Skip to main content


 

Sommerferienkurs in Greta-Dialektik


Was kann der einzelne tun? "Man kann in seinem persönlichen Leben so kleine Dinge tun, wie aufhören zu fliegen, Veganer werden, aufhören zu shoppen und so weiter", sagt sie "Aber wir brauchen eine Systemveränderung. Die werden wir nicht bekommen, wenn wir uns nicht auch persönlich ändern."

OK, mal genau auseinander dividieren, diese Aussage. Denn hier geht es nicht um irgendwelches Stammtischgeplauder, sondern um die sprichwörtliche Gretchenfrage, Der Text in Anführungszeichen oben stammt von Greta Thunberg. Antwort auf die anfängliche Frage. Gestellt von einem #ARD-Team der #Tagesschau, das wahrscheinlich extra nach Stockholm geflogen ist, um mal zu schauen, ob Greta freitags auch in den Sommerferien an ihrem Stammplatz vor dem schwedischen Parlament auftaucht (tat sie - deshalb das Interview).

Also:
1. Wir können was bewirken, wenn wir unsere privaten Gewohnheiten ändern (Verkehr, Ernährung...)
2. Das allein reicht aber nicht. So ziemlich alle politischen Rahmenbedingungen müssen geändert werden, damit die klimarettenden Forderungen wirksam werden.
3. Eine solche Änderung politischer Rahmenbedingungen können aber nur Menschen stemmen, die das alles schon so ernst nehmen, dass sie privat ihre Konsequenzen gezogen haben (siehe 1.).

Verstanden, die Dialektik?
Muss "Von Kai Schlüter, ARD-Studio Stockholm" wirklich nach Stockholm fliegen? Flugtaxi?

SCNR

OK, 1:0 für dich, wenn der wirklich in Stockholm weilt :-)

Ich glaube 3. ist nicht korrekt. 3. ist eher ein Hemmschuh.

Naja, aber Authentizität wäre halt der Schlüssel für einen neuen Typus von Politiker. Wasser predigen und Wein saufen, das haben wir schon. Oder Labern und weiter nichts tun. Nur wer so etwas wie Klimaschutz persönlich ernst nimmt, hat letztlich auch den Mut politisch entsprechend zu handeln. Klar wär das lustig, wenn alle Politiker nur noch mit dem Zug fahren und Flüge zu entfernten Kontinenten explizit beantragen und begründen müssten. Aber tatsächlich lässt sich vieles auch per Videokonferenz lösen (nicht alles - manche Flüge wären wohl unvermeidbar), und der Druck auf die technische Entwicklung klimaneutraler Flugantriebe würde endlich steigen.

@Stefan Münz Das Problem ist doch, man muss es wollen und tun. Schau doch mal, wie viele ihren Urlaub verbringen: Schön mit dem Flieger WEIT in den Süden. Selbst Strecken HamburgMünchen werden geflogen, weil man ja Zeit spart.
Wir alle müssen unsere Prioritäten neu sortieren. Und um unsere Lethargie zu überwinden muss die Politik regelnd eingreifen.

@Stefan Münz Es gab da einen schönen Artikel, dererklärte, dass die Sklaverein nicht abgescafft wurde, weil alle sagten: Ach nee, geht heim, Leute. sondern weil es eben Gesetz wurde. Die Zahl der Raucher sinkt, weil die Steuer stieg. Etc. D.h. ich kann sagen 'OK, ich fliege gelegentlich, fände es aber OK, wenn Flüge teurer werden, dann fahr ich wieder meine Bahncard 50 weiter ab ..." Nisa Neubauer (sp?) sagte ebben genau das in nem Interview das ich heute als Podcast hatte (Interview der woche irgedwo, SWR2 oder DLF?): entscheidend ist nicht die persönliche Ethik bzw Verhalten sondern die Infrastruktur, die uns dann schon zum anderen Verhalten 'nudged'. Dass einzelne 'gute Entscheidungen' treffen sei prima, das reisst es aber nicht raus.

Die Ethik der Einzelnen reißt es nicht raus - da stimme ich völlig überein. Die politischen Rahmenbedingungen sind letztlich viel wichtiger und entscheidender. Aber: die Änderungen, die jetzt nötig wären bei den politischen Rahmenbedingungen, sind so einschneidend für viele Menschen und Lebensbereiche, dass sich da kein Politiker rantrauen wird, der das alles nicht selber wirklich lebt. Sieht man ja: da kommt nichts, weil jeder von denen weiß, dass es auch stark an die eigenen Gewohnheiten im gut verdienenden Wohlstand gehen würde. Mit Akteuren, die das alles selber innerlich gar nicht wollen, ist das einfach nicht zu machen. Das wollte ich sagen, und so habe ich Punkt 3 der Greta-Dialektik verstanden.

Freitag ist Ferienbeginn, der Kölner Flughafen verstärkt das Personal, um dem Massenansturm Herr zu werden...

Ich habe ja zumindest die Hoffnung, dass es in zahlreichen Familien derzeit ziemlich kracht, weil FfF-affine Tochter oder Sohn plötzlich nicht mehr mit will nach Teneriffa, Kreta oder Ägypten. Und ihren Eltern auch erklären, warum.