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Die Maeva-Trilogie

Derzeit stecke ich mitten in der Lektüre einer Roman-Trilogie, genauer gesagt, etwa knapp vor der Hälfte des zweiten der drei Bände. Der Autor, Dirk C. Fleck, ist kein typischer Belletrist, sondern eigentlich ein Journalist, der sich jedoch irgendwann immer intensiver mit Umwelt-Themen befasste, woraus schließlich diese Erzähl-Trilogie hervorging.

Der erste Band, Das Tahiti-Projekt, spielt im Jahr 2022. Der Text selber wurde 2008 veröffentlicht. Er handelt davon, dass die Südsee-Inselgruppe Tahiti sich aus der internationalen Staaten- und Wirtschaftsgemeinschaft zurückzieht und sich weitgehend unbemerkt eine neue, ökosoziale Verfassung gibt. Ein weiser junger Mann, der den Umdenkprozess wesentlich befeuert hat, wird für die ersten zehn Jahre zum Präsidenten gewählt. Unter seiner Herrschaft wird Tahiti komplett umstrukturiert. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu erneuerbaren Energien und natürlichen Bau- und Produktionsstoffen werden umgesetzt. Dazu kommt ein bedingungsloses Grundeinkommen, eine Geldwirtschaft mit "rostendem Geld" nach dem Vorbild des "Wunders von Wörgl", sowie eine Rückbesinnung auf erfolgreiche Praktiken und Erkenntnisse aus der indigenen Tradition des Landes.

Kurz bevor die zehnjährige Herrschaft des Präsidenten zuende geht, lädt dieser etwa 50 renommierte Journalisten aus aller Welt für mehrere Wochen ein, damit diese sich ein Bild von den Veränderungen machen und darüber berichten können. Unter ihnen ist auch ein für ein englisches Skandalblatt schreibender Journalist namens Cording, aus dessen Perspektive der ganze Roman schließlich auch geschrieben ist. Zwar nicht in Ich-Perspektive, aber dennoch wird letztlich das erzählt, was er erlebt. Cording ist ein Zynist des Typs "eigentlich Weltverbesserer, aber es geht halt alles in die falsche Richtung", der sich in die Brandherde der zunehmend kriselnden Welt begibt, um dort investigativ zu berichten. Als er einen Burnout zu bekommen droht, schickt ihn sein Chef als Vertreter seines Blattes nach Tahiti.

Bei der Einführungsveranstaltung bekommen allen eingeladenen Journalisten einheimische Begleiter(innen) zugewiesen, die den Journalisten das Land, die Technologien und alles erklären und ihnen bei Fragen mit Rat zur Seite stehen sollen. Cording bekommt eine auffällig hübsche junge Frau zugewiesen - wie sich herausstellt, ist es die Schwester des Präsidenten, der er zunächst eher aus dem Weg geht, aber so ähnlich beginnen ja Liebesgeschichten oft. Während sich die beiden also allmählich näher kommen, erfährt man viele, viele Details aus dem neuen, ökosozialen Alltagsleben der Tahitianer. Maeva, so der Name der jungen Frau, zeigt Cording Dinge wie z.B. eine on-demand-Magnet-Schwebebahn, Straßenbelag auf Pflanzenbasis und fahrende Geschäfte, die durch die Dörfer tingeln. Nach der gemeinsam organisierten, spektakulären Vertreibung einer amerikanisch-chinesisches Bohrplattform, die illegal in tahitianischen Gewässern errichtet wurde, folgt am Ende Maeva als neue Präsidentin des Landes ihrem Bruder nach, und Cording, der zwanzig Jahre ältere Haudegen an ihrer Seite, erhält die tahitianische Staatsbürgerschaft, eine Ehre, die so gut wie keinem Fremden sonst zuteil wird.

Im zweiten Band, Das Südsee-Virus, ist Maeva längst zur Ikone geworden. Dieser Band spielt im Jahr 2028. Nachdem die Journalisten alle über das Wunder von Tahiti berichtet hatten, befeuerte das weltweit den Widerstand gegen die Auswüchse des Kapitalismus. Dieser war angesichts zunehmender Folgen des Klimawandels längst kein unterdrückbares Randphänomen mehr. Besonders kleinere Entwicklungsstaaten mit einer ähnlichen kolonialen Historie wie Tahiti bildeten eine neue Staatengemeinschaft namens URP als bessere Konkurrenz zur müden und den alten Ausbeuterstaaten zu sehr verpflichteten UN. Maeva wird zur Präsidentin der URP gewählt und begibt sich auf eine Weltreise, um weiter für die Tahiti-Lösung zu werben.

Da bin ich jetzt gerade am Lesen. Lasse mich überraschen, wie es weitergeht. Ich freue mich auch schon auf den dritten Band, Feuer am Fluss, der 2035 spielt. Die alten kapitalistischen Pseudo-Demokratien kollabieren endgültig. Helfer aus den mittlerweile nach dem Vorbild von Tahiti neu entstandenen ökosozialen Staaten versuchen, im Chaos des Zusammenbruchs der alten Industrien und Konsumgesellschaften für neue Hoffnung zu sorgen.

Die Bücher gibts als Print im Buchhandel, als Hörbuch und als EBooks (z.B. Kindle). Weitere Infos auf der nachfolgend verlinkten Website.
Die Maeva-Trilogie
Gesellschaft (x) Klima (x) Medien (x) Politik (x) Technik (x)
klingt nach einer schönen Utopie... Werde ich mir auch mal auf den Zettel packen.

In der Realität allerdings würde ein Staat, der so etwas auch nur versuchen würde, von außen durch Propaganda sowie wirtschaftlich oder ggfs. auch militärisch (und sei es durch "Terroristen") so dermaßen zerrüttet werden, dass die Sache schleunigst eingestellt wird, bevor die eigene Bevölkerung rebelliert. DANN wäre dieser Staat eine Ikone, nämlich als mahnendes Beispiel dafür, dass alles was nicht Kapital-hörig ist, zum Nachteil aller und somit zum Scheitern verurteilt ist. 😭
Sei da mal nicht so sicher. Beispiel: Buthan. Es gibt durchaus schon solche Aussteigerstaaten. Und bei Tahiti würde aus heutiger Sicht wohl auch kein Hahn danach krähen. Solche Staaten mit überschaubarer Bevölkerung und Fläche haben durchaus das Potential, schneller als alte, träge Industriestaaten eine geniale Wende zu schaffen und dadurch zu neuen Vorreitern zu werden. Nur mit altem Schamanentum geht das nicht. Es ist die Mischung aus dem Mut, auf neueste Öko- und Digitaltechnologien zu setzen, in Verbindung mit einer indigenen "Erdung".
Das wäre wünschenswert, zumal man dann tatsächlich (endlich) mal ein Beispiel hat und die ständig gepredigte "Alternativlosigkeit" ad absurdum geführt würde. Dennoch glaube ich nicht, dass so etwas gleich in welcher Größenordnung Erfolg haben darf, aus eben diesem Grund. Man darf gespannt sein. ;)
klingt interessant, das kommt auf meine liste .. danke für den tipp..