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OK, Boomer


Bereits seit einigen Wochen fiel mir auf, dass in den sozialen Medien der Ausdruck #Boomer boomte. Gemeint sind damit Leute wie ich, die heute so zwischen 50 und 60 sind, also in den 60ern geboren wurden. Früher nannte man uns Baby-Boomer und hatte immer schon Angst vor uns, weil wir als Rentner die Bevölkerungspyramide auf den Kopf stellen würden. Doch die aktuelle Generation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat eher ein Problem mit unserem Klammern an Wohlstandserrungenschaften und unserer mangelnden geistigen Beweglichkeit angesichts globaler Bedrohungen wie dem Klimawandel. Sie wollen unser Gequatsche von demokratischem Interessensausgleich nicht mehr hören, das sie nur als Vorwand dafür wahrnehmen, dass wir unseren Lebensstil nicht hinterfragen wollen.

Auch die 25jährige neuseeländische Grünen-Politikerin Chlöe Swarbrick denkt so. Und sorgte mit einer Reaktion, die nicht mal eine Sekunde dauerte, für ein neues #Mem, das sich schnell durch die sozialen Medien verbreitete. Sie hielt gerade eine Rede zur Klimakrise und über das Jahr 2050, in dem sie 56 Jahre alt sein würde, als ein (älterer) Parlamentarier mit einer Bemerkung dazwischenfunkte. Die Sprecherin wischte den Zwischenruf mit einem souveränen "OK, Boomer" hinweg und setzte ihre Rede fort. Hier die Szene:



Für viele, die "OK, Boomer" trenden ließen, ist es eine Schlüsselszene. Jetzt redet die junge Generation, und jene Generation der Boomer, die es verbockt hat, soll wenigstens die Klappe halten. Schlimm genug, was sie angerichtet hat. Trotz allen besseren Wissens, das der breiten Bevölkerung spätestens seit den 80er Jahren bekannt war, haben sie nach dem Zusammenbruch des Sowjet-Kommunismus nichts Besseres zu tun gehabt, als einen Turbokapitalismus zu zünden, ohne jeden Gedanken an Nachhaltigkeit und künftige Folgen.

Nun waren ja nicht alle von uns Boomern in den vergangenen 30 Jahren nur mit Shareholder-Values und Renditen beschäftigt. Auch haben wir nicht alle der Vielfliegerei und fetten Autos gefrönt oder waren Massentierhalter. Doch die meisten von uns waren zumindest was die Sache mit den Treibhausgasen betraf Vergessende. Oder zumindest Prokastinierende. Und das, obwohl doch die meisten von uns wussten, dass sich das Verschleppen des Umstiegs auf klimaneutrale Energieen irgendwann rächen würde. Die Party war halt gerade so schön, und Apokalyptiker der Jahrtausendwende hatten sich eh alle vertan.

Das Mindeste, was wir tun können, ist, die Lage jetzt endlich auch ernst zu nehmen und der jungen Generation auf Augenhöhe zu begegnen und nicht von oben herab, mit üblichen Argumenten wie Lebenserfahrung.

Links zum Thema:


Ok Boomer: Die Bedeutung dieser Worte
https://www.mimikama.at/allgemein/ok-boomer/

Wie ein Minisatz die Generationen spaltet
https://www.jetzt.de/digital/das-meme-ok-boomer-bringt-die-alten-auf-die-palme

"OK, Boomer" - Warum dieses Mem deine Eltern aufregt
https://www.dasding.de/lifestyle/netztrends/Ok-Boomer-warum-dieses-Meme-deine-Eltern-aufregt,boomer-memes-100.html

OK Boomer, OK Millennial, we need to talk
https://edition.cnn.com/2019/11/08/opinions/ok-boomer-callan-filipovic/index.html
#Boomer #Mem Gesellschaft Medien
This entry was edited (2 weeks ago)

Ja, diese Boomer haben das Internet in die Gänge bekommen. Aber nur ganz wenige von ihnen. Stefan Münz ist nicht Bundeskanzler, Tim Berners-Lee ist nicht Prime-Minister. Die Boomer sind hauptsächlich ohne Internet unterwegs und misstrauen ihm, weil sie nicht wissen, was davon zu erwarten ist außer der nächste Shitstorm, mit dem sie nicht umgehen können.

Rückwärtsgewandte Besitzstandswahrer gibt es natürlich in allen Generationen. Ich nenne sie Egozentriker, die immer nur an sich denken. Die gibt es in allen Generationen. Und in 20-30 Jahren wird es meinen Kindern negativ auffallen, dass in meiner Generation auch engstirnige Arschlöcher sind.

Wenn ich mir meine Kinder und deren Freunde anschaue, dann ist dort der Anteil der Leute die irgendeine Ahnung von der aktuellen Technik haben nicht größer als bei uns alten Säcken. Da haben Internet und Smartphone nur Glotze, CD-/Plattenspieler und Telefon abgelöst und das war's. Und in der Berufsschulklasse von meinem Sohn war er der Einzige der auf FridaysforFuture Demos gegangen ist und für den Rest der Klasse (die aus halb Bayern kommt) ist Auto wichtiger. Und in München sind auf diesen Freitagsdemos auch eine ganze Menge Boomer dabei.