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Global Striking - die Idee der Schülerproteste weitergedacht


Das Keimform-Blog geht mit dem Gedanken schwanger, ob es nicht sinnvoll wäre, die Schülerproteste #FridaysForFuture auf die arbeitende Bevölkerung auszudehnen. Also einfach Freitags auf die Straße gehen statt in die Betriebe oder Behörden. Der Gedanke leuchtet ein: die Wucht, welche die Schülerbewegung angenommen hat, ausnutzen und das tun, was die #Aufstehen Bewegung eigentlich wollte: nämlich breiten gesellschaftlichen Druck gegen die neoliberale Politik und ihre Folgen aufbauen. Und mit "etwas weniger Auto fahren und weniger Fleisch essen" allein ist es auch noch nicht getan. Es braucht andere, neue wirtschaftliche Zielwerte als Quartalsgewinne und Shareholder-Renditen. Und eine Betriebswirtschaft, die sich den Interessen der Volkswirtschaft untergeordnet ist. Dann wird auch eher der Weg frei für den raschen Durchbruch neuer Technologien, mit denen sich die Klimaziele von Paris vielleicht noch annähernd erreichen ließen.

Die Frage ist natürlich, wie das mit dem Streikrecht (in Deutschland: Arbeitskampfgesetz) vereinbar ist. Denn es ist ja kein Arbeitskampf um Tariflöhne oder Arbeitszeiten, sondern um etwas Größeres, Allgemeineres. Und einfach blau machen, so wie die Schüler, einfach Tatsachen schaffen? Das werden sich wahrscheinlich nur wenige trauen, zu wenige. Trotzdem: der Gedanke hat was.

Keimform: Der globale Streik als globales Commoning

#FridaysForFuture #Aufstehen Gesellschaft Politik

Ich bin da aus mehreren Gründen skeptisch. Erstens, weil hierauf sehr wahrscheinlich eher mit staatlicher Gewalt reagiert werden wird und selbst bürgerkriegsähnliche Zustände daraus entstehen könnten. Zweitens, weil es nicht an den eigentlichen Ursachen ansetzt.

Und gerade das “weniger Auto fahren und weniger Fleisch essen” geht in die richtige Richtung. Man muss das nur konsequenter denken, dann erkennt man darin auch die Möglichkeiten, das jetzige Wirtschaftssystem von der Basis her zu transformieren. Dieses ist schließlich das eigentliche Hauptproblem bei der ganzen ökologischen Problematik (Klima ist hier nur ein Teilproblemchen davon - das geht leider momentan arg in der Diskussion unter).

@Ulli Gabsch Stimmt.
Aber mit einer Streiksituation steht man mit anderen Menschen im direkten Kontakt und ich persönlich finde immer schön zu hören, wie andere Menschen solche Sachen für sich umsetzen. Mir hilft das, mein eigenes Handel für mich persönlich zu verbessern, alleine ist man ja doch recht eingeschränkt in seiner Sicht auf die Dinge.
Die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die Du erwähnst, möchte ich auch nicht haben, danke dass Du daran erinnert hast, dass es dazu kommen kann.

Der Freitagsstreik for Future dürfte einfach daran scheitern, dass die streikenden Arbeitnehmer (anders als die streikenden Schüler) mit Konsequenzen ihres Verhalten rechnen müssen. Das Verhalten der Schüler wird von Eltern, Lehrern und Politikern wohlwollend betrachten, entsprechend müssen sie mit keinerlei Nachteilen rechnen - alle, mit der Macht dazu, sie zu bestrafen, sind auf ihrer Seite. Im Gegensatz dazu müssten streikende Arbeiter auf ihr Gehalt verzichten, denn wenn die Chefs mehr Umweltschutz wollten, würden sie ihn einfach im Betrieb umsetzen, ohne dass ihre Beschäftigten streiken. Streikgeld gäbe es auch nicht, denn eine Gewerkschaft, die hierfür Streikgeld zahlt, würde sofort von Entschädigungsklagen finanziell ruiniert.

Abgesehen davon dienen diese ganzen Friday for Future Demos doch eh nur dem Greenwashing von Medien und Politik. Angela Merkel, die die Demos so wohlwollend unterstützt, hat massiv Umweltgesetze verschlechtert und ausgebremst (und nutzt vermutlich gerade diese Demonstrationen als Deckung, um das unbemerkt weiter zu tun). Die Medien, die so begeistert von den Demonstrationen schwärmen? Berichten jeden Freitag bequem vom medientauglichen Aufmarsch, aber ignorieren praktischen Umweltschutz komplett. Hier wurden z.B. gerade mehrere Regionalbuslinien abgeschaltet. Wurde von den Medien komplett neutral als "ist halt kein Geld da" berichtet, obwohl man da natürlich über die Umweltauswirkungen eingestellter Buslinien (gibt jetzt gar keine Alternative mehr zum Auto statt wenigstens einer schlechten) und günstigerer Alternativen zum klassischen ÖPNV (wie dem EcoBus oder dem Reallabor Schorndorf) berichten könnte. Leute, die von der tollen ÖPNV-Anbindung im 2-Stunden-Takt schwärmen, obwohl sie vermutlich nie mit dem Bus im ländlichen Raum unterwegs waren, werden dann hingegen wieder gerne unkritisch zitiert. Als der Vorschlag der Grünen aufkam, Flüge nach einer Freimenge höher zu besteuern, wurde sich darüber in den Medien eher lustig gemacht, anstatt darüber zu berichten, wie man das sozial gerecht umsetzen kann oder auch nur das eigene Reiseverhalten zu überdenken. (Oder habe ich die Ankündigungen der Medienunternehmen, in Zukunft allen Journalisten für Reisen eine BahnCard 100 zur Verfügung zu stellen, damit ihre Mitarbeiter zu möglichst umweltfreundlicher Reise angehalten werden, verpasst?)

@Onno Tasler Also einige der Schüler und Schülerinnen haben schon mit Konsequenzen zu rechnen. Wegen einmal blau machen vielleicht noch nicht. Aber wenn die Streiks tatsächlich weitergehen, dann könnte es zu Schulverweisen kommen. Und die Regierung wird einen Teufel tun, sich diesbezüglich zu positionieren. Die werden nur darauf verweisen, dass Schulisches Ländersache sei. Und die Landesregierungen werden es den Schulämtern überlassen, und die werden uneinheitlich entscheiden.
Was die Ausnutzung der Schülerproteste durch Politik die Politik und teilweise auch durch manche Medien betrifft, stimme ich überein. Nur ist das kein Grund, auf die Proteste zu verzichten. Wenn sie weitergehen, werden die Masken derer, die das nur vordergründig gut finden, schon irgendwann fallen.



 

Bilder vom Tage


Bilder vom Tage - aber die guten Bilder, die von #FridaysForFuture, nicht die furchtbaren aus #Christchurch, die es heute leider auch gab. Während sich ein AfD-Mitglied bereits dazu verstiegen hat beides zu verbinden und zu behaupten, die streikenden Schüler würden eine Mitverantwortung an dem Terrorakt in Neuseeland haben, zeigt die New York Times beeindruckende und farbenfrohe Bilder von den Demos aus aller Welt:

The New York Times: Pictures From the Youth Climate Strikes Worldwide (By THE NEW YORK TIMES)

#FridaysForFuture #Christchurch Gesellschaft Link Politik
Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (vor 3 Tage)

der letzte Absatz wäre doch noch mal eine coole Abschlussfrage für das AfD-Quiz gewesen:
"Wie viel Geld haben Lobbyisten seit dem Jahr 2000 für Desinformationskampagnen gegen den Klimawandel ausgegeben?" und diese Zahl dann mal in Relation zu den bereits erfolgten Ausgaben... ;)

@Hannibal Karthago machste wieder deine ooohhhh-alle-hier-auf-der-autobahn-fahren-falsch-und-nur-ich-merke-das :-D



 

Friedensnobelpreis für Klima-Aktivistin?


Greta #Thunberg ist von norwegischen Abgeordneten für den #Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Das freut natürlich die gesamte #FridaysForFuture Bewegung und lässt alle, die das Mädchen nur als Objekt und Opfer einer gigantischen PR-Aktion sehen, noch mehr glühen.

Derweil kann man natürlich auch darüber diskutieren, was das Aufbegehren gegen eine Politik, die zu wenig gegen den Klimawandel tut, mit mehr Frieden auf der Welt zu tun haben soll. Auf den ersten Blick nämlich nicht viel. Doch der von Greta geforderte Politikwandel fordert auch einen grundsätzlichen ökonomischen Wertewandel. Das belegt das Zitat unten aus einer Rede von Greta sehr deutlich. Nicht mehr Konkurrenz soll die Wirtschaft bestimmen, sondern Kooperation. Das ist zwar beileibe auch kein völlig neuer Gedanke, aber es ist ein für die derzeitigen Eliten gefährlicher Gedanke. Und: Kooperatives Verhalten befördert friedliches Verhalten, wohingegen Konkurrenz das befördert, was wir allenthalben sehen: Betrug, Lügen, Egoismus, Gleichgültigkeit und Hass.

Bild/Foto
#Thunberg #Friedensnobelpreis #FridaysForFuture Gesellschaft Politik
Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (vor 5 Tage)

Ich dachte dabei an Kreuzzüge. Aber ja, man kann es so sehen, wie Du schreibst, Hartmut, dass es immer andere Beweggründe dazu gibt, den Krieg wirklich zu führen. Krieg ist eben ein komplexes Thema. Ich wollte nur sagen, dass Kriege aus diesen oder jenen Gründen geführt werden. Und der Grund Klimawandel wird in unserer heutigen Zeit dominanter werden, als er in der Vergangenheit war, wobei sich auch in der Vergangenheit einige Kriege mitunter durch einen Klimawandel erklären lassen mögen.

@Rasmus Fuhse ja, so kann man es schon sehen. Die Kreuzzüge wären sicher nicht ohne die Ideologie des Katholizismus in Gang gekommen. So, wie es keine Kriege wegen religiöser Vorstellungen gibt, gibt es auch nur wenige ohne religiöse Vorstellungen.



 

Am Freitag wird es heiß


Für den herannahenden Freitag, den 15. März, plant die Bewegung #FridaysForFuture ihren bisherigen Höhepunkt. In über 90 Ländern und über 1.200 Städten weltweit (Quelle) werden Schüler auf die Straße gehen. Und für alle, die nach "Profis" rufen, haben mittlerweile 12.000 Wissenschaftler die Forderungen der Bewegung unterschrieben.
#FridaysForFuture Gesellschaft Klima Links Politik
Gibt sogar nen Trailer dafür:


Und in der Schweiz ist die größte Kirchturmuhr Europas um 5 vor 12 stehen geblieben (es gibt auch Nachrichtenquellen dazu, aber alle mit Ad-Blocker-Blockierung, deshalb keine Links dorthin):



 

Tag der Frau heute in Schweden


"Expressen", ein führendes schwedisches Boulevard-Magazin, zuständig für so Sachen wie "die schwedische Vorzeigefrau des Jahres am Tag der Frau" zu küren, hat sich, wie sollte es anders sein, für das schwedische Mädchen des Jahres entschieden. Ein Full-featured-Artikel mit neuen Bildern, Videos und Details, mit vielen Fragen und Erklärungen seitens der Protagonistin zu Autismus, Asperger und ihrem Leben. Durchaus informativ!

Im Schulfach Englisch hatten sie gerade eine Übung, in der die Klasse gefragt wurde, wer die Bewegung #FridaysForFuture gegründet hat. Greta antwortete wahrheitsgemäß "I did". Arnold #Schwarzenegger, der sie zu einem Klima-Event im Mai dieses Jahres nach Wien einlud, sagte sie zu mit den Worten "hasta la vista, baby". Und: "Ja, ich habe ein gutes Gedächtnis für Details und kann rückwärts sprechen. Ich bin in einigen Bereichen Nerd."

Ja, #Greta hat eine faszinierende Persönlichkeit mit Spaltpotential, was die öffentliche Wahrnehmung betrifft. Als Mensch und mit ihrer Mission absolut authentisch, und wer da Zweifel anmeldet, tut besser daran, an sich selbst zu zweifeln. Dennoch gibt es Kritikpunkte wie den, warum am 22. Mai dieses Jahres schon eine mit heißer Nadel gestrickte Biografie von Greta erscheinen soll. Das beflügelt leider nur ihre Gegner.

Hinweis: der nachfolgend verlinkte Artikel ist auf Schwedisch. Versteht ja nicht jeder. Hier die Übersetzung mit Hilfe von Google Translator.