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Das Handelsblatt hat ein neues Traumpaar entdeckt


Das #Handelsblatt hat ein neues Traumpaar entdeckt - nämlich Verena #Bahlsen (25), der zu einem Viertel der Megakeks Bahlsen gehört und die Kapitalismus - mit leicht ironischem Unterton - toll findet, und Kevin #Kühnert (29), der sich unlängst als "echter Sozialist" - ebenfalls mit etwas bewusster Überspitzung - outete. Letztlich kämpfen aber beide für eine bessere Gesellschaft und für ein nachhaltigeres Wirtschaften. Wobei sie sich teilweise so ähnlich werden, dass man sie fast schon gerne miteinander verkuppeln möchte. Müssen wir vielleicht einfach mal lernen, die alten Begriffe und Frontlinien aufzubrechen? So verstanden, ist der Artikel im Handelsblatt ja vielleicht ein interessantes Signal.
#Handelsblatt #Bahlsen #Kühnert Gesellschaft (x) Politik (x)
aufbrechen schmaufbrechen.... die Frontlinien von denen immer die gerne reden, die alles beim Alten lassen wollen, hat es in der landläufigen Form nie gegeben. Es gab und gibt soziale Klassen, die ergeben sich aber nicht ideologisch, indem man sich dafür entscheidet, "Kapitalist" oder "Proletarier" zu sein, sondern aus ganz simplen sozialen Tatsachen.

Das bedeutet einerseits, dass es einen zwangsläufigen Gegensatz zwischen Kapital und vom Kapital abhängiger Arbeit gibt und andererseits, dass es völlig abwegig und unterkomplexer Unsinn ist, diese Tatsachen persönlich zu nehmen. Viele Proleten finden den Kapitalismus ganz toll und halten sich ernsthaft selber für Kapitalisten, weil sie mit drückenden Kreditlinien für Investorengewinne in einem "eigenen" Betrieb schuften. Und viele Kapitalisten mit eigenem Kapital sehen durchaus die Probleme des Kapitalismus und sind auch bereit, selbst Abstriche hinzunehmen, um die Situation zu verbessern.

Das eine ist das sozioökonomische System, etwas anderes sind Menschen, die sich in diesem System so oder so verhalten.

@Hartmut Noack Verstehe, was du meinst. Wenn man ein System ändern will, tut man das nicht dadurch, indem man Menschen dazu bringt, ideologische Gräben zu überwinden. Andererseits braucht man kluge und vorbildhafte Menschen, wenn man etwas ändern will. Denn von alleine ändert sich so was wie der heute wütende Kapitalismus nicht. Da wir aber alle Teil davon sind (es sei denn, wir leben völlig autark - aber wer hier mitlesen kann, benutzt bereits Geräte, durch die er nicht mehr autark ist), können wir das nur von innen heraus ändern. Also mit anderen Menschen, die ebenfalls Teil davon sind, die in welcher Rolle auch immer selber darin gefangen sind, aber den Willen zum Ändern haben. Und so gesehen macht eine innersystemische Kräftebündelung wieder Sinn.

@Stefan Münz Marx hatte den ganzen Kladderadatsch seinerzeit recht sachlich analysiert und seine Idee war, das existierende kapitalistische System durch ein grundsätzlich anders konstruiertes zu ersetzten.
Er war dabei weise genug, diese Alternative, den Socialismus/Communismus, sehr vage zu halten.
Eigentlich hat er nur vorgeschlagen, was so ein System grundsätzlich bewirken sollte und einige ebenfalls sehr abstrakte Eigenschaften. Im Grunde nicht mehr als die Ersetzung des Privateigentums an Produktionsmitteln durch igendein Gemeineigentumskonzept, das er nie konkret beschrieben hat.

Es ist nämlich sehr sehr kompliziert, ein System zu entwickeln, das nicht nur anders, sondern besser als der shyce Kapitalismus ist. Einfache Lösungen gibt es nicht. Ich denke inzwischen auch, dass revolutionäre Lösungen im klassischen Sinn von "Umsturz -> Neue Welt innerhalb von 3 Wochen" nicht funktionieren und mehr Schaden als Nutzen stiften.
Ich denke auch, dass wir uns solche Kapriolen nicht leisten können, im Angesicht des Klimaproblems könnte ein fehlgeschlagener Versuch katastrophal werden. Im Sinne von "apokalyptisch katastrophal".

Ich bin ein ganz ekeliger, langweiliger, verräterischer Reformist. Ein demokratischer Sozialismus, also die sozialdemokratische Variante des Ordoliberalismus im Stil von Eucken scheint mir ein sehr erstrebenswertes Ziel zu sein.

Und für Reformen benötigt man natürliche Gegner, die bereit sind, einzusehen, dass sie sich selbst einen Gefallen tun, wenn sie einschneidende Reformen akzeptieren, die ihre Vorteile reduzieren zum Wohl des Ganzen.

Typen wie diesen hier:


@Hartmut Noack Ich bin da ja gar nicht so weit weg von dir, auch wenn ich gerne mal zu "revolutionärem Vokabular" neige. Ich bin kein Freund von blutigen Umbrüchen, nur von notwendigen, und die auch so human wie möglich. Derzeit stehen wir an der Schwelle zu einem solchen notwendigen Umbruch. Viele spüren das (und darum drehte sich ja auch die Rede von Sascha Lobo auf der rp19). Die Frage ist: wollen wir den Umbruch irgendwie selbst gestalten, oder machen wir einfach so weiter, bis entweder das Finanzsystem oder die gewohnte Umwelt crasht. Problem dabei: dann wird es richtig ungemütlich, und wahrscheinlich auch blutig.

Ich glaube, dass man den Umbruch gestalten kann. Allerdings muss man dazu einen einigermaßen breiten Konsens finden. Alle machen nie mit. Die 20-25% strammen Ewiggestrigen muss der Rest leider in Schach halten und ertragen. Aber wenn der Rest mal so halbwegs in die gleiche Richtung tendiert, dann gelingt so was. Deshalb sind mir Ansätze, um unterschiedliche Denkrichtungen zu bündeln, so wichtig. Solange alles glatt läuft, habe ich nichts gegen eine gemütliche Diversifikation von Ansichten und Überzeugungen. Aber derzeit ist eine Situation, in der meines Erachtens keine Zeit und kein Platz ist für feine Unterschiede.

Ich glaube ferner, dass dieser "breite Konsens" allmählich auch durchaus Konturen annimmt. Es geht dabei durchaus nicht um Bekämpfung von wirtschaftlichem Erfolg. Wohl aber um die Bewertungshoheit darüber, was wirtschaftlicher Erfolg ist und was nicht. Derzeit ist wirtschaftlicher Erfolg alles, was für die Kapital-Investoren Geld abwirft. Wenn wirtschaftlicher Erfolg jedoch das wäre, was am nachhaltigsten, schonensten und gleichzeitig am effektivsten und angenehmsten wäre, dann würden ganz andere Player zu den Gewinnern gehören, und die deutsche Automobilindustrie würde ab der unteren Management-Ebene bis nach oben komplett ins Gefängnis wandern. Außerdem plädiere ich auf eine Umorientierung der Wirtschaft dahingehend, dass wieder die Nachfrage das Angebot bestimmt und nicht - wie derzeit - das Angebot mit immer irrwitzigeren Tricks versucht, künstlich eine Nachfrage zu generieren. Diese Änderungen gehen aber nicht ohne politisch gewollte und erzwungene Regulierung. Mit dem gegenwärtigen Copy&Paste-Doktoren-Kabinett ist das jedenfalls nicht zu schaffen.

Danke übrigens für den Link zu dem TED-Talk. Durchaus erfrischend! Und ja - würde ich auch so sehen: Wenn man den ganz normalen Leuten mehr Zeit und Muße und Geld zum Leben lässt, dann generieren sie auch die Nachfrage für eine gesunde Wirtschaft.

@Stefan Münz
"Ich glaube ferner, dass dieser “breite Konsens” allmählich auch durchaus Konturen annimmt."

Finde ich gut, dass Du das auch sehen kannst. Es geht eben nicht dauernd bergab. Es gibt Rückschläge wie die neoliberale Revolution oder den Wahlsieg Trumps aber es gibt auch Fortschritt wie eben die Einsicht, dass der Kapitalismus auf Dauer nicht so weitergehen kann und dass so langsam wirklich etwas gegen die Umweltzerstörungen der Wirtschaft unternommen werden muss.

Dass es scheinbar "immer mehr" Klimawandelleugner gäbe, ist nicht ganz richtig: je mehr sich die Notwendigkeit zum Ziehen von Konsequenzen abzeichnet und je mehr das auch von den "Eliten" eingesehen wird, desto mehr Grund haben die, die diese Konsequenzen nicht ziehen wollen, sich zur Wehr zu setzen.
Aber wie Du ganz richtig bemerkst: es zeichnet sich ein Konsens ab, der in Richtung Vernunft zeigt. Die Vernunft wird sich durchsetzen. Wie lange das noch dauert, wird man sehen.

In Ermangelung der Möglichkeit, einen Diaspora-Kommentar mit einem erhobenen Daumen zu versehen, dann eben so: 👍