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Szene 93


Perlen sind selten und werden von feinsinnigen, femininen Menschen geliebt. Seit jeher sagt man Perlen geheimnisvolle Kräfte nach. Der Name "Greta" bedeutet nichts anderes als "Perle", und das Mädchen Greta verändert die Welt. Offenbar hat sie Superkräfte. Ihre Mutter meint, dass man solche Kräfte einfach entwickelt, wenn man sich in einer Notsituation befindet. Und Greta befindet sich sozusagen fortwährend in einer Notsituation. Weil sie uns auf eine Wand zurasen sieht, wo wir nur etwas harmlosen Nebel sehen. Auch wenn wir es längst hätten besser wissen könnten. Wir, die ganz normalen Klimakrisenverdränger.

Nur die Klimakrisenleugner sind noch schlimmer. Das sind meist grobschlächtige, maskuline Menschen, die mit Perlen nichts anfangen können. Stattdessen lieben sie den Gestank und das Knattern von Auspuffen. Mädchen und Frauen sind für sie Eroberungen und Besitztümer. Über die fast religiöse Verehrung von Greta lachen und witzeln sie nur. Allerdings sind sie auch irritiert, genauer gesagt, stehen sie unter Schock. Sie hatten den Diskurs und den Ball gekonnt in den eigenen Reihen gehalten. Politiker, Medien und Stammtische diskutierten über Flüchtlinge, Überfremdung und Ausländerkriminalität. Wenn sie unter sich sind, fragen sie sich, wie es passieren konnte, dass ihnen ein Mädchen mit einem Sperrholzschild aus dem Baumarkt den Ball abjagte. Und warum jetzt alle über die Klimakrise reden.

Die Antwort, die sie gefunden haben, ist, dass es Hintermänner geben muss. Grobschlächtige, maskuline Menschen wie sie selber, weil ihrer Meinung nach nur Menschen wie sie selber zu solchen Kräften fähig sind. Fiese Hunde, die sich verstecken und die das zarte Mädchen vorschieben, sein Gehirn waschen und es benutzen. Um Milliardengewinne mit irgendwelchen Sachen zu machen, die nicht mal was mit Auspuffen zu tun haben und irgendwo im Ausland erzielt werden.

Vielleicht liegt es ja an uns, also an den ganz Normalen und Halbfemininen, die dank Greta allmählich aus ihren Klimaverdrängerträumen erwachen, die ganze Sache verständlich zu machen. Denn wir müssen zugeben, dass sich Greta sicher nicht eigenhändig Zutritt zu den Rednerpulten von Katowice, Brüssel, Davos, Straßburg, Rom und London verschafft hat. Allenfalls glauben wir gerne, dass sie ihre Reden tatsächlich selber schreibt. Und die Faszination, die von ihr ausgeht, erleben wir als durch und durch echt.

Meine Erklärung geht so: Greta hat keine Hintermänner, oder genauer, die Hintermänner stehen nicht hinter ihr, sondern vor ihr. Die Hintermänner gehören zu denen, die Greta in ihren Reden angreift. Halbmaskuline Menschen an wichtigen Schalthebeln der industriellen und politischen Mächte, die im Halbschlaf oder Wachtraum eine Perle erblicken und das Mädchen an die Rednerpulte lassen. Stumme Verräter in hohen Positionen von Industrie und Politik, die verstanden haben, dass ihr Spiel gelaufen ist. Für die der Verrat das letzte ist, was sie noch für eine bessere Welt tun können, in der sie irgendwann aufzuwachen und Gnade zu erhalten hoffen. Müde Gestalten aus dem Gruselkabinett, von denen irgendwann jemand so was Legendäres sagen wird wie „Das tritt nach meiner Kenntnis – ist das sofort, unverzüglich“.

Die Welt muss und wird femininer werden. Wir werden es wohl nicht alle schaffen, Perlen wie Greta zu werden. Aber wahrscheinlich reicht es schon, wenn wir künftig wach bleiben, solange wir am Steuer der Welt sitzen, und Wände nicht für Nebel halten.

So weit meine "Szene 93". Sie ist mein Dank für die Lektüre der 92 Szenen aus dem Herzen. Weitergabe und Verwendung unter CC-BY-SA.
Gesellschaft Klima Politik

Ich lebe ja hier in RWE-Land und sehe die Plakate der AFD "Diesel retten", das ist der Gegenpol, sozusagen. Wir werden sehen wie sehr das verfängt....

Große Umwerfungen werden nicht von einzelnen Personen getan. Steve Jobs hat nicht das Smartphone erfunden. Und wenn Carl Benz das Auto nicht und Albert Einstein nicht die Relativitätstheorie erfunden hätte, so hätte es jemand anderes getan. Die Zeit war damals einfach reif und sie ist es heute auch. Es ist irgendwie schön, dass Greta jetzt die Speerspitze dieser Bewegung geworden ist. Das zeigt, wie dämlich wir Erwachsenen gewesen sind. Wir alle hätten die Perle sein können, aber wir haben es nicht gemacht. Wir haben einfach nicht so klar gesehen und nicht 100% gegeben.

Stimme größtenteils zu. Aber ob wir tatsächlich alle das Zeug zur Speerspitze gehabt hätten, wage ich doch zu bezweifeln. Denn es geht bei dem ganzen Hype um Greta (und auch übrigens in dem Buch) noch um eine zweite Sache, die ich in meiner "Szene 93" ebenfalls versucht habe, mit reinzuweben: ökologisch nachhaltig zu denken, also "Mutter Erde" nicht stärker zu belasten als nötig, erfordert "weibliches" Denken. Umwelt nicht mehr als Eroberungs- und Verfügungsbereich zu betrachten, sondern als erhaltenes Geschenk, das es sinnvoll zu nutzen gilt. Es ist kein Zufall, dass bei #FridaysForFuture viel mehr Mädchen als Jungs mitmachen. Der Umstieg kann nur wirklich gelingen, wenn die Gesellschaft sich geistig vom Patriarchat löst. Das fällt Männern und Jungs natürlich besonders schwer. Von Greta fasziniert zu sein hilft vielen von ihnen, sich in ersten Schritten in die richtige Richtung zu üben. Für viele ist es eine geradezu neuartige Erfahrung, ein junges weibliches Wesen nicht zu begehren, sondern zu bewundern für ihre überlegene Klugheit und Feinsinnigkeit. Es ist eine Art notwendiger Demut - schwer zu beschreiben.



 

Zeit für den Umbruch


Was derzeit passiert, ist mehr als erstaunlich. Das als jahrelang schier unverrückbar erlebte Erdreich der politischen GroKo-Landschaft mit schwarzer Null und schwarzer Geschäftigkeit gerät ins Rutschen. Fast schon so, wie im Herbst 1989 die DDR. Der ganze neoliberale Anspruch auf Deutungshoheit wankt. Noch ein paar Freitagsdemonstrationen, flankiert von frechen Enteignungsideen à la Kühnert und dem Monalisa-Lächeln von Greta, und der ganze Gasluftballon einer Elite mit gekauften Doktorarbeiten, Karrieregeilheit, unreflektiertem Jetset-Verhalten und dumpfbackigem intellektuellem Background wird hoffentlich platzen. Weil das alles so morsch ist, durch und durch. Völlig ausgehöhlt. Die Leute kapieren endlich, dass die Mächtigen nurmehr aufgebauschte Schatten lächerlicher, menschlich und moralisch peinlicher Zwerge sind. Rückwärts gewandte Gespenster, mit denen kein moderner Mensch mehr was zu tun haben möchte. Deshalb ist es so wichtig, jetzt mitzumachen bei den Demos, Protesten und Aktionen. Die Medien greifen es dankbar auf und verstärken es. Denn die große Mehrheit der Medienschaffenden ist auf der gleichen Seite. Das ist im übrigen auch der Sieg über die rechten Dumpfbacken: die haben sich die Medien zum Feind gemacht, weil sie sie als Lügenpresse bezeichneten. Das wird jetzt ihr Grab. Also: viele freundliche Bilder von einem friedlichen Protest. So gelingt der Change.
Gesellschaft Politik

Hoffentlich trügt Dich Dein Gefühl auch diesmal nicht.
Empören wir uns!

Tolle Rede! Ich kopier' das mal weiter. Link dann hierher?



 

Weinreben - kurz angebunden


#Foto #photo #Weinreben Foto Natur Pflanzen


Das hab ich jetzt auch wieder erst mal googeln müssen. Aber geht ja zum Glück schnell:
https://de.wikipedia.org/wiki/BBCH-Code
:-)

Damit hat mein Impuls seine Intention erfüllt :)



 

Wenn der Pfarrer mit dem Benziner zur Beerdigung kommt


Denn du bist Erde, sagten wir. Und sollst zu Erde werden. Alles was aus der Erde kommt, muss wieder zu Erde werden, sagten wir.
Dann aber fand irgendjemand eine Menge Öl, und es war vorbei mit allem Zu-Erde-werden. Stattdessen erschufen wir eine Gesellschaft, die auf der Idee beruhte, fossile Reste einstigen Lebens auszugraben, die wir dann – schnellstmöglich – in der hochempfindlichen Atmosphäre des Planeten verheizten. Und wie wir sie verheizten! Laut einer Studie der Universität von Utah benötigt man 23,5 Tonnen Biomasse, um einen Liter Benzin herzustellen. 23,5 Tonnen altes Holz und Dinosaurier und Tausende Millionen Jahre also, nur damit ein einzelner Volvo imstande ist, ein paar Kilometer zu fahren. Es lässt sich viel sagen über jenen Vertrag, den unsere moderne Gesellschaft mit dem Planeten geschlossen hat, auf dem wir leben. Aber nachhaltig ist er nicht.


Ist einem tatsächlich normalerweise nicht bewusst, dass wir, wenn wir mit einem Benziner-Auto fahren, nichts anderes tun, als die gespeicherte Energie aus uralter tierischer und pflanzlicher Biomasse zu verheizen. Entwurf für ein Zitat für die zu erwartende #Fossilscham:

»Dein Uronkel würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, dass seine sterblichen Überreste dir gerade mal einen überflüssigen Überholvorgang auf der Autobahn ermöglicht haben.«

Diese Art von Denken ist das normale Alltagsbewusstsein im Hause #Thunberg. Das obige Zitat stammt ebenfalls aus dem Buch Szenen aus dem Herzen.
#Fossilscham #Thunberg Gesellschaft Klima



 

Klima-Notstand


Klima Politik

@Stefan Münz Der Inkognito-Modus ist doch nur für lokale Spurenverwischung in deinem Browser. Serverseitig ändert sich da nix. Ich kann den Artikel ganz normal lesen. Aber sie fummeln da ordentlich rum, schalten Kontextmenu und diverse Maus-Events ab.

Ja, aber der Incognito-Modus eröffnet am Server eine neue Session. Und darauf kommts in dem Fall an.



 

Italienisch-Grundkurs (1min)


Das ist - ich verspreche es - die schnellste Art und Weise, in einer einzigen Minute eine Menge Italienisch zu verstehen und zu lernen.

Klima
Und fürs nächste Level:




 

Heidelberger Bergbahn


#Foto #photo #Heidelberg Foto Technik
Ja die ist immer wieder klasse. Vor allen der oberer historische Teil. :-)

Bin damals nur bis zum Schloss hoch. Hatten nicht so viel Zeit. Aber schöne Aussicht auf die Bahn



 

Die andere Sicht


Dieser Tweet der FAZ hat für einigen Spott und Hohn gesorgt in der Szene der Minderbereiten. Das Zitat ist ja auch, so aus dem Zusammenhang gerissen - nun ja - etwas schräg:




Deshalb möchte ich hier noch mal den größeren Textzusammenhang aus dem heute erschienenen Buch Szenen aus dem Herzen (auch hätte die deutsche Übersetzung einen anderen, nicht so nach Groschenroman stinkenden Titel verdient) posten, der hoffentlich hilft, das Zitat besser einzuordnen. Natürlich sieht die junge Lady bei allen sonstigen Fähigkeiten sicher keine Infrarotlichtbereiche. Aber sie sieht manches einfach "anders" und spürt es deutlicher als andere. Hier also der Gesamtzusammenhang (ich hoffe, der Fischer-Verlag sieht mir diese etwas größere Textpassage nach, auch im eigenen Interesse, da der Tweet der FAZ da möglicherweise auch Schaden angerichtet hat):

<cite>
In der Mensa ist es warm und eng. Es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm, und plötzlich ist dieses fettige Stück Fleisch auf dem Teller kein Nahrungsmittel mehr. Es ist der zerquetschte Muskel eines Lebewesens, das Gefühle hat, ein Bewusstsein und eine Seele. Die Müllinsel (Anmerkung: ein Dokumentarfilm über eine Plastikmeerinsel von der Größe Mexikos) hat sich auf Gretas Netzhaut eingebrannt.
Sie fängt an zu weinen und will nach Hause, aber sie darf nicht nach Hause und soll in der Schulmensa tote Tiere essen und über Markenklamotten, Make-Up und Handys reden.
Man soll sich den Teller mit Essen vollladen, sagen, dass es furchtbar eklig sei, und ein bisschen darin herumstochern, bevor man alles in den Mülleimer wirft - ohne Anzeichen von Autismus oder Anorexie oder irgendwas anderem Unangenehmen zu zeigen.
Greta hat eine Diagnose gestellt bekommen, aber das schließt nicht aus, dass sie recht hat und wir anderen so falschliegen, wie man nur falschliegen kann.
Denn sosehr sie sich auch bemüht, die Gleichung, die wir anderen schon gelöst haben, geht für sie nicht auf; die Gleichung, die die Eintrittskarte zu einem funktionierenden Alltag darstellt.
Weil sie das sieht, was wir anderen nicht sehen wollen.
Greta gehört zu den wenigen, die unsere Kohlendioxide mit bloßem Auge erkennen können. Sie sieht, wie die Treibhausgase aus unseren Schornsteinen strömen, mit de Wind in den Himmel steigen und die Atmosphäre in eine gigantische unsichtbare Müllhalde verwandeln.
Sie ist das Kind, wir sind der Kaiser. Und wir sind alle nackt.
</cite>
Gesellschaft
Die Leute sind doch der beste Beweis, dass Menschen (was Darwin angeht) kein Stück "besser" sind als z.B. Amöben.
Es wird sich munter vermehrt, genutzt was da ist, und wenn's für die Nachkommen nicht reicht, müssen die sich halt anpassen.
Oder aussterben.
Aber das ist ja nicht mehr deren Problem.



 

Der griechische Rebell kommt zurück


Das hier hatte ich bislang irgendwie noch gar nicht richtig mitbekommen. Yanis Varoufakis, der es seinerzeit am Ende nicht schaffte, Griechenland aus Schäubles Würgegriff zu befreien, hat sich seine Wut darüber aufgespart, um jetzt linksgrünaußen in Europa daherzukommen - mit einer neuen, in mehreren Ländern antretenden Partei namens "Demokratie in Europa“ (auch "European Spring"), hervorgegangen aus einer Bewegung namens #DiEM25. Bei der anstehenden Europawahl auf dem Wahlzettel ankreuzbar. Auf dem Programm: #SystemChange und #Paneuropa. Hier das "Manifest" (mit so langweiligen Termini wie "Parteiprogramm" gibt man sich dort nicht ab):

https://diem25.org/manifesto-lange-version/

Und hier ein schon im Februar erschienener Artikel zu der neuen Partei, in dem unter anderem zu lesen ist: "Prominente Unterstützer sind unter anderem der WikiLeaks-Gründer Julian #Assange, der Philosoph Slavoj #Žižek und der Wissenschaftler Noam #Chomsky."
Steht bei mir oben in der Prio ... wenn nicht "DIE PARTEI" dann DiEM25 sofern sie auf meinem Wahlzettel stehen.





 

Rede von Greta Thunberg vor dem britischen Parlament (in deutsch)


Ich habe mich entschlossen, die Rede von Greta Thunberg, gehalten am 23. April 2019 vor dem britischen Parlament, mal ins Deutsche zu übersetzen, nachdem ich bislang keine Übersetzung gefunden habe und weiß, dass es viele Leute gibt, die von einem solchen Text doch mehr haben, wenn sie ihn in der eigenen Sprache lesen können. Ich hoffe, die Übersetzung enthält keine groben Fehler. Für kleinere entschuldige ich mich nicht, da ich kein Lindner-Profi bin was das betrifft :-)
Das Original ist übrigens hier zu lesen: You did not act in time



Ich bin Greta Thunberg. Ich bin 16 Jahre alt. Ich komme aus Schweden. Und ich spreche im Namen künftiger Generationen.

Ich weiß, dass viele von Ihnen uns nicht zuhören möchten – Sie sagen, wir sind doch nur Kinder. Aber wir geben nur wieder, was die versammelte Klimawissenschaft sagt.

Viele von Ihnen scheinen besorgt darüber zu sein, dass wir wertvolle Unterrichtszeit verlieren, aber ich versichere Ihnen, wir werden wieder in die Schule gehen, sobald Sie auf die Wissenschaft hören und uns eine Zukunft geben. Ist das zu viel verlangt?

Im Jahr 2030 werde ich 26 Jahre alt sein. Meine kleinere Schwester Beata wird 23 sein. So wie viele von Ihren Kindern oder Enkelkindern. Ein tolles Alter, hat man uns gesagt. Du hast dein ganzes Leben vor dir. Aber ich bin nicht so sicher, ob das so toll für uns werden wird.

Ich hatte das Glück, zu einer Zeit und an einem Ort geboren worden zu sein, wo uns alle dazu ermunterten, große Träume zu haben; Ich könnte werden was ich wolle. Ich könnte leben wo immer ich wollte. Leute wie ich würden alles haben was sie wollen, und noch mehr. Dinge, von denen unsere Großeltern nicht mal zu träumen wagten. Wir würden alles haben, was wir uns jemals wünschten und doch könnte es sein, dass wir nichts mehr davon haben werden.

Wahrscheinlich haben wir jetzt nicht mal mehr eine Zukunft.

Weil diese Zukunft verkauft wurde, damit ein kleiner Kreis von Leuten unvorstellbare Mengen von Geld machen konnte. Sie wurde uns jedes mal gestohlen, als Sie uns erzählten, nur der Himmel sei die Grenze, und dass wir alle nur einmal leben.

Sie haben uns angelogen. Sie haben uns falsche Hoffnungen gemacht. Sie haben uns erzählt, die Zukunft sei etwas, worauf wir uns freuen können. Und das Traurigste bei alledem ist, dass die meisten Kinder nicht mal eine Ahnung haben, welches Schicksal uns erwartet. Wir werden es nicht verstehen, bis es zu spät ist. Und doch sind wir die Glücklichen. Diejenigen, die am meisten betroffen sein werden, leiden schon jetzt an den Folgen. Aber ihre Stimmen bleiben ungehört.

Ist mein Mikrofon an? Können Sie mich hören?

Um das Jahr 2030, also in 10 Jahren, 252 Tagen und 10 Stunden, wird eine Situation eintreten, in der wir eine nicht mehr rückgängig zu machende Kettenreaktion in Gang setzen werden, die sich der menschlichen Kontrolle entzieht, und das wird höchstwahrscheinlich zum Ende der Zivilisation führen, wie wir sie kennen. Das wird passieren, wenn es bis dahin keine dauerhaften und einschneidenden Veränderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen geben wird, einschließlich der Reduzierung der CO2-Emissionen um mindestens 50%.

Und bitte beachten Sie, dass diese Schätzungen auf Erfindungen vertrauen, die noch gar nicht im großen Maßstab erfunden worden sind, Erfindungen, von denen angenommen wird, dass sie die Atmosphäre von astronomischen Mengen an Kohlendioxyd befreien können.

Außerdem berücksichtigen diese Berechnungen keine unvorhersehbaren Kipp-Punkte und Rückkopplungseffekte wie das extrem starke Methan-Gas, das aus dem rapide auftauenden arktischen Permafrost entweicht.

Diese wissenschaftlichen Berechnungen beinhalten auch weder die bereits gespeicherte Erwärmung, die durch toxische Luftverschmutzung verborgen ist, noch den Aspekt der Gerechtigkeit – oder Klimagerechtigkeit – der, im Pariser Abkommen klar festgelegt, absolut notwendig ist, damit alles weltweit funktioniert.

Wir müssen uns im klaren darüber sein, dass das nur Berechnungen sind. Schätzungen. Das bedeutet, dass dieser “Zeitpunkt ohne Rückkehrmöglichkeit” sowohl vor als auch nach 2030 eintreten kann. Niemand kann ihn sicher vorhersagen. Aber wir können sicher sein, dass er etwa in diesem Zeitbereich eintreten wird, denn die Berechnungen sind keine bloßen Meinungen oder wilde Spekulationen.

Diese Voraussagen sind durch wissenschaftliche Fakten gestützt, und bekräftigt durch alle Nationen durch den IPCC [Anm.: www.de-ipcc.de]. Nahezu jede einzelne nationale Wissenschaftskörperschaft auf der Welt bejaht vorbehaltlos die Arbeit und Ergebnisse der IPCC.

Haben Sie gehört, was ich gerade gesagt habe? Ist mein Englisch in Ordnung? Ist das Mikrofon an? Weil - ich habe so meine Zweifel.

Während der letzten sechs Monate bin ich durch ganz Europa gereist, habe hunderte von Stunden in Zügen, elektrischen Autos und Bussen verbracht, und wiederhole diese lebenswichtigen Worte immer und immer wieder. Aber niemand scheint darüber zu reden, und nichts geschieht. Tatsächlich steigen die Emissionen weiter.

Als ich herumreiste, um in verschiedenen Ländern Reden zu halten, wurde mir immer Hilfe angeboten, um etwas über spezielle klimapolitische Themen des jeweiligen Landes zu schreiben. Aber das halte ich nicht für nötig. Weil das Grundproblem überall das gleiche ist. Und das Grundproblem besteht darin, dass einfach nichts getan wird, um den klimatischen und ökologischen Zusammenbruch zu stoppen – oder zumindest hinauszuzögern, trotz aller schönen Worte und Versprechen.

Großbritannien ist jedoch noch mal sehr besonders. Nicht nur wegen seiner vergangenen Kohlestoffschulden, sonden auch wegen seiner gegenwärtigen, äußerst kreativen Kohlestoffberechnung.

Seit 1990 hat der UK 37% Reduktion bei den CO2-Emissionen auf seinem Territorium erreicht, laut dem Global Carbon Project. Und das hört sich ziemlich beeindruckend an. Doch leider beinhalten diese Zahlen keine Emissionen aus der Luftfahrt, der Schiffahrt und solchen, die mit Importen und Exporten zusammenhängen. Zählt man diese Zahlen hinzu, bleibt eine Reduktion von etwa 10% seit 1990 – oder ein Mittelwert von 0,4% pro Jahr, laut Tyndall Manchester.

Und der Hauptgrund für diese Reduktion ist nicht etwa eine Klimapolitik, sondern eher eine EU-Richtlinie von 2001 zur Luftqualität, die den UK im wesentlichen zwang, seine sehr alten und extrem dreckigen Kohlekraftwerke herunterzufahren, um sie durch nicht ganz so dreckige Gaskraftwerke zu ersetzen. Und von einer katastrophalen Energiequelle auf eine etwas weniger katastrophale zu wechseln verringert halt auch die Emissionen.

Doch das vielleicht gefährlichste Missverständnis über die Klimakrise ist, dass wir unsere Emissionen “verringern” müssten. Denn das ist weit gefehlt. Unsere Emissionen müssen komplett gestoppt werden, um unterhalb von 1,5-2 Grad Celsius Erderwärmung zu bleiben. Das “Verringern der Emissionen” ist natürlich nötig, aber es kann nur der Beginn eines schnellen Prozesses sein, der zu einem vollständigen Emissionsstopp innerhalb weniger Jahrzehnte oder weniger führen muss. Und mit “Stopp” meine ich netto null – und dann schnell weiter in den Negativbereich. Das schließt Politik, wie sie heute betrieben wird, aus.

Die Tatsache, dass wir über “Verringern” statt über “Stoppen” von Emissionen reden ist vielleicht die größte Kraft hinter dem Immer-so-weiter-Machen-wie-bisher. Die gegenwärtigen Anstrengungen des UK, neue fossile Energiequellen zu erschließen – zum Beispiel die Schiefergas-Fracking-Industrie, die Erweiterung der Öl- und Gasfelder in der Nordsee, der Ausbau von Flughäfen und die Baugenehmigung für eine brandneue Kohlemine – sind jenseits von absurd.

Dieses andauernde unverantwortliche Verhalten wird ohne Zweifel als eine der größten Fehler der Menschheit in die Geschichte eingehen.

Die Leute erzählen mir und den anderen Millionen von Schulstreikern immer wieder, dass wir stolz auf uns sein sollten für das, was wir erreicht haben. Aber das einzige, worauf wir zu schauen haben, ist die Emissionskurve. Und die steigt leider nach wie vor. Diese Kurve ist das einzige, worauf wir schauen sollten.

Jedesmal, wenn wir eine Entscheidung fällen, sollten wir uns selber fragen, wie diese Entscheidung die Kurve beeinflussen wird. Wir sollten aufhören damit, unseren Wohlstand und Erfolg in einem Diagramm darzustellen, das wirtschaftliches Wachstum zeigt, sondern in einer Kurve, welche die Emissionen von Treibhausgasen zeigt. Wir sollten nicht mehr nur fragen: „Haben wir genügend Geld um das duchzuziehen?“, sondern ebenso: „Haben wir genügend von dem zu sparenden Kohenstoff-Bugdet, um das durchzuziehen?“ Das sollte und muss zum Zentrum unserer neuen Währung werden.

Viele Leute sagen, dass wir gar keine Lösungen gegen die Klimakrise haben. Und sie haben Recht. Denn wie sollten wir? Wie “löst” man die größte Krise, der die Menschheit je gegenüberstand? Wie “löst” man einen Krieg? Wie “löst” man die erste Fahrt zum Mond? Wie “löst” man das Erfinden neuer Erfindungen?

Die Klimakrise ist sowohl die leichteste als auch die schwierigste Angelegenheit, mit der wir es je zu tun hatten. Die leichteste, weil wir wissen, was wir tun müssen. Nämlich die Treibhausgas-Emissionen zu stoppen. Die schwierigste deswegen, weil unsere gegenwärtige Wirtschaft völlig abhängig ist vom Verheizen fossiler Brennstoffe, und dabei Ökosysteme zerstört, um ein ewiges wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen.

„Also, wie genau lösen wir das?“, fragen Sie uns – die Schulkinder, die für das Klima streiken.

Und wir sagen: „Niemand weiß das sicher. Aber wir müssen aufhören, fossile Brennstoffe zu nutzen, wir müssen die Natur wiederherstellen und viele andere Dinge, die wir noch gar nicht so richtig durchdacht haben“.

Dann sagen Sie: „Das ist aber keine Antwort!“

Also sagen wir: „Wir müssen anfangen, die Krise als Krise zu behandeln – und etwas tun, auch wenn wir nicht alle Lösungen haben.“

„Das ist immer noch keine Antwort“, sagen Sie.

Dann fangen wir an, Ihnen etwas über zirkuläres Wirtschaften und Renaturierung und die Notwendigkeit eines gerechten Strukturwandels zu erzählen. Dann verstehen Sie gar nicht mehr, worüber wir überhaupt reden.

Wir sagen, dass all die benötigten Lösungen niemandem wirklich bekannt sind, und dass wir uns deshalb gemeinsam hinter die Wissenschaft stellen müssen, um sie so zu finden. Aber Sie hören dabei nicht zu. Weil die Antworten zum Lösen einer Krise dienen, welche die meisten von Ihnen nicht mal in ihrem ganzen Ausmaß begreifen. Oder nicht begreifen wollen.

Sie hören nicht auf die Wissenschaft, weil Sie nur an Lösungen interessiert sind, die Ihnen erlauben, so weiterzumachen wie gewohnt. So wie jetzt. Und jene Antworten existieren nicht mehr. Weil Sie nicht rechtzeitig gehandelt haben.

Um den Klima-Kollaps zu verhindern, ist “Kathedralen-Denken” erforderlich. Wir müssen den Grundstein legen, obwohl wir noch nicht genau wissen, wie wir das Dach bauen müssen.

Manchmal müssen wir einfach einen Weg finden. In dem Moment, da wir uns entscheiden etwas zu erreichen, können wir alles tun. Und ich bin sicher, dass wir ab dem Moment, in dem wir anfangen uns zu verhalten wie in einer Notsituation, die Klima- und Ökokatastrophe verhindern können. Menschen sind sehr anpassungsfähig: wir können das noch richten. Aber die Gelegenheit dazu wird nicht mehr lange bestehen. Wir müssen heute anfangen. Wir haben keine Ausreden mehr.

Wir Kinder opfern nicht unsere Bildung und unsere Kindheit, damit Sie uns erzählen, was Sie für politisch möglich halten in der Gesellschaft, die Sie geschaffen haben. Wir sind nicht auf die Straße gegangen, damit Sie Selfies mit uns schießen können, und damit Sie uns erzählen, wie sehr Sie bewundern was wir tun.

Wir Kinder tun das, um die Erwachsenen aufzuwecken. Wir Kinder tun das für Sie, damit Sie Ihre üblichen Differenzen beenden und so handeln, wie Sie es in einer Krisensituation tun würden. Wir Kinder tun das, weil wir unsere Hoffnungen und unsere Träume zurück haben wollen.

Ich hoffe, das Mikofon war an. Ich hoffe, Sie konnten mich alle hören.
Klima Politik

@Gerrit Danke, war mir nicht bewusst, hat in der Tat etwas von einem Deja Vu.

@Stefan Münz Es ist die Aufgabe eines Anführers Optimismus zu verbreiten, und das kann Al Gore wirklich gut. Darin geht fast das entscheidende Argument unter: Wenn Solarstrom günstiger als Strom aus fossilen Quellen sein wird, ist er die natürliche Wahl auch für diejenigen, denen Klimawandel egal ist - und das ist die Mehrheit. Mal sehen, was jetzt aus der Diskussion um die CO2-Steuer bzw. dem Emissionshandel für den Verkehr wird.

Klimawandel ist ja eigentlich das Symptom, die Ursache ist exzessiver Energieverbrauch. Wer es weniger optimistisch (europäisch?) mag, kann ja mal auf der gleichen Plattform David Mackay: A reality check on renewables lauschen oder den Links hier folgen.

LED's statt Mondlicht - yeah.



 

Bundestagspetition: Risikoprüfung für Pestizide zum Schutz von Bienen / Insekten


Diese Petition läuft nur noch wenige Tage, hat aktuell 28.000+ Mitzeichner und müsste aber auf über 50.000 kommen, um das "Quorum" zu erreichen. Es handelt sich um ein sperriges, aber wichtiges Thema. Denn mit dem Bienensterben zerstört der Mensch letztlich die natürlichen Prozesse bei der eigenen Nahrungskette.



 

Grenzwertige Satire


Was Satire "darf" - da habe ich normalerweise ein relativ dickes Fell. Aber bei diesem Text konnte ich nicht genügend Bitterkeit aufbringen, um darüber noch dreckig lachen zu können. Es wäre noch in Ordnung, wenn es einfach nur abstrus wäre. Aber angesichts der Tatsache, dass es in jüngster Zeit immer wieder zu Übergriffen auf Rettungskräfte bei Unfällen, Bränden usw. gekommen ist, ist dieser Text geradezu "brandstiftend". Für meine Begriffe jedenfalls hochproblematisch.

Der Artikel ist in der taz erschienen, und zwar in der dortigen Rubrik "Wahrheit". Diese Rubrik versteht sich als Zone für auch mal etwas fiesere und schrägere Töne. Aber mit der Absicht, kritisch zu sein. Doch was soll das hier sein? Kritik gegen wen? Gegen Menschen, die ihr Leben einsetzen, um anderen zu helfen. Mit welchem Ziel? Jene kaputten Gestalten zu stärken, die Rettungsfahrzeuge bewusst nicht durchlassen oder Reifen von Rettungseinsatzfahrzeugen zu durchstechen? Sorry liebe taz, wenn ich darüber nicht so recht lachen kann.

Musste den Text 2x lesen, weil ich eine erhoffte intellektuelle Metaebene gesucht habe. Aber die gibt's scheinbar nicht.

In meinen Augen manifestiert hier der Autor auf das Peinlichste seine eigene Dummheit. Schon alleine die Aussage, dass Feuerwehrleute kein Hirn brauchen, zeigt entweder das Nichtvorhandensein eigenen Hirns, oder aber niederträchtige Bösartigkeit. Denn was Feuerwehrleute allein schon an Chemiewissen für die Gefahrenabwehr getankt haben müssen, ist beachtlich! Aber das wären ja belastbare Fakten - und um die geht's hier ja augenscheinlich gar nicht.

@stefan
...ich habe z.Zt. ein Probeabo der taz laufen; und solche Sachen machen mir das Zustimmen echt schwer; es ist etwas zuviel "dagegen", zu einseitig geworden in der taz...schade....



 

Links Bingen, rechts Bingerbrück, und hinten Büdesheim


Da oben stehen und Runterschauen ist also dieses vielbesagte "Bingewatching".

Das hab ich jetzt aber erst mal nachschlagen müssen, da ich selber so was nie tue :-)
https://de.wikipedia.org/wiki/Binge_Watching



 

Did you hear what I just said? Is my English OK? Is the microphone on?


"Haben Sie gehört, was ich gerade gesagt habe? Ist mein Englisch in Ordnung? Ist das Mikrofon an?" Das ist kein eins-zwei-drei-test-Check vor einem Live-Konzert, sondern eine neue Figur im rhetorischen Repertoire von #GretaThunberg - bei der Rede, die sie heute vor dem britischen House of Parliament gehalten hat. Der Guardian war so nett den kompletten Redetext zu veröffentlichen (siehe Link unten).

Abgesehen von dieser neuen Rhetorik-Figur findet sich in der Rede vieles im Wortlaut wieder, das alle, die nun schon mehrere Reden von ihr mitbekommen haben, längst kennen. "Greta hat eigentlich schon alles gesagt, nur noch nicht überall", meinte dazu jemand sinngemäß auf Twitter. Was soll sie auch anderes sagen? Das ist nun mal ihre Botschaft, und es ist ihre (selbst gewählte oder vom Publikum erwartete) Rolle bei all diesen Auftritten. Immerhin deutet sie an, was diese Botschaft letztlich alles impliziert, und was aber in gegenwärtigen parlamentarischen Kreisen durch die Bank als indiskutabel gilt - etwa die Ersetzung der gewinnbasierten (kapitalistischen) Wirtschaftsform durch eine kreislaufbasierte Wirtschaftsform. Doch diese Konsequenzen müssen andere fordern und auf die politische Agenda bringen.

Im Laufe des Sommers werden sich wohl mehrere neuere Protestbewegungen koordinieren, wie etwa #FridaysForFuture und #ExtinctionRebellion. Es wäre aber gut, wenn auch Protestbewegungen dazu stoßen würden, die stärker die finanzpolitischen und sozialen Aspekte des notwendigen Umdenkens vertreten. Also #Occupy, #Aufstehen, #Unteilbar, #PulseOfEurope und wie sie alle heißen.