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tod@s oder todxs


Kaum etwas löst so heftige Diskussionen aus wie Versuche, mehr Geschlechtergerechtigkeit im sprachlichen Alltag zu verankern. Die deutsche Sprache hat es in dieser Disziplin mit all den Sprachsternchen, Binnen-Is und sonstigen Formblüten besonders weit gebracht. Aber auch andere Sprachen kennen Ver-she-bungen. Das englische "she" ersetzt immer häufiger die männliche oder neutrale Form, und im Spanischen wehren sich manche gegen die klassische Regel, dass man weibliche Varianten von Wörtern wie "todas" (alle) nur dann verwenden darf, wenn ausschließlich Frauen gemeint sind, wohingegen bei Anwesenheit nur eines Pimmelträgers, und sei er auch noch so jung, bereits "todos" verwendet werden muss. Das wird dann mit modernen Konstruktionen wie "tod@s" oder "todxs" aufzubrechen versucht. Mehr über all das - auch was andere Sprachen betrifft, weiß dieser Artikel in der FAZ:
Gesellschaft (x)
Diese "todas" Regel gilt auch in Französischen: sobald auch nur ein Pimmel dabei ist, ändert sich die Grammatik zu Gunsten eines imaginär "generischen" Maskulinum....
#firstworldproblems

Hm, in der DDR aufgewachsen, war es absolut neutral ein Maschinen- und Anlagenmonteur zu sein, da man genauso viel verdiente wie als Maschinen- und Anlagenmonteurin.
Als Diplomingeneurin für Landeskultur und Umweltschutz verdiene ich weniger als als Diplomingenieur für Landeskultur und Umweltschutz, nur weil wir uns jetzt in der BRD befinden.
Ich persönlich finde also die Geschlechtsausweisung eher diskriminierend, aber ich trage ja auch Kopftücher, obwohl mein Vorname auch von Elisabeth ab stamnt und mein Nachname einer dunkle Farbe entspringt. *hust*
Was auch immer die Emanzen erreichen wollten, es hat die Gräben in der Öffentlichkeit vertieft und ich persönlich wünsche mir eine neutrale Personenbezeichnung, die absolut männlich sein darf, weil Männer als stark gelten und "stark" sind Frauen auch!

Ja, die DDR war in einigen Dingen definitiv weiter. Gar keine Frage. Und ich bin auch ziemlich sicher, dass schon viele Gendersternchen verschwinden würden, wenn die Bezahlung endlich mal gleich wäre. Wenn auch nicht alle. Es gibt ja auch noch genügend andere Auswüchse des Patriarchats.

Ich finde aber trotzdem gut, nicht mehr in der DDR leben zu müssen. Definitiv wäre ich ziemlich schnell mit diesem "System" in einen unüberwindlichen Konflikt geraten, weil ich viel zu "anders" bin.

Ich wollte auch keineswegs den Eindruck erwecken, in der DDR sei "alles besser gewesen". Kann ich als Wessi auch gar nicht beurteilen. Aber es gab dort halt im Bereich sozialer Einrichtungen einfach schon Dinge, von denen wir in unserem neoliberalen Kaputtstaat meilenweit entfernt sind.

Finnish hat grundsätzlich auch ein gender neutrales Pronomen. interessant finde ich ja, dass es trotzdem einige klar männliche Berufsbezeichnungen gibt. Ist meist historisch gewachsen. Wiki hat ne Liste. Mir ist das persönlich wurscht wie die Leute sich angesprochen fühlen wollen.

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Gender_neutrality_in_genderless_languages

In der DDR wurde einfach behauptet, dass es keine Geschlechterungerechigkeit gäbe. Hinzu kamen Versuche, das gesetzlich umzusetzen. Dennoch war keine Frau in Politbüro und im ZK der SED waren nur sehr wenige.
Das Verleugnen von Problemen war es ja auch, was die Ostregimes hat erstarren und versagen lassen.

In der DDR bekam Mutti jeden Monat einen freien Tag, damit sie sich ordentlich um den Haushalt kümmern konnte. Was sie in dieser Zeit schaffte, musste Vati nicht erledigen, so dass er mehr Zeit für Parteiversammlungen hatte.

Bis ins Politbüro allerdings hätte es auch Vati nicht geschafft, denn dieses war bis zum Schluss mit Vorkriegspersonal besetzt. Für eine vollständig in der DDR herangezogene Führungsschicht bis ganz nach oben wurde dieser Staat – unabhängig davon, wie eine solche dann ausgesehen hätte – gar nicht alt genug.

@Sven Türpe @Hartmut Noack Ja, das habt Ihr hübsch beschrieben. Bedenkt man dann noch, dass die Frau erst in der 70er Jahren eventuell selbst entscheiden durfte, ob sie ihre Bindung zum Neugeborenen leben darf, aber definitiv Assi war, wenn sie das länger als 12 Monate betrieb...
Am Meisten traf mich aber die Erkenntnis, dass ich z.B. nie im Leben mein Kind mit Behinderung hätte bei mir behalten dürfen!
Trotzdem war es leichter mit der männlichen Arroganz umzugehen und damit meine ich nicht per default jeden Mann, sondern eben die wenigen mit dem Pseudohirschgeweih und der riesengroßen Klappe, vor denen man heutzutage nur angesichts so viel heraus gebrüllter Dummheit in Schockstarre verfällt. Seinerzeit waren wir mindestens drei Damen, die den "Hirsch" platt geschnackt haben, der brüllte zwar weiter, aber der Rest der Leute stand dann grinsend da und war erleichtert, dass demjenigen das Geweih gestutzt wurde.

So und ich setz mich jetzt mit "Thema verfehlt" und schweige beschämt. ;-)