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Deutschland war schon mal ein Fahrradparadies:

„Tabelle 8 zeigt, wie wichtig das Fahrrad als Verkehrsmittel noch in den 50er und Anfang der 60er Jahre war, denn damals fuhren mehr Fahrräder über den Karlsplatz [in München] als Autos. Ähnlich viele Fahrräder gab es auch in anderen Städten. Zählungen an großstädtischen Verkehrsknoten belegen für Mitte der 50er Jahre, dass 70% aller Fahrzeuge Fahrräder waren.“

Die Veränderung war zu dieser Zeit bereits im Gange:

„Um 1900 bewegten sich alle Verkehrsteilnehmenden gleichberechtigt und überall im Straßenraum. Die Straßenbahn war das einzige motorisierte Verkehrsmittel. Im Verlaufe der Zeit nahmen die motorisierten Fahrzeuge immer mehr Platz in Anspruch. Nicht nur die Fahrbahnen wurden für sie verbreitert, sondern viele bisher anderweitig genutzte Flächen zu Parkplätzen für sie umgewidmet. Dieser Prozess begann in den 20er Jahren. In den 50er Jahren wurden erstmals Reglementierungen wie etwa Spurführungen und Abschirmungen für Fußgängerinnen und Fußgänger eingeführt. Die Tendenz der Disziplinierung der Verkehrsteilnehmenden nahm zu, während gleichzeitig durch Häuserabbrüche, Arkaden und Baumbeseitigungen neuer Verkehrsraum geschaffen wurde.“

(B. Schmucki: Der Traum vom Verkehrsfluss: städtische Verkehrsplanung seit 1945 im deutsch-deutschen Vergleich, S. 67f und S. 82)

So gesehen wirkt der Kampf um Pfostenradwege nicht nur nicht besonders radikal, sondern fast schon wie akzeptierende Verkehrsarbeit. Wer wirklich eine Verkehrswende wollte, müsste die Verfügbarkeit von Kraftfahrzeugen einschränken. Das zeigt sich nicht zuletzt im Ost-West-Vergleich: Das Buch vergleicht München und Dresden; in beiden Städten vollzog sich dieselbe Entwicklung, aber in Dresden viel langsamer.

#Fahrrad #Infrastruktur