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Lindner vs. Neubauer


Christian Lindner fällt ja vor allem gerne durch provokative Bemerkungen auf, mit denen er auf Schenkelklopfer bei Leuten hofft, die es lieben, mit ihrem deutschen Qualitätsverbrenner mit zweihundert Sachen immer auf der linken Spur zu rasen. Und die Plakate seiner Partei bemühen sich, die Konkurrenz mit grellen Neonfarben auszustechen.

Um so verwunderlicher ist dieses Machwerk: ein Zwiegespräch zwischen Lindner, der die streikenden Schulkinder anfangs wie kaum ein anderer verunglimpfte, und der deutschen Frontfrau von Fridays for Future, Luisa Neubauer. Keine Konfrontationen im hektischen Twitter-Format, sondern ein produktiver, auch in Details gehender Auseinandersetzungsversuch in Spielfilmlänge. Und nicht in Neonfarben, sondern in hoch-ästhetischem Schwarzweiß. Oder sollte ich sagen: in fifty shades of gray?

Wie auch immer - in der aktuellen, eher auf Konfrontation gebürsteten Atmosphäre rund um das Klima-Thema eine interessante Ausnahme, dieses Gespräch.

Klima (x) Medien (x) Politik (x) Video (x)
Interessanter Podcast. Christian Lindner hat da wirklich noch viel Lernbedarf, auch wenn er durch rhetorische Tricks versucht gut da zu stehen, scheitert er dann doch meistens. Respekt vor Luisa Neubauer, sie scheint da tatsächlich politisch informierter zu sein, als ihr Gesprächspartner.

Ich finde aber, dass auch Lindner durchaus seine Positionen glaubhaft verdeutlichen kann. Wogegen er aber definitiv kein Rezept hat, ist die Dringlichkeit des Problems. Stattdessen möchte er aus den restlichen 7 Gigatonnen CO2, die Deutschland noch zur Verfügung stehen, wenn es das Pariser Klimaabkommen einhalten will, ein monolithisches Ziel machen und es dann der Wirtschaft überlassen, die besten Wege zu finden, das zu erreichen. Klingt eigentlich erst mal gar nicht so schlecht. Das Problem ist nur: die Wirtschaft schert sich nicht drum, wenn sie als Ganzes dieses Ziel nicht erreicht. Dann hat sie es eben nicht erreicht, Pech. Wenn keiner da ist, der Unternehmen dafür bis hin zur Enteignung bestraft, passiert da nichts.

Wo ich Lindner dagegen sehr überzeugend finde, ist der Punkt der Technologie-Offenheit. Eine einseitige Förderung von E-Mobilität schließt Alternativen für CO2-neutrale Fortbewegung aus oder benachteiligt sie. Lindner argument da - zumindest aus heutiger technischer Sicht - finde ich durchaus glaubhaft, wenn er sagt, dass LKWs in Zukunft wohl eher mit Brennzellen/Wasserstoff fahren werden, und dass der Flugverkehr am ehesten CO2-neutral wird, wenn er auf synthetischen Kerosin-Ersatz umsteigt.

Insgesamt finde ich dieses Gespräch deshalb so wichtig, weil die Kontrahenten ihre unterschiedliche "Ideologie" offenlegen, sich deswegen aber nicht gleich gegenseitig abschlachten wollen. Wann immer mal in Zukunft eine Koalition "grün-gelb" - sei es als Ampel oder als Jamaica - im Raum steht, kann ich dieses Gespräch als Verständnisgrundlage nur empfehlen. Man sieht sehr deutlich die Gemeinsamkeiten (Offenheit gegenüber neuen, saubereren Technologien), aber eben auch die Unterschiede (was muss wann wie stark reguliert werden).

Wo ich Lindner dagegen sehr überzeugend finde, ist der Punkt der Technologie-Offenheit. Eine einseitige Förderung von E-Mobilität schließt Alternativen für CO2-neutrale Fortbewegung aus oder benachteiligt sie.


Im Prinzip ja, aber bei Kohlekraftwerken versus alternativ Energien vertritt er dann plötzlich eine total gegenteilige Meinung. Er dreht es sich hin, wie er es gerade im Kontext für sich gebrauchen kann und versucht diese "Die Wirtschaft wird das schon irgendwie selbst verpflichtend regeln". Nur etwas verklausulierter.

Wie gesagt finde ich den Podcast sehr interessant. Was mich ein wenig gewundert hat ist, dass er online ist. Wenn man genau hinhört, ist das eher eine Anti-FDP Werbung.

Ich habe nur mal, mangels Zeit, etwa 15 Minuten quergeschaut. Dass Lindner hier weniger gut rüberkommt als Neubauer, konnte ich da nicht feststellen. Mein subjektives Empfinden war da eher gegenteilig. Aber wie schon geschrieben - das beruht nur auf punktuell Gesehenem/Gehörtem.

Grundsätzlich finde ich dieses Format aber sehr gut - und vor allem: SEHR WICHTIG! Hierbei geht mir es gar nicht so ums Thema selbst, sondern um den Dialog und Gedankenaustausch auf Augenhöhe als solchen. In den letzten 5 Jahren haben sich hier regelrecht Abgründe etabliert, die wir schnellstens überwinden müssen, damit die Gesellschaft nicht völlig auseinander reißt.

Und wieder gibt es Leute, die nicht gerafft haben, dass Lindner und Neubauer in dem "Streitgespräch" exakt dieselben Positionen vertreten haben - nur Neubauer es nicht gerallt hat und auf Konfrontation gegangen ist.

Exakt die gleichen Positionen bestimmt nicht. Lindner will alles dem freien Markt überlassen und lediglich das "Restguthaben an CO2" politisch vorgeben. Neubauer will dagegen den Markt stark regulieren (genauer gesagt sogar völlig umdefinieren, was Marktziele betrifft), um die Klimavorgaben einzuhalten.