Rufe nach Zensur. So als hätte Rezo damit, dass er einfach aus seiner Sicht seine Recherchen zitiert ein Verbrechen begangen.

Es ist total leicht, in der jetzigen Situation unsere Politik als einen Haufen rückgratloser Ignoranten zu bezeichnen, sie zu beschimpfen und zu verfluchen. Aber ich will da nicht mitmachen, im Gegenteil – sondern eine ganz andere Perspektive reinbringen. Was passiert hier eigentlich im Hinblick auf die Psyche und die Bewusstseinsentwicklung von uns Menschen?

Ich will mit einer sehr einfachen Frage starten:

In was für einer Welt sind unsere Politiker versus unsere heutige Jugend und meine Generation aufgewachsen und was bedeutet dieser Unterschied für die Entwicklung unseres Bewusstseins?

Wenn ich vereinfacht davon ausgehe, dass unsere Machthaber heute im Schnitt um die 50-60 Jahre alt sind, dann heißt das folgendes:

Ihre Kindheit haben sie zwischen 1960 und 1990 verbracht. Wenn wir davon ausgehen, dass unsere Kindheit unser Weltbild ganz entscheidend bestimmt, dann können wir über einen Blick in diese Zeit verstehen, wie die Welt dieser Menschen funktioniert.

Was für eine Welt haben sie also damals kennen gelernt?

Damals war kalter Krieg. Zwei Weltkriege waren noch gar nicht so lange her. Es herrscht also eine beständige und subtile Angst, dass dieser Wahnsinn jederzeit wieder starten könnte. Die Welt ist in zwei große Lager gespalten und es könnte jederzeit alles explodieren.

Was für Schlüsse zieht ein Kind daraus? Ich behaupte, es lernt folgendes:

Krieg ist die Natur des Menschen. Menschen sind die natürlichen Feindes des Menschen. Wenn wir nicht extrem für Sicherheit sorgen, bricht ein neuer Krieg aus. Die Regierungen müssen harte Entscheidungen und Maßnahmen treffen, damit die Welt nicht explodiert.

Wir müssen den Feind in Schach halten, um zu überleben. Wer in dieser Welt zu weich ist, der geht unter. Die Komplexität dieser Angelegenheit ist für einfache Menschen nicht fassbar, deswegen muss das Volk nicht alles wissen und es braucht starke Machthaber, um uns in dieser Welt zu beschützen. Die Regierung muss den Informationsfluss kontrollieren, damit keine Panik ausbricht und der Feind keinen Vorteil erringt.

Das emotionale Klima in dieser Zeit ist die Angst. Da ist ständig die unterschwellige Angst vor einem neuem Krieg, vor Atombomben, vor dummen Entscheidungen. Ich benenne dieses Klima jetzt als „Angstland“. Wer im Angstland lebt weiß, dass jeden Moment etwas furchtbares passieren kann. Er ist in einem Zustand der Wachsamkeit und des Misstrauens. Er weiß, dass irgendwo der Feind lauert und er bereitet sich innerlich immer auf die mögliche Konfrontation vor. Da ist keine Zeit für viele Gefühle, für das aufarbeiten von Trauma oder anderes Hippiegetue.

Wenn du unter 30 bist, stell dir einmal vor, du wärst in dieser Realität aufgewachsen. Deine ganze Jugend und dein ganzes junges Erwachsenenalter lebst du im Angstland. Nicht fühlen, sondern funktionieren, beständig den Feind im Nacken. Meinst du, du könntest das dann einfach loslassen?

Gehen wir jetzt in die Realität der jungen Menschen, die unsere Politiker so abwertend als #Wohlstandshelden bezeichnen. Diese Menschen sind genau wie ich in einer Welt aufgewachsen, in der grundlegend Frieden herrscht. Unsere Eltern hatten Frieden und die meisten Großeltern, die Krieg selbst erlebt haben, sind bereits tot. Unsere Eltern haben angefangen zu fühlen.

Sie haben angefangen, ihre emotionalen Traumen anzugehen und haben sich als eine der ersten Generationen überhaupt erlaubt, dinge wie Frieden und Liebe ernsthaft zu Denken. Wir sind die Kinder einer mutigen Generation von inneren Pionieren, die nach dem ewigen Krieg der menschlichen Rasse endlich beginnt, die Option einer Welt des Friedens zu erdenken.

Unsere Eltern haben uns beschützt. Sie haben dafür gesorgt, dass wir uns in Frieden entwickeln konnten. Klar, wir haben auch unsere Kindheitsthemen aber von der ganz grundsätzlichen emotionalen Landschaft sind wir in einer Welt des Friedens und der Liebe aufgewachsen, die unsere Vorgänger uns ermöglicht hat. Außerdem sind wir Dank der sozialen Medien und des Internets von Klein auf mit der ganzen Welt vernetzt.

Für uns ist ein Dunkelhäutiger keine Sensation. Wir wachsen auf mit Videos von der ganzen Welt, wir gucken Vimes und Musicallys von allen Kontinenten, wir lachen gleichmermaßen mit und über Russen, Asiaten, Europäern, Afrikanern, Australiern und Amerikanern. Für uns sind wir alle eine Rasse. Wir haben schon mitbekommen, dass es da diese Ländertrennung gibt und dass sich alle lange gestritten haben – aber dieses grundsätzliche Gefühl von Feindschaft und Angst, das haben wir einfach nicht mehr. Wir bekommen es zwar geschult, aber wir kaufen es nicht.

Für uns ist die Menschheit eine gemeinsame Spezies. Für uns sind wir mehr unbekannte Brüder als Todfeinde. Wir haben von Klein auf die Bilder der Welt als ganzes gesehen und verstehen uns intuitiv als eine Spezies.

Was passiert mit einem Bewusstsein, das so aufwächst?

Wir leben nicht mehr im Angstland. Wir sind eine Generation des Mutes. Wir sind die neuen Pioniere. Aber wir haben nicht mehr die Aufgabe, die Welt zu entdecken. Wir haben die Aufgabe, uns als Menschen neu zu entdecken. Wir dürfen lernen wie es funktioniert, als Weltgemeinschaft, als vereinigte Rasse Mensch zu leben. Gesunde Beziehungen zu führen, mit Menschen, Nationen und der Natur. Unsere Reise führt nach innen.

Ihr habt alles dafür vorbereitet, dass wir diese Reise jetzt antreten können und dafür mag ich euch hier mal Danken.

Das heißt im Klartext: Ich als junger Mensch gucke mir die alten Filme an, in denen Regierungen perverse Experimente mit Kindern machen, um den bösen Russen einen Schritt voraus zu sein.

Unsere Eltern sehen diese Szenen und spüren innerlich ein „Naja, ist zwar falsch, aber so läuft die Welt halt.“

Wir sehen das und denken uns: „Das kann doch nicht sein. Wir sind doch alle Menschen? Wo ist der Feind, den wir bekämpfen sollen? Bekämpft diese Regierung nicht einfach nur ihre eigenen Menschen?“

Wir bringen ein neues Bewusstsein in die Welt. Wir entwickeln gerade ein Bewusstsein von Verbundenheit statt Trennung. Wir spüren intuitiv und von innen kommend, dass wir alle eins sind. Die meisten von uns spüren sogar bereits intuitiv, dass nicht nur die Menschen eins sind, sondern unser ganzer Planet eine große Verbindung ist und wir nicht wirklich von dem, was uns umgibt, getrennt sind.

Tief in uns spüren wir, dass das Angstland vorbei ist. Ihr habt alles vorbereitet, damit wir endlich den Mut fassen können, ins sprichwörtliche Neuland zu gehen. Wir können eine Welt erschaffen, in der wir alle eins sind, in der wir gemeinsam eine Symbiose zur Natur und eine funktionierende Weltgemeinschaft erschaffen können.

Nur jetzt beginnt ein gewaltiges Problem:

Das, was ich hier beschreibe, sind keine bewussten Prozesse. Wir jungen spüren diese neue Welt intuitiv, aber die wenigsten könnten dieses Gefühl wirklich in greifbare Worte fassen. Wir spüren einfach nur, dass der Ist-Zustand falsch ist. Wir haben als Generation die bisher stärkste Verbindung zu einer Intuition, die uns von innen heraus ruft, Verbindung statt Trennung zu leben.

Die alte Generation hat auch nicht bewusst, was sie da lebt. Um all diese Prozesse ins Bewusstsein zu holen, braucht es viel Zeit und Reflexion und die Generation unserer Eltern ist überhaupt die erste, die angefangen hat, sich diese zu nehmen. Unsere Politiker haben ihr ganzes Leben lang nur funktioniert und es irgendwem recht gemacht.

Da war keine Zeit, so etwas wie eine „innere Wahrheit“ zu erforschen oder festzustellen, dass ein Handeln aus dem „Angstland“ mehr echtes Angstland produziert.

Und hier kommt alles zusammen und hier erklärt sich, warum unsere Politiker gerade völlig ausrasten.

Im dieses „Neuland“ im Bewusstsein zu erreichen, benötigt es Offenheit. Die Bereitschaft, offen auszusprechen und zu reflektieren, was in einem vorgeht. Dann kann man es sich anschauen, feststellen wo Angst, Trauma und Unklarheit sitzen und damit arbeiten. Das Ergebnis ist ein freierer Geist, mehr Mut, Akzeptanz und Freude und weniger Schuld, Scham und Angst.

Wir jungen haben eine Welt vorgefunden, in der schon über viel offen geredet wird. Unsere Vorgänger haben ganze Arbeit beim brechen von Tabus geleistet. Wir sind in eine Welt geboren, in der es okay ist, sein Geschlecht zu wechseln, depressiv zu sein, über seinen Missbrauch zu sprechen und so weiter. Wir haben beobachtet, dass Offenheit immer wieder zur Freiheit führt. Sobald offen geredet wird, verändert sich was.

Wir spüren also intuitiv, dass Offenheit und Ehrlichkeit uns befreit – und das all die Geheimnisse, all das Verleugnen und ausblenden uns nur dahin zurück führt, wo wir als Menschen schon mal waren. Also ist es für uns normaler als für jede Generation vor uns, Dinge offen anzusprechen.

Aber die alten, die hatten diesen Luxus nicht. Die sind in einer Welt aufgewachsen, in der man funktioniert und geschwiegen hat. Da wurden Probleme nicht offen angesprochen. Da war noch ganz viel Sünde und falsch. Wer weiß wie oft ihnen als Kind gesagt wurde „So was sagt man nicht, über so was spricht man nicht, wer so und so ist kommt in die Hölle“.

Für diese Generation ist Offenheit ein Angstthema. Sie haben gelernt, zu verdrängen und ihre Gefühle abzuschalten, weil dafür noch kein Platz war. Unsere psyche tickt nach der Maxime „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ - und dementsprechend blenden wir alles aus, was nicht in unser Weltbild passt. So sind wir Menschen einfach!

Und die Menge, die unsere alten in ihrem Leben ausblenden mussten, ist viel größer als wir uns das vorstellen konnten. Sie mussten das, um zu überleben.

Um das jetzt mal ins größere Bild zu übersetzen:

Was Rezo getan hat ist: Er hat alles offen angesprochen, was gerade läuft, aber eigentlich nicht richtig offen ausgesprochen wird. Damit hat er auch ganz viele Dinge ausgesprochen, die unsere Politiker, um zu überleben, einfach verdrängen MUSSTEN.

Ich kann nicht vom friedlichen und freien Deutschland erzählen, während ich eigentlich Krieg führe und die USA Atombomben bei mir lagert. Das geht nicht. Die Psyche muss eine Entscheidung treffen. Entweder Ausblenden oder verrückt werden. Ich denke kein Politiker, der diese Themen offen angesprochen hätte, hätte in der Vergangenheit politisch überlebt. Bis jetzt zumindest. Also entwickelt die Psyche Beipässe, um auszublenden, was einfach nicht sein darf und was mit dem gelernten Weltbild nicht übereinstimmt.

Daraus kann man nur schlecht einen Vorwurf machen, wir Menschen ticken einfach so – und es braucht eine massiv starke Persönlichkeit, ein starkes Netz und Unmengen an Reflexion, um diesen Prozess zu überwinden. Wir alle tun das, jeder von uns. So sind wir einfach.

Rezo spricht also alles offen an, was in der Psyche unserer Politiker nicht sein darf.

Und jetzt kommt das nächste Problem: Die Psyche kann nicht akzeptieren, was nicht sein darf. Wenn ein Politiker, der diese Themen über Jahrzehnte ausgeblendet hat plötzlich vollumfänglich akzeptieren müsste, was er da gemacht hat, würde er vermutlich eine Psychose bekommen.

Wenn ein Alkoholiker zum ersten mal hört, dass er ein Alkoholiker ist, wie reagiert er dann? Entweder er lehnt es ab, oder er flippt total aus. Das ist eine natürliche, menschliche Reaktion. Es passt nicht zum Selbstbild des Alkoholikers, also projiziert er alle damit verbundenen Gefühle auf den, der es ausspricht. Er braucht Zeit und viele kleine Schritte, um das zu akzpetieren.

Genau diesen Effekt sehen wir jetzt mit Rezo. Er hat mit seiner Offenheit in ein Wespennest gestochen. Er hat zu viel auf einmal offen angesprochen und eine zu breite Masse damit erreicht, als dass die Politiker es einfach wie gewohnt ignorieren könnten. Jetzt bekommt er die ganze Reaktionsbrandbreite der menschlichen Psyche ab.

Ich rufe hiermit offen zum Verständnis für unsere Politiker auf. SIE KÖNNEN NICHT ANDERS. Die Psyche lässt es kaum zu.

Zu akzeptieren, dass wir jetzt in eine Welt starten, in der Offenheit und Verbindung zum neuen Standard werden soll, das ist einfach zu weit weg von allem, mit dem sie aufgewachsen sind.

Bitte gebt ihnen Zeit und die Möglichkeit, die neue Wahrheit Schritt für Schritt zu akzeptieren. Greift sie nicht an sondern nehmt sie an der Hand. Je mehr Druck wir jetzt auf ihre Psyche aufbauen, desto mehr Widerstand erzeugen wir.

Aber in einer Welt der Verbindung müssen wir jetzt einfach Hand in Hand gehen und den Krieg im inneren wie im äußeren langsam aber sicher beenden.

Was heißt das im Klartext zusammengefasst:
Die jungen spüren instinktiv, dass wir in eine neue Welt und eine neue Art des Bewussteins starten. Sie spüren, dass die Zeit von Angst und Trennung einfach zu Ende geht.

Die alten waren zu lange in der Welt der Angst, als dass sie das so akzeptieren könnten. Außerdem ist eine Wahrheit, die von innen kommt, in ihrer Generation nichts wert. Aber genau das ist, was jetzt kommt.

Die jungen spüren den Wert der Offenheit und schauen sich ganz ungefiltert die Fakten an. Die Fakten sagen: Wenn wir als Menschheit JETZT nicht zusammen wachsen, dann gibt es bald keine Menschheit mehr. Also reagieren sie, weil ihr Geist frei genug ist, um zu reagieren.

Die alten können nicht akzeptieren, dass ihr Lebenswerk und alles, für was sie gearbeitet haben, plötzlich falsch sein soll. Sie haben so hart dafür gearbeitet, Deutschland aufzubauen und sie waren doch erfolgreich, können die jungen das nicht sehen?

Die jungen rufen jetzt nach einer verbundenen Welt. Einer Welt der Gemeinschaft und Symbiose.

Die alten haben einfach Angst, dass das mit Menschen nicht funktionieren kann – und sie wollen uns doch nur davor beschützen, dabei Naiv zu sein.

Und was tun wir jetzt?

Liebe Politik, liebe Menschen 40+.

Ich möchte euch heute in meiner Rolle als Geschichtenerzähler eine neue Geschichte anbieten.

Ihr seid Helden, die über Jahre den Raum gehalten haben, in dem wir aufwachsen und ein neues Bewusstsein entwickeln konnten. Ihr habt gemacht, was nötig war, damit wir die Zeit hatten, zu fühlen, zu lernen und unsere innere Wahrheit zu entdecken.

Ihr habt die Welt und vor allem Europa so lange stabil gehalten. In dieser Zeit konnten wir uns heilen, uns therapieren, das fühlen lernen und den inneren Sprung vom Angstland ins Neuland wagen.

Ich verneige mich vor euch, dass ihr diese Bürde für uns getragen habt. Ich weiß nicht, ob ich das geschafft hätte.

Ihr habt uns das alles ermöglicht.

Jetzt kommen wir mit der Mission, eine Welt zu entwickeln, in der wir als Gemeinschaft, CoKreativ mit der Natur und allem anderen zusammen leben können.

Bitte haltet uns nicht auf. Bitte helft uns. Lasst uns gemeinsam das Neuland erschaffen. Lasst uns gemeinsam eure Macht und unsere Visionskraft bündeln, um die Welt zu erschaffen, bei der wir tief in uns spüren, dass wir dafür hier sind.

Wir können uns jetzt das Paradies erschaffen. Es ist zwar verdammt viel Arbeit, aber gemeinsam packen wir das.

Seht uns bitte nicht als Bedrohung, die zensiert werden muss. Seht uns bitte als die Menschen, für die ihr all das erschaffen habt. Als die,, die unter eurer Sicherheit die Zeit hatten, ein Gefühl für eine neue Welt zu entwickeln.

Lasst uns jetzt gemeinsam eine neue Geschichte schreiben. Bitte.

Danke."

von Mark Oswald

#Wandel #Zeit #Politik #Rezo #Paradies #Klima #Bewusstsein #Krieg und #Frieden #Wahrheit #Prozess #Realität #Angst #Liebe

 
Der Gynäkologe und Anatom Hermann #Stieve hat 1918 seine Habilitation über "Die Entwicklung des Eierstocks der Dohle" veröffentlicht. In der Nazizeit war er dann Medizinprofessor in Berlin und forschte über den Einfluss von #Angst und #Schrecken auf die Keimdrüsen des Menschen, also auf Eierstöcke und Hoden. Professor Stieve nutzte zu diesem Zweck die Organe von #NS-Opfern, die im Gefängnis von Berlin-Plötzensee und im #KZ Ravensbrück getötet worden waren; besonders oft nutzte er die Organe von umgebrachten jungen Frauen des deutschen Widerstandes. "Werkstoff" war das für ihn, und er fühlte sich verpflichtet, "diesen Werkstoff entsprechend zu bearbeiten, zu fixieren und aufzubewahren".

"In mustergültiger Weise"

1942 rühmte sich der Gynäkologe Stieve in einem Buch über die weiblichen Geschlechtsorgane: "Ich habe stets die Eierstöcke 10 Minuten (…) nach dem Tode im ganzen fixiert." Nach dem Krieg war Stieve in der DDR Ordinarius der Humboldt-Universität zu Ostberlin; er wurde Ehrenmitglied der Deutschen Gynäkologischen Gesellschaft. Als Stieve 1952 starb, rühmte das Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften das "einzigartige Untersuchungsgut, wie es in dieser Zahl, Güte und Vollständigkeit noch keinem Forscher zur Verfügung stand". Und die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, die bedeutendste Forschungseinrichtung der DDR, schrieb in ihrem Nachruf, dass Stieve 30 Jahre lang "den Medizinstudenten in mustergültiger Weise die anatomischen Kenntnisse grundlegend vermittelte".

Präparate im Nachlass

Warum ich das aus den Archiven von damals zitiere? Am Montag, den 13. Mai findet in der Trauerkapelle des Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin eine Gedenkfeier statt. Der Neurologe Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, und Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, sagen Gedenkworte. Nach einer religiösen Zeremonie, die jüdische, katholische und protestantische Geistliche halten, geht man gemeinsam zu einer Grabstelle, in der dann die mikroskopischen Präparate bestattet werden, die im Nachlass des Gynäkologen Hermann Stieve gefunden wurden.

Auf der Gedenktafel wird stehen: "Im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee wurden während der nationalsozialistischen Diktatur zwischen 1933 und 1945 mehr als 2800 Menschen durch das Fallbeil oder durch den Strang ermordet. Die meisten von ihnen wurden danach im Anatomischen und Anatomisch-Biologischen Institut der Berliner Universität zu Forschungs- und Lehrzwecken seziert. Mehr als 300 der dabei entstandenen mikroskopischen Präparate, zumeist von Frauen, wurden 2016 im Nachlass des Anatomen Hermann Stieve aufgefunden. Sie wurden hier am 13. Mai 2019 bestattet."

Hinrichtungsvolle Zusammenarbeit

Im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt des Jahres 2007 hat der Schriftsteller Wilhelm Bartsch über Hermann Stieve geschrieben - unter dem Titel "Ein Meister aus Deutschland", ein Zitat aus der wiederkehrenden Zeile aus Paul Celans ergreifendem Holocaust-Gedicht "Todesfuge": "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland." Bartsch beschreibt, wie grausam Stieves Taten waren, wie er seine Opfer zuerst seelisch quälte, wie der Fortpflanzungsforscher Stieve mit den Hinrichtern zusammengearbeitet hat, um festzustellen, wie sich Angst, Furcht und Schrecken auf die Fruchtbarkeit von Frauen auswirkt: "Man lasse die Versuchsobjekte ihren Monatskalender führen und dem Gefängnisarzt mitteilen. Dann verkünde man den Objekten entsprechende Tage vor ihrem Eisprung den Hinrichtungstermin. (…) Aber es blieb natürlich nicht bei den Schocknachrichten. Die verkündeten Hinrichtungen wurden dann auch gnadenlos vollzogen."

Informieren. Mahnen. Ehren. Gedenken.

In der Zeitschrift Das Deutsche Gesundheitswesen vom 15. September 1946 hat Stieve eine 22-jährige Frau beschrieben, deren Monatsblutung "infolge starker nervöser Erregung elf Monate lang ausgeblieben war. Aber plötzlich trat im Anschluss an eine Nachricht, die die Frau sehr stark erregt hatte (Todesurteil), eine Schreckensblutung ein. Am folgenden Tag starb die Frau plötzlich durch äußere Gewaltanwendung." Die Frau war, so Bartsch, die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek. Ihre Exekution war, wie sie der üblichen Vereinbarung zwischen dem Gefängnis und der Anatomie entsprach, am frühen Abend vollzogen worden, auf dass "die Leichen dann noch am selben Abend zur Anatomie abgeholt werden" und die an ihrer Bearbeitung beteiligten Ärzte anschließend noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren konnten. Der Historiker Götz Aly und der Schriftsteller Ernst Klee haben von der "Verarbeitung des deutschen Widerstands zu Gewebequerschnitten" geschrieben.

Blinde Freude

"Zum Wohle der Menschheit" sei sein Tun - das sagte der Forscher Stieve. Über dem Gebäude der Anatomie der Charité steht der Satz: HIC LOCUS EST UBI MORS GAUDET SUCCURRERE VITAE. Auf Deutsch: Hier ist der Ort, an dem der Tod sich freut, dem Leben zu helfen. Eine blinde und böse Freude war da bei Stieve am Werk. Und Plötzensee ist nicht einfach Vergangenheit. Die Medizin ist auch in der Demokratie nicht über Zweifel erhaben. Es ist respektabel, wie sich die Anatomie in Berlin ihrer Vergangenheit stellt: "Informieren. Mahnen. Ehren. Gedenken." hieß eine wissenschaftliche Veranstaltung dazu. Und es ist gut, wenn man um die Lehren daraus ringt.
Das sind keine fröhlichen Maigedanken. Aber sie sind notwendig. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche.

Ihr
Heribert #Prantl,
Kolumnist und Autor der #Süddeutschen Zeitung

 
Der Gynäkologe und Anatom Hermann #Stieve hat 1918 seine Habilitation über "Die Entwicklung des Eierstocks der Dohle" veröffentlicht. In der Nazizeit war er dann Medizinprofessor in Berlin und forschte über den Einfluss von #Angst und #Schrecken auf die Keimdrüsen des Menschen, also auf Eierstöcke und Hoden. Professor Stieve nutzte zu diesem Zweck die Organe von #NS-Opfern, die im Gefängnis von Berlin-Plötzensee und im #KZ Ravensbrück getötet worden waren; besonders oft nutzte er die Organe von umgebrachten jungen Frauen des deutschen Widerstandes. "Werkstoff" war das für ihn, und er fühlte sich verpflichtet, "diesen Werkstoff entsprechend zu bearbeiten, zu fixieren und aufzubewahren".

"In mustergültiger Weise"

1942 rühmte sich der Gynäkologe Stieve in einem Buch über die weiblichen Geschlechtsorgane: "Ich habe stets die Eierstöcke 10 Minuten (…) nach dem Tode im ganzen fixiert." Nach dem Krieg war Stieve in der DDR Ordinarius der Humboldt-Universität zu Ostberlin; er wurde Ehrenmitglied der Deutschen Gynäkologischen Gesellschaft. Als Stieve 1952 starb, rühmte das Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften das "einzigartige Untersuchungsgut, wie es in dieser Zahl, Güte und Vollständigkeit noch keinem Forscher zur Verfügung stand". Und die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, die bedeutendste Forschungseinrichtung der DDR, schrieb in ihrem Nachruf, dass Stieve 30 Jahre lang "den Medizinstudenten in mustergültiger Weise die anatomischen Kenntnisse grundlegend vermittelte".

Präparate im Nachlass

Warum ich das aus den Archiven von damals zitiere? Am Montag, den 13. Mai findet in der Trauerkapelle des Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin eine Gedenkfeier statt. Der Neurologe Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, und Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, sagen Gedenkworte. Nach einer religiösen Zeremonie, die jüdische, katholische und protestantische Geistliche halten, geht man gemeinsam zu einer Grabstelle, in der dann die mikroskopischen Präparate bestattet werden, die im Nachlass des Gynäkologen Hermann Stieve gefunden wurden.

Auf der Gedenktafel wird stehen: "Im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee wurden während der nationalsozialistischen Diktatur zwischen 1933 und 1945 mehr als 2800 Menschen durch das Fallbeil oder durch den Strang ermordet. Die meisten von ihnen wurden danach im Anatomischen und Anatomisch-Biologischen Institut der Berliner Universität zu Forschungs- und Lehrzwecken seziert. Mehr als 300 der dabei entstandenen mikroskopischen Präparate, zumeist von Frauen, wurden 2016 im Nachlass des Anatomen Hermann Stieve aufgefunden. Sie wurden hier am 13. Mai 2019 bestattet."

Hinrichtungsvolle Zusammenarbeit

Im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt des Jahres 2007 hat der Schriftsteller Wilhelm Bartsch über Hermann Stieve geschrieben - unter dem Titel "Ein Meister aus Deutschland", ein Zitat aus der wiederkehrenden Zeile aus Paul Celans ergreifendem Holocaust-Gedicht "Todesfuge": "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland." Bartsch beschreibt, wie grausam Stieves Taten waren, wie er seine Opfer zuerst seelisch quälte, wie der Fortpflanzungsforscher Stieve mit den Hinrichtern zusammengearbeitet hat, um festzustellen, wie sich Angst, Furcht und Schrecken auf die Fruchtbarkeit von Frauen auswirkt: "Man lasse die Versuchsobjekte ihren Monatskalender führen und dem Gefängnisarzt mitteilen. Dann verkünde man den Objekten entsprechende Tage vor ihrem Eisprung den Hinrichtungstermin. (…) Aber es blieb natürlich nicht bei den Schocknachrichten. Die verkündeten Hinrichtungen wurden dann auch gnadenlos vollzogen."

Informieren. Mahnen. Ehren. Gedenken.

In der Zeitschrift Das Deutsche Gesundheitswesen vom 15. September 1946 hat Stieve eine 22-jährige Frau beschrieben, deren Monatsblutung "infolge starker nervöser Erregung elf Monate lang ausgeblieben war. Aber plötzlich trat im Anschluss an eine Nachricht, die die Frau sehr stark erregt hatte (Todesurteil), eine Schreckensblutung ein. Am folgenden Tag starb die Frau plötzlich durch äußere Gewaltanwendung." Die Frau war, so Bartsch, die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek. Ihre Exekution war, wie sie der üblichen Vereinbarung zwischen dem Gefängnis und der Anatomie entsprach, am frühen Abend vollzogen worden, auf dass "die Leichen dann noch am selben Abend zur Anatomie abgeholt werden" und die an ihrer Bearbeitung beteiligten Ärzte anschließend noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren konnten. Der Historiker Götz Aly und der Schriftsteller Ernst Klee haben von der "Verarbeitung des deutschen Widerstands zu Gewebequerschnitten" geschrieben.

Blinde Freude

"Zum Wohle der Menschheit" sei sein Tun - das sagte der Forscher Stieve. Über dem Gebäude der Anatomie der Charité steht der Satz: HIC LOCUS EST UBI MORS GAUDET SUCCURRERE VITAE. Auf Deutsch: Hier ist der Ort, an dem der Tod sich freut, dem Leben zu helfen. Eine blinde und böse Freude war da bei Stieve am Werk. Und Plötzensee ist nicht einfach Vergangenheit. Die Medizin ist auch in der Demokratie nicht über Zweifel erhaben. Es ist respektabel, wie sich die Anatomie in Berlin ihrer Vergangenheit stellt: "Informieren. Mahnen. Ehren. Gedenken." hieß eine wissenschaftliche Veranstaltung dazu. Und es ist gut, wenn man um die Lehren daraus ringt.
Das sind keine fröhlichen Maigedanken. Aber sie sind notwendig. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche.

Ihr
Heribert #Prantl,
Kolumnist und Autor der #Süddeutschen Zeitung