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Das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium und die Bußgelder



Quelle: Wikimedia Commons

Das ist das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in München-Bogenhausen. Der Rektor dieser Schule, Wolfgang Hansjakob, hat nun bekannt gegeben, dass seine Schule in Zukunft #Bußgelder an Eltern von Schülerinnen und Schülern der Schule versenden wird, die an den Demonstrationen von #FridaysForFuture teilnehmen. Weitere Münchener Schulen sollen sich angeblich bereits dieser Ankündigung angeschlossen haben.

Die Informationen dazu entstammen einer Tageszeitung, die ich aufgrund von #Artikel11 und #Artikel13 nicht mehr verlinke oder zitiere. Wer Interesse hat, kann in einer Suchmaschine des Vertrauens danach suchen.

Ich würde mich freuen, wenn sich dazu eine Diskussion entspinnt (nicht nur hier, sondern überall, wo diese Meldung gepostet wird) über:
- die juristische Einschätzung/Zulässigkeit solcher schul-individuellen Bußgelder
- die davon ausgesehenden Signale zum Demokratieverständnis des Schulleiters
- kreative Ideen zur "Lösung" des Problems

#Schule #München #Bayern #WilhelmHausensteinGymnasium
@Rainer "diaspora" Sokoll kann was dazu sagen, wie das am anderen Ende der Republik gehandhabt wird.

Aber der Rektor des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums wäre bei mir unten durch, wenn mein Nachwuchs dort in der Schule wäre. Man könnte ja auch Bußgeldbescheide an die Schulen schicken, wegen ausgefallenen Unterrichts. Da verletzen die Schulen massiv Ihren Bildungsauftrag und das schert auch keinen.

Leider war es vorauszusehen das irgendwelche Amtsschimmel mit solcher Korinthenkackerei ankommen.

Bislang brauchen unsere Kinder (10, 12) eine elterlichen Freistellungsantrag, der positiv beschieden wird.
Diesen Freitag, so Demo ist, will ich einen Tag Urlaub nehmen und mit den Kindern zur Demo.

@Rainer "diaspora" Sokoll Es gibt da ganz unterschiedliche Lösungen. Gerade vorhin habe ich auch vernommen, dass es bei einer Schule reicht, wenn die Eltern eine normale Entschuldigung für das Fehlbleiben schreiben und dieser ein Selfie des Schülers oder der Schülerin von der Demo beifügen.
Das Problem ist zum einen, dass der Schulkram Ländersache ist. Es wird also schwierig, da überhaupt zu einer bundesweiten Regelung zu gelangen, geschweige denn zu einer übernationalen. ABER: Ländersache bedeutet meines Erachtens auch, dass die Länder da gefordert sind und es gar nicht dazu kommt, dass einzelne Schuldirektoren das zu entscheiden haben. Doch die Kultusminister hüllen sich in Schweigen, so weit mir bekannt.

Es ist für alle Schulen eine Gratwanderung. Stichwörter sind wohl Versicherungsschutz und Aufsichtspflicht.

Könnte man nicht einfach die Lehrer mit zu den Demos schicken und das Ganze als Ausflug im Rahmen eines Schulfachs definieren? Klar mit solchen Böcken wie dem im Artikel beschriebenen wird das nur schwerlich gehen.

Das als Ausflug zu deklarieren - so weit ich es aufgeschnappt habe, ist das auch schon vereinzelt so geschehen. Das Problem ist nur: das mit der "Klima-Exkursion" klappt einmalig wunderbar, aber nicht Freitag für Freitag. Irgendwann muss man dann schon das Kind beim Namen nennen.

Es ist jede Schule individuell, das sind alles Einzelfall Entscheidend

@Christoph S Es gibt durchaus gute Gründe dafür das so zu sehen wie du es beschreibst. Jede Schule ist anders, hat einen eigenen "Stallgeruch", ein eigenes Mikroklima. Insofern könnte man sagen, es ist ein Zeichen von Sensibilität, die Entscheidung darüber den Schulen zu überlassen.

Doch was, wenn die Mehrheit der Schüler und Eltern anders denkt als ein bornierter Schuldirektor mit AfD-Neigungen und drei Dieselautos vor der Villa? Wer ist letztlich "die Schule"?

Hier übrigens noch ein Zitat, das man in diesem Zusammenhang finde ich ebenfalls kennen sollte:

Bild/Foto

Allerdings bleibt mir offen: Wie soll eine Schule, selbst wohlgeneigt, damit umgehen, wenn Schüler regelmäßig jeden Freitag dem Unterricht fern bleiben?

Ich weiß es auch nicht. Wäre ich ein wohlgeneigter Direktor einer Schule, würde ich vielleicht versuchen, beim Schulamt eine Versicherung zu erwirken, dass ich/meine Schule nicht belangbar sind, wenn es während der Streiks zu Unfällen, Gewalt oder sonstigen Problemen kommt, für die meine Schule haftbar gemacht werden könnte. Denn alles andere ist Einstellungssache.

Es gibt durchaus gute Gründe dafür das so zu sehen wie du es beschreibst. Jede Schule ist anders, hat einen eigenen “Stallgeruch”, ein eigenes Mikroklima. Insofern könnte man sagen, es ist ein Zeichen von Sensibilität, die Entscheidung darüber den Schulen zu überlassen.
Ich glaube es gibt hier auch rechtliche Zwänge. Die Kultusministerien tun also vielleicht gut daran die Füße still zu halten, denn wegen der allgemeinen Schulpflicht können/dürfen sie das wahrscheinlich (I'm not a lawyer) nicht abnicken, aber weggucken können sie und das ist dann vielleicht schon das Höchste der Gefühle.
Doch was, wenn die Mehrheit der Schüler und Eltern anders denkt als ein bornierter Schuldirektor mit AfD-Neigungen und drei Dieselautos vor der Villa? Wer ist letztlich “die Schule”?
Akkute Lösung: Die Schüler nicht mehr entschuldigen und auf dem Zeugnis über die 130 Fehlstunden gemeinsam lachen.
Langfristige Lösung: Schule wechseln! Ich meine… selbst wenn der Schulstreik beendet wird (was ja soweit ich weiß der Fall ist sobald Deutschland seine Klimaziele erreicht oder realistisch erreichen kann, also ggf. schon morgen), dann will man doch eigentlich nicht, dass sie weiterhin auf eine Schule mit diesem Schulleiter gehen oder?
Hier übrigens noch ein Zitat, das man in diesem Zusammenhang finde ich ebenfalls kennen sollte:

Da Schüler in der Schule eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, handelt es sich genau genommen nicht um einen Streik im konventionellen Sinne, sondern um einen Boykott.
(Wikipedia cc-by-sa)
Nein, Schule ist weder das eine noch das andere, es ist irgendwas eigenes, irgendwas anderes. Als Schüler hat man nicht die Rechte (und Pflichten) wie ein Arbeitnehmer, aber wäre es eine Dienstleistung, dann hätte man ja auch Rechte (und Pflichten) wie ein Kunde.
Und was soll ich sagen, als ich zuletzt Schüler war hatte ich mitnichten den Eindruck, dass die Mitarbeiter dieser Schule mich für einen Kunden halten geschweige denn so behandeln würden.

Ich hatte vor einiger Zeit mal ein gute juristisch Analyse der Justizministerin Oder so gelesen, die sagte dass es jede Schule einzeln und im Prinzip jeden Fall einzeln prüfen muss.
Leider finde ich den link nicht mehr. Das hier geht in die gleiche Richtung.

https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/fridaysforfuture-schueler-demonstration-grundrechte-sanktionen/

Das vorliegende Rechtsgutachten untersuchtdie Grenzen des (deutschen) Ord-nungswidrigkeitenrechts bezogen auf schulische Abwesenheiten im Zuge der Fridays-for-Future-Bewegung. Dabei wird besonders auch der verfassungsrecht-liche Rahmen im Zuge des Klimawandels in die Betrachtung einbezogen, ebenso wie die Reichweite der weithin übersehenen oder verkannten –völkerrechtlich verbindlichen –Zielstellungen des Paris-Abkommens. Eine wichtige Rolle spielt insoweit auch das Verhältniszum Vorsorgeprinzip sowiezum gebotenen Men-schenrechtsschutz von Leben und Gesundheit im Zeichen des Klimawandels.
http://www.sfv.de/pdf/FFFOWiGEkardt.pdf

Danke @Santosh, ein sehr interessantes Dokument. Zwar sind die Schlussfolgerungen einer solchen Expertise natürlich absehbar, wenn sie von einer Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik beauftrags wird. Aber immerhin werden darin mal die für eine Anwendung in Frage kommenden Rechtsparagrafen genannt, und das Ganze liest sich angenehm unaufgeregt, verglichen mit den Diskussionen allerortens :-)

Eine Bank springt ein:

Eine Bank springt ein
Naja, das ist ja nun auch eine Bekloppte Lösung.